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Landkreis Augsburg

27.12.2020

Wie die Kirchengemeinden trotz Corona Weihnachten feiern

Pfarrer Thomas Groll zelebrierte den Gottesdienst im Hirblinger Vereinsstadel.
Bild: Diana Zapf-Deniz

Plus Wie so vieles in diesem Jahr fielen auch die Festtage für die Gläubigen anders aus als gewohnt. Mancherorts wurde im Stadel oder in der Reithalle gebetet.

Es war kein Jahr wie jedes andere. Und kein Weihnachten wie jedes andere. So fanden im Landkreis Augsburg zahlreiche Gottesdienste am Heiligen Abend statt und auch noch an den beiden Weihnachtsfeiertagen, denn der 25. Dezember ist das Hochfest der Geburt des Herrn.

Die evangelische Kirchengemeinde in Gersthofen hatte ein umfangreiches Programm erarbeitet. So gab es am Nachmittag des 24. für Familien eine Stationenkrippe zum Bestaunen und einen Gottesdienstfilm. Mit viel Liebe und Aufwand hat die gesamte Gemeinde einen Film entstehen lassen, der zu Herzen geht. Gottesdienst im Onlineformat mit zauberhaftem Kindergesang, Chormitgliedern und Leiter Tobias Leukhardt, Trompetenspiel, Kantorin Elisabeth Kaiser, Jugendlichen, die die Weihnachtsgeschichte vorlesen, Grüßen von Bürgermeister Michael Wörle, der katholischen Pfarreiengemeinschaft Gersthofen und der frohen Botschaft durch Dekan Frank Kreiselmeier, Pfarrerin Anna Barth und Diakon Christian Wolf. Oberkirchenrat Stefan Blumtritt unterstützte seine frühere Gemeinde und hielt den letzten Gottesdienst am Weihnachtsabend im Freien vor dem Backhaus. Blumtritt zog in seiner Ansprache Parallelen von heute zur Weihnachtsgeschichte, die er als Steilvorlage für das diesjährige Fest sah. Gott und das Heilige seien nicht berechenbar. „Rechnen Sie mit dem Undenkbaren.“ Sein inniges Gebet berührte die Anwesenden. „Wir bitten Dich für alle, die heute Nacht alleine beim Sterben liegen. Wir bitten Dich für alle, die Angst vor der Stille haben. Wir bitten Dich für die, die ihre gewohnte Gesundheit verloren haben." Familie Peter empfand den Gottesdienst als großen Trost. Gerne wären sie bei ihrer Angehörigen, die im Seniorenheim in Gersthofen an Corona erkrankt ist.

Viel Platz im Hirblinger Vereinsstadel

In Hirblingen hielt Pfarrer Thomas Groll von St. Blasius die Messe mehrfach im Vereinsstadel. „Wir hatten aufgrund der Ausgangssperre Sorge, dass wir nicht alle vier Gottesdienste am 24. unterbringen würden“, berichtet er. So fanden drei katholische Gottesdienste und ein evangelischer statt. „Der Vereinsstadel ist ein Geschenk Gottes“, lobt Groll das Bauwerk, das auf kirchlichem Boden steht. „Es ist eine Win-win Situation für alle Beteiligten. Denn im Stadel haben mit den Corona-Regeln mehr als doppelt so viele Menschen Platz wie in der Kirche. Deshalb kam in Hirblingen jeder, der es wünschte, in den Genuss, einen Gottesdienst zu besuchen. Groll beschäftigte sich in seiner Predigt mit den großen Fragen der Menschheit. Es mache nichts aus, wenn es in anderen Galaxien auch Leben gäbe. Wichtig sei, dass das höchste Wesen an uns interessiert ist. „Es fällt vielen leicht, Jesus als Menschen mit guten Prinzipien zu sehen, aber nicht, dass er Gottes Sohn ist.“ Er sprach den Besuchern Mut zu: „Gott überlässt uns nicht unserem Schicksal.“ Christus sei nicht nur vor über 2000 Jahren auf die Welt gekommen, sondern er komme immer wieder in unsere Herzen und stehe uns bei. Sehr schön war in beiden Gottesdiensten den Gesang der einzelnen Sänger zu hören. Eine Besonderheit in diesen Tagen. Petra Eckl, Verwaltungsleiterin in der Pfarrei St. Georg in Augsburg, spielte die Orgel.

Nele Schreibmüller spielte den Josef im Krippenspiel für die evangelische Gemeinde der Philippuskirche Westheim. Ihre Angehörigen verfolgten den Auftritt auf einem der Strohballen bei der Stallweihnacht in Ottmarshausen.
Bild: Uwe Krella

Strohballen statt Kirchenbänke. So sah ein besonderer Gottesdienst am Heiligen Abend in Ottmarshausen aus. In der Reithalle bei den Stallungen der Familie Schachner fanden 195 Gläubige der evangelischen Philippuskirche Westheim eine Herberge. Die Idee für die Stallweihnacht wurde aus dem Kirchenvorstand an Pfarrerin Stephanie Heiß herangetragen, da coronabedingt nur wenige Gemeindemitglieder in der Kirche hätten unterkommen können. Die seit Jahrzehnten in Neusäß verwurzelte und engagierte Familie Schachner stellte ihre Stallung in Ottmarshausen zur Verfügung. Einlass in die Reithalle bekam nur, wer sich angemeldet hatte. Die mit großem Abstand verteilten Strohballen waren nummeriert und so den Familien zugeteilt. Die Tür der großen Halle stand zur Belüftung weit offen. Vor dem Gottesdienst hatten freiwillige Helfer die Pferde rechtzeitig in den Stall gebracht. Karl Schachner verteilte die Strohballen in der Reithalle. Der Gottesdienst, der von Pfarrerin Heiß auf eine Dauer von 40 Minuten verkürzt worden war, wurde von einem Posaunenchor musikalisch gestaltet.

Mit Mund-Nasen-Schutz und ohne Gesang in Ellgau

Auch die Gottesdienstbesucher in Ellgau mussten sich anmelden, sie trugen einen Mund-Nasen-Schutz und durften nicht zur Ehre Gottes singen. Kantoren übernahmen den festlichen Gesang, Organistin Elke Eser spielte die Orgel. Bereits am Mittwoch, 23. Dezember 2020 waren die Ellgauer Kleinkinder mit ihren Familien zur Krippenfeier eingeladen. Das Team Gundula Thalhofer, Claudia Jung und Simone Götzfried war für die Vorbereitung verantwortlich. Abschließend durfte sich jedes Kind vom Barbarastrauß einen Segenswunsch in Sternenform mit nach Hause nehmen. Susanne Hurler lud die größeren Kinder am Heiligen Abend zur Krippenfeier mit dem Thema „Licht“ ein. 15 Buben und Mädchen spielten unter Beachtung der Corona-Auflagen das Krippenspiel nach dem Evangelisten Lukas. Jedes beteiligte Kind brachte dem Jesuskind in der Krippe ein Licht, sodass es um das göttliche Kind immer heller wurde. Kaplan Sanoj feierte mit den Gläubigen in St. Ulrich die Christmette. Eine ganz besondere Atmosphäre erfüllte den Kirchenraum beim Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ – dieses Mal von einer Schola des Ellgauer Kirchenchores gesungen, die auch den Gottesdienst festlich umrahmte. Am zweiten Weihnachtsfeiertag feierte Kaplan Solomon Essiet die Eucharistie in Ellgau. In seiner Predigt sagte er: „Weihnachten ist die Geburtsstunde der Hoffnung, dass wir nicht untergehen werden.“

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