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22.05.2019

Was Europäer im Augsburger Land an Europa schätzen

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Die einen kommen der Liebe wegen ins Augsburger Land, die anderen führt die Arbeit hierher.
Bild: Patrick Pleul, dpa

Plus Die einen kommen der Liebe wegen, die anderen führt die Arbeit hierher. Was alle verbindet: Sie fühlen sich in der Einheit der Länder zu Hause.

Für die einen ist Europa mit seinen offenen Grenzen und seiner kulturellen Vielfalt eine Bereicherung. Die anderen sehen in dem Staatenverbund einen bürokratischen Apparat, der ihnen außer gerade gewachsenen Gurken im täglichen Leben nicht viel zu bieten hat. Wir haben nachgefragt, wie Menschen aus europäischen Ländern, die im Augsburger Land leben, auf Europa blicken.

  • Der Luxemburger Seit 50 Jahren lebt Jean-Pierre Kremer in Deutschland. Für den 74-Jährigen ist Europa mehr als ein komplexer Staatenverbund. Er verbindet damit vor allem den freien Austausch von Gedanken und Ideen. „Wir können denken, was wir wollen und gehen, wohin wir wollen. Das ist ein wichtiges Gut, das wir erhalten sollten“, sagt Kremer.
    Seit 50 Jahren lebt Jean-Pierre Kremer in Deutschland.
    Bild: Kremer

Ihn selbst zog es als jungen Mann zum Studium nach München. Dort lernte er seine spätere Frau Evangelia aus Griechenland kennen. Gemeinsam leben sie in Langerringen. Wie wichtig dem 74-Jährigen der europäische Austausch ist, zeigt sich in seinem persönlichen Engagement.

Ein echter Kosmopolit

Er hat die Städtepartnerschaft zwischen Langerringen und der französischen Gemeinde La Baconnière mitbegründet. Kremer lebte mehrere Jahre in Belgien, mit seiner Familie auch für ein Jahr in Amerika. Er selbst bezeichnet sich als echten Kosmopoliten. Er findet: „Es ist wichtiger denn je, dass wir populistischen Tendenzen entgegentreten.“ Er könne nur alle ermutigen, an der Europawahl teilzunehmen. Denn: „Europa ist eine gute Sache, die es zu bewahren gilt.“

  • Die Italienerin Etwas skeptischer blickt Silvia Hofmann-Maggiore auf Europa. Die Liebe hat sie 1997 von einem Dorf nahe der italienischen Stadt Bologna nach Stadtbergen verschlagen. Kennengelernt hat sie ihren Mann beim Studium in England. Auch die 49-Jährige ist froh über Einheitswährung und Schengenabkommen. „Europa hat viele gute Seiten, aber in Kleinigkeiten hakt es“, sagt sie. Es gebe Richtlinien und Vorschriften, die für die Bürger nicht nachzuvollziehen seien. In Italien herrsche oftmals das Gefühl, dass die EU für Deutschland und Frankreich gemacht ist. Die Flüchtlingskrise habe gezeigt, dass der Zusammenhalt nicht immer gegeben ist. Die EU habe versprochen, die Flüchtlinge zu verteilen, das sei aber nicht passiert. „Da verlieren viele den Blick auf die positiven Dinge“, sagt Hofmann-Maggiore.

Wie „Maggi“ und „ore“

Sie selbst lebt die europäische Idee in ihrer täglichen Arbeit. Als Stadtführerin zeigt sie Touristen aus aller Welt die Augsburger Altstadt, als promovierte Dolmetscherin hilft sie Behörden beim sprachlichen Austausch. Ihren Namen buchstabiert die 49-Jährige übrigens gut verständlich für jeden Deutschen: Wie „Maggi“ und „ore“.

  • Der Österreicher Für Stefan Egger war der Sprung von Innsbruck an den Ammersee nicht ganz so groß. Auch er kam 1995 der Liebe wegen nach Bayern, pendelte aber als DJ und Event-Manager schon vorher viel zwischen Deutschland und Österreich. Seine Mutter ist Engländerin, sein Bruder lebt in Spanien. „Ich war immer schon offen für Europa“, sagt Egger. Er sei liberal aufgewachsen, andere Länder und Nationalitäten seien ihm nie fremd gewesen. „Ich sehe Europa als große Bereicherung“, sagt Egger, der seit 2011 das PM in Untermeitingen leitet. Nach all den Jahren würden die vielen Vorteile und Erleichterungen, die die EU mit sich bringt, schon fast in Vergessenheit geraten. Egger sieht sich als überzeugten Europäer. Dabei schlug ihm so manches Vorurteil entgegen, als er nach Bayern kam. „Ich wurde oft als Nusser bezeichnet“, erinnert sich Egger. Niemand konnte ihm erklären, warum, bis er herausfand, dass „Nusser“ wohl ein wurzelessendes, tiroler Bergvolk bezeichnen soll. Er nahm es mit Humor. Die hohen Berge und lockere Mentalität der Tiroler würden ihm trotz des guten Miteinanders manchmal fehlen.
    Für Stefan Egger war der Sprung von Innsbruck an den Ammersee nicht ganz so groß.
    Bild: Egger

Steffi Graf und Boris Becker waren die großen Vorbilder

  • Der Bulgare Auch Vilislav Vassilev ist ein großer Fan von Europa, wie er selbst sagt. Der 47-Jährige kam 1993 nach dem Studium mit seiner Frau von Bulgarien nach Deutschland. „Für mich war das immer ein Traum“, sagt der diplomierte Tennistrainer. Steffi Graf und Boris Becker seien große Vorbilder gewesen. Außerdem schätze er Pünktlichkeit und Genauigkeit. Tagelang habe er damals am deutschen Konsulat für ein Visum gewartet. Das galt immer nur für drei Monate. Bulgarien trat erst 2007 der EU bei. Der Sport habe ihm geholfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Heute leitet Vassilev eine eigene Tennisschule in Augsburg. Als Trainer ist er europaweit auf Turnieren unterwegs. Frei reisen ohne Geld wechseln zu müssen – für ihn ist das eine Bereicherung. „Ich würde Europa nie verlassen“, sagt Vassilev. Jedes Land habe seine eigenen Vorzüge und Interessen. Aber gemeinsam bilden sie eine Einheit. „Wir profitieren alle davon“, sagt der 47-Jährige. Dass Europa von manchen Seiten in Frage gestellt wird, kann er nicht verstehen.
    Vilislav Vassilev  ist ein großer Fan von Europa
    Bild: Vassilev
  • Die Engländerin Wie geht es nach dem Brexit weiter? Diese Frage beschäftigt Naomi Jevons. 2015 zog die 38-jährige Britin mit ihrer Familie nach Deutschland. In Biburg haben sie ein Haus gebaut, die Kinder gehen hier zur Schule. Ob sich für sie etwas ändert, wenn England die EU verlässt, weiß Jevons nicht. „Alles ist ungewiss, niemand hat bis jetzt eine Lösung dafür“, sagt sie. Als überzeugte Europäerin würde sie sich wünschen, dass England in der EU bleibt. Denn sie schätze die mit einhergehende Reisefreiheit und Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Aber dafür sei es jetzt zu spät. „Es ist einfach schade“, sagt die 38-Jährige. Der gegenseitige Austausch werde dadurch erschwert.

  • So geht es weiter: Wie die Europa-Wahl in der JVA-Gablingen funktioniert

  • Bereits erschienen in unserem Themenschwerpunkt zur Europawahl:
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