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Landkreis Augsburg

08.05.2020

Wegfall gering bezahlter Jobs bringt zwei Frauen aus der Region in Not

Menschen mit geringem Einkommen haben es schwer, eine Wohnung zu finden. Die Corona-Krise spitzt die Situation für viele Menschen weiter zu.
Bild: Peter Fastl (Symbolfoto)

Plus Durch die wirtschaftlich schwierige Zeit fallen viele 450-Euro-Jobs weg. Das bringt besonders Frauen in finanzielle Nöte. Ein Beispiel einer Mutter aus Bobingen.

„Eine schier ausweglose Situation!“, sagt Anna Müller*. Die 58-jährige in Bobingen lebende Frührentnerin meint damit nicht nur ihre eigene Lebenssituation: Denn gleich zu Beginn der Corona-Krise und der Ausgangsbeschränkungen hat sie ihren 450-Euro-Job in einem Callcenter und damit ihr Zubrot zur ohnehin schmalen Rente verloren. Vor allem aber sorgt sich die Frau um ihre mehrfach kranke und seit 2018 an einem hypophysen Gehirntumor leidende 28-jährige Tochter.

Die junge Hartz-IV-Bezieherin lebt in einer einfachen Wohnung im 5. Stock eines Gebäudes ohne Aufzug in Neusäß und ist im sechsten Monat schwanger. Auch sie, die krankheitsbedingt nicht länger als drei Stunden täglich arbeiten kann, hat coronabedingt ihren kleinen Zuverdienst als Haushaltshilfe verloren. Der Wunsch der Mutter, zum einen mehr finanzielle Unterstützung für die Tochter zu erhalten, zum anderen für diese eine auch babygerechte und bequemere Wohnung in Bobingen zu finden und ihr damit, wenn das Enkelkind erst mal da ist, besser helfen zu können, ist bislang trotz intensiver Bemühungen nicht in Erfüllung gegangen.

Corona-Zeit treibt die Not vieler Menschen auf die Spitze

Das wäre schon in „normalen“ Zeiten recht schwierig, so die Erfahrung der beiden Frauen. Denn viele Vermieter vergäben eine Wohnung nur an solvente Mieter, die zudem kein Haustier haben – so wie Sarah eben einen kleinen Hund hat. Aber die Umstände in Corona-Zeiten treiben die Not vieler ohnehin nicht gut gestellter Menschen noch zusätzlich auf die Spitze.

Das bestätigen auch Beratungsstellen. So richtete die Diakonie Augsburg wegen der Corona-Krise eigens ein Sorgentelefon für Familien ein. „Die Corona-Krise hat für viele Menschen, auch für Familien, existenziell bedrohliche Konsequenzen“, sagt Christian Hering, Einrichtungsleiter Flexible Jugendhilfe bei der Diakonie Augsburg. Finanzielle Einbußen durch Kurzarbeit oder gar Kündigungen, Homeoffice und gleichzeitige Betreuung und Beschulung der Kinder zu Hause: „Da kommt ganz viel zusammen, und das ergibt einen krisenhaften Zustand.“ Noch dazu fielen meist die Großeltern, die selbst nun schutzbedürftig seien, als Helfer aus.

Die gesamte Überlastung könne sich „zum Pulverfass“ entwickeln. So rufen laut Hering beim Sorgentelefon derzeit auch Familien an, zu denen die Beratungsstelle sonst keinen Kontakt hat.

Ausnahmesituation auch für Helfer und Berater

Doch auch die Helfer beziehungsweise Berater befänden sich in einer Ausnahmesituation, weist Hering hin. Normalerweise würden die Beratungen und Hilfen auf persönlichem Kontakt beruhen. Jetzt erfolgten diese nur telefonisch, und einen „Bedarf per Telefon festzustellen ist viel aufwendiger!“ Oft hören die Berater gerade den Satz: „Wir wissen es nicht mehr zu stemmen.“ Dann gäben sie emotionale Entlastung mit dem Hinweis, dass dies momentan keiner schaffe. Erleichtert ist Christian Hering, dass nun nach vielen Wochen die Kinder von Alleinerziehenden in die Notbetreuung der Kitas gehen dürfen.

Ob Kurzarbeit oder Jobverlust: Die Corona-Krise bringt viele Menschen in eine finanzielle Schieflage: In diesen Fällen helfen die Mitarbeiter der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werkes Augsburg (DWA) – doch auch hier gibt es aktuell nur telefonische Beratung. Eine ständig aktualisierte Übersicht über die Erreichbarkeit der Einrichtungen und Dienste des DWA gibt es unter www.diakonie-augsburg.de.

Fast nur noch brisante Themen in den Beratungen

„In vielen Familien spitzen sich Krisen zu, die bereits vor Corona bestanden“, sagt Andrea Baumann, Leiterin der Familienstation Neusäß des Frère-Roger-Kinderzentrums. Seit Ausbruch der Corona-Krise sei der Anteil an brisanten Themen in ihren Beratungen deutlich gestiegen, während alltägliche Erziehungsfragen kaum mehr thematisiert werden.

Die Sozialpädagogin geht davon aus, dass die Situation für Familien und Alleinerziehende in den nächsten Wochen und Monaten noch problematischer werden. Sie erwartet einen Anstieg an Anfragen. Die Familienstation Neusäß berät derzeit per Telefon. Darüber hinaus besteht seit Kurzem in einem eigenen Raum des Gebäudes in der Bürgermeister-Kaifer-Straße 10 in Neusäß auch die Möglichkeit für persönliche Beratung in Fällen, wo das Telefon als Kommunikationsweg an seine Grenzen stößt. Die Abstands- und Hygienevorschriften seien dabei gewährleistet, so Andrea Baumann.

Die Beratungsstelle in Neusäß ist dienstags und donnerstags von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr zur Telefonberatung besetzt (unter den Telefonnummern 0821/65070955 oder 0151/22021204).

* Namen von der Redaktion geändert

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