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Landkreis Augsburg

14.03.2018

Wenn der Himmel nachts zu hell leuchtet

Wenn man von der Sternwarte Diedorf nachts in den Himmel blickt, ist es manchmal schwer, Sterne und Planeten zu beobachten.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Leuchtet das Firmament nachts zu stark, heißt das Lichtverschmutzung. Wer davon betroffen ist und welche Gefahren das birgt.

Friedrich Wagner aus Thierhaupten konnte nachts nicht mehr schlafen. Es war einfach zu hell. Ein Strahler in einem nahegelegenen Gewerbegebiet schien grell in sein Schlafzimmer. „Diese grässliche weiße Lampe war nicht mehr zum Aushalten“, sagt er. Genauso erging es Anwohnern des TSV Gersthofen. Sie wurden von einer gleißenden Flutlichtanlage des Sportplatzes gestört.

Beide Fälle sind Beispiele dafür, wie sich Kunstlicht in der Nacht schädlich auswirken kann. Dieses Phänomen nennt man Lichtemission, Lichtverschmutzung oder sogar Lichtsmog. Es bedeutet, dass es immer mehr Lampen gibt und nicht mehr richtig dunkel wird. Für diese Probleme ist das Landratsamt Augsburg zuständig. Es gibt dort sogar eine eigene Fachstelle für Immissionsschutz.

Lichtverschmutzung sollte nicht unterschätzt werden

Weil Friedrich Wagner mehrere Wochen von dem grellen Strahler geblendet wurde, wandte er sich an Simone Krämer, stellvertretende Leiterin der Fachstelle. „Herr Wagner sandte uns einen Brief und fotografierte sogar den Strahler. Das war gut, wir konnten schnell handeln und das zuständige Unternehmen kontaktieren.“ Im vergangenen Jahr gab es insgesamt drei solche Beschwerden zu Lichtsmog. „Auch wenn die Zahl der Lärmbeschwerden weitaus höher liegt: Lichtverschmutzung sollte nicht unterschätzt werden“, sagt Krämer.

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Wird es in der Nacht nicht richtig dunkel, kann sich das auf die Gesundheit des Menschen auswirken. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt (LfU) in Augsburg werde durch zu viel Licht der Tag-Nacht-Rhythmus gestört. Das beeinflusse vor allem das Hormon Melatonin im Körper. Weniger Melatonin bedeute schlechteren Schlaf und mehr Stress. Das könne das Immunsystem schwächen und die Gesundheit beeinträchtigen. Nach Informationen des LfU unterstützt Melatonin zudem das traumreiche Schlafen. Das ist wichtig, damit sich nachts auch die Psyche erholen kann.

Auch Tiere sind betroffen

Doch nicht nur der Mensch kann unter Lichtverschmutzung leiden. Für Tiere ist zu viel künstliches Licht in der Nacht ebenso ein Problem. Leuchten Städte und Straßen zu hell, können sich Zugvögel zum Beispiel auf ihren Flugrouten nicht mehr orientieren. Insekten werden zudem von den unnatürlichen Lichtquellen angezogen. Claus Herold vom LfU erklärt: „Sie werden orientierungslos und können an den heißen Lampen sogar verbrennen.“

Lichtsmog führt aber nicht nur zu gesundheitlichen und biologischen Schäden. Wolfgang Mahnkopf von der Astronomischen Vereinigung Augsburg sieht auch ein kulturelles Problem. „Die Lichtemissionen nehmen immer mehr zu. Mittlerweile ist es an der Sternwarte Diedorf so hell, dass man die Milchstraße oder die Sternbilder mit bloßem Auge nicht mehr erkennen kann“, sagt er.

Die erste Vorsitzende des Vereins, Christina Zerbe, berichtet zudem: Als der Verein vor 40 Jahren eine Stelle für die Sternwarte suchte, ging er nach Diedorf, da es dort wesentlich dunkler war als in Augsburg. Mittlerweile nimmt die Beleuchtung auch dort zu. Für Christina Zerbe liege das auch an den neueren LEDs. Sie benötigen zwar weniger Strom, dafür benutzen die Bürger immer mehr LED-Lampen. Wolfgang Mahnkopf und Christina Zerbe sehen diese Entwicklung kritisch. Für sie ist der dunkle Nachthimmel mit seinen Sternenbildern ein schützenswertes Gut.

Für Fotografien ist es mittlerweile viel zu hell

Für die Sternwarte ergibt sich dazu ein weiteres Problem. „Schwächere Himmelsobjekte kann man nur sichtbar machen, indem man langbelichtete Fotografien von ihnen macht“, erklärt Christina Zerbe. Wolfgang Mahnkopf sagt: „Für die Fotografen ist es hier zu hell. Sie müssen für ihre Bilder an andere Orte ausweichen.“

Dass der Raum Augsburg bei Nacht immer heller wird, stellte Michael Martin schon als Kind fest. Der bekannte Wüstenfotograf aus Gersthofen hatte eine kleine Sternwarte auf dem Garagendach seiner Eltern. Er erzählt von früher: „Ich wollte mir immer die besten Himmelskörper im Süden anschauen. Doch das schreckliche Lichtermeer der Stadt verdeckte alles.“ Mit dem Fahrrad ist der damals 15-Jährige immer zu einem Beobachtungsberg im Allgäu geradelt. Heute berührt ihn das Thema Lichtverschmutzung aber immer noch: „Ich bin in vielen abgelegenen Wüsten und Polargebieten unterwegs. Dort ist der Nachthimmel immer extrem dunkel.“ Umso mehr fielen ihm die vielen Lichter auf, wenn er nach Deutschland komme. Das Problem zu lösen, halte er aber für schwierig.

Für Friedrich Wagner aus Thierhaupten und den TSV Gersthofen gab es zum Glück eine Lösung. In beiden Fällen konnten die unangenehmen Strahler anders ausgerichtet werden. Dort ist nachts jetzt wieder dunkel.

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