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Dinkelscherben

30.11.2018

Wie Politiker das Seniorenheim in Dinkelscherben retten wollen

Das Seniorenwohnheim Dinkelscherben beschäftigt die Dinkelscherber. Neben den 75 Bewohnern sind auch rund 50 Arbeitsplätze betroffen. 
Bild: Marcus Merk

Plus Nachdem bekannt wurde, dass das Seniorenheim in Dinkelscherben geschlossen werden soll, regt sich Widerstand. Mitglieder des Gemeinderats fordern einen runden Tisch.

Die Nachricht war für viele ein Paukenschlag. Weil eine Renovierung zu aufwendig ist, will die Hospitalstiftung Dinkelscherben das dortige Seniorenheim schließen. Der Dinkelscherber Gemeinderat Tobias Mayr (CSU) ist entsetzt. Er sagt: „Das ist eine Katastrophe für den Ort und die Region.“ Mayr will die Schließung unbedingt verhindern.

Er hat bereits Kontakt mit seiner Parteifreundin Carolina Trautner, der neuen Staatsministerin im Familienministerium, aufgenommen. Außerdem fordert der Gemeinderat einen runden Tisch mit Vertretern der Gemeinde, den Verantwortlichen der Stiftung sowie der Heimleitung. „Ich hoffe, dass es noch nicht zu spät ist“, sagt Mayr. Schließlich gehe es um die Heimat vieler Pflegebedürftiger, für die ein Umzug sehr belastend sei.

Bewohner im Seniorenheim sind erschüttert

Die Verzweiflung unter den Bewohnern sei groß, heißt es auch aus Helferkreisen. Bei einem Treffen am Mittwochnachmittag seien die Bewohner und der Heimbeirat über die geplante Schließung informiert worden. Diese Nachricht habe viele der Senioren schwer getroffen. Sie sollen zum Teil im Zusmarshauser Seniorenheim St. Albert und in den umliegenden Einrichtungen untergebracht werden. Experten erklären, dass ein solcher Umzug für die Senioren mit großem Stress und Angst verbunden ist.

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Deshalb will auch Gemeinderat Peter Kraus (Freie Wähler) die geplante Schließung verhindern. Auch seine Fraktion wolle Kontakt zu Parteikollegen im Landtag aufnehmen. Derartige Überlegungen habe es bei der SPD in Dinkelscherben zwar noch nicht gegeben, sagt Gemeinderätin Annette Luckner, doch auch sie unterstütze Überlegungen, das Seniorenheim weiterhin im Ort zu halten. Allerdings sei jedem, der die Einrichtung besuche, klar, dass sie nicht mehr den modernen Standards entspreche. „Es muss viel gemacht werden.“

Kraus bedauert zudem den Wegfall von rund 50 Arbeitsplätzen in Dinkelscherben. „Die Gemeinde ist ohnehin nicht mit Arbeitsplätzen gesegnet.“ Zwar sollen alle Mitarbeiter einen vergleichbaren Arbeitsplatz in Zusmarshausen und anderen Einrichtungen finden. Doch die Dinkelscherber Mitarbeiter seien vor allem wegen des wohnortnahen Arbeitsplatzes in der Marktgemeinde sehr zufrieden. „Es werden auch sicher nicht alle in Zusmarshausen arbeiten können“, sagt Kraus. Auch wie viele der betroffenen Senioren aus Dinkelscherben dort unterkommen können, sei unklar.

Auf Nachfrage verweist der Vorsitzende der Hospitalstiftung, Ulrich Hörwick, auf Rechtsanwalt Guntram Baumann. Aktuell seien in Zusmarshausen elf Plätze frei, jeder zukünftig frei werdende Platz werde „selbstverständlich für die Bewohner aus Dinkelscherben reserviert“, teilt Baumann mit. Dort leben derzeit 75 Senioren.

Dinkelscherber Bürgermeister zeigt sich überrascht

Der Dinkelscherber Bürgermeister Edgar Kalb kritisierte, dass eine Jahrhunderte alte, soziale Einrichtung aus „rein betriebswirtschaftlichen Gründen eliminiert“ werde. Außerdem bemängelte er, dass der Markt vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. Weder Kalb selbst, noch einer seiner Vertreter sei in den Entscheidungsprozess eingebunden gewesen. Es habe keine Information im Vorfeld der Entscheidung gegeben.

Ein Vorwurf, den Anwalt Baumann nicht stehen lassen möchte. Der Entschluss zur Schließung sei im Verwaltungsausschuss der Hospitalstiftung gefasst worden. Diesem gehöre auch ein „vom Markt Dinkelscherben zu benennendes Mitglied“ an. Der Vorsitzende der Hospitalstiftung, Ulrich Hörwick, erklärt: „Dieser Vertreter wurde auch vom Bürgermeister bestimmt.“ Kalb sei am vergangenen Freitag „persönlich durch den Vorstand der Stiftung über die entsprechenden Beschlüsse informiert worden“. Unabhängig davon sei seit Jahren bekannt, dass renoviert werden müsse. „Nur ein Blick in das Seniorenheim zeige jedem, dass es weit davon entfernt sei, mit nur kleinen Maßnahmen angepasst werden zu können“, sagt Hörwick.

Seniorenheim in Dinkelscherben müsste renoviert werden

Das Seniorenheim Dinkelscherben wird regelmäßig durch die Heimaufsicht des Landkreises überprüft. Das Landratsamt teilt mit, dass das Gebäude aus dem Jahr 1604 auch aufgrund seines Alters in großen Teilen nicht barrierefrei sei. Es wären durchaus Umbaumaßnahmen notwendig, um das Gebäude mit Bewohnerzimmern und Sanitärräumen barrierefrei zu gestalten. Das seien aber „keine unerfüllbaren Forderungen an den Einrichtungsträger“.

Vergangene Berichte der Landkreisverwaltung zeigen, dass die Mängel in Dinkelscherben kein Einzelfall sind. Bei einer Untersuchung vor zwei Jahren wurde festgestellt, dass keine der 25 stationären Einrichtungen im Landkreis alle baulichen Anforderungen erfüllt. Damals betonte die Verwaltung, durchaus kompromissbereit zu sein. Auf eine rasche Umsetzung dränge man grundsätzlich nur, wenn es um die Sicherheit geht.

Das Altenheim in Dinkelscherben wird seit Jahren durch die CAB Caritas Augsburg geführt. Geschäftsführerin Brigitta Hofmann hält den Beschluss zur Schließung für „absolut richtig“. Alles andere wäre unverantwortlich und würde nur eine „ständige Verletzung der baulichen Gesetze für Pflegeheime“ bedeuten. Zuletzt habe die Stiftung die Balkone absperren müssen, da dort eine Stufe vorhanden sei, die den Bestimmungen der Barrierefreiheit nicht entspricht.

„Eine Modernisierung und Anpassung an die heutigen gesetzlichen Bestimmungen ist aus wirtschaftlicher Sicht einfach nicht vertretbar“, ergänzt Hörwick. Notwendig seien Investitionen im hohen einstelligen Millionenbereich. Wie das Gebäude künftig genutzt werden soll, ist weiterhin unklar.

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