Welden

27.06.2018

Der Südkorea-Kenner aus Welden

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2 Bilder
Maximilian Breitmoser (ganz links) mit seinen Mannschaftskameraden vom FC Dream der Korean University Business School im Olympiastadion von Seoul. Im rechten Bild als Stürmer des Kreisklassisten TSV Welden.
Bild: Breitmoser

Maximilian Breitmoser hat zwei Jahre in Seoul studiert und dort auch Fußball gespielt. Wie er die Chancen der deutschen Mannschaft beurteilt

Mit dem TSV Welden hat Maximilian Breitmoser in der abgelaufenen Saison der Fußball-Kreisklasse Nordwest unter anderem gegen Lützelburg, Thierhaupten oder Margertshausen gespielt. Mit dem FC Anyang hat der inzwischen 31-Jährige gegen Cheongju oder Songdo gekickt. Der FC Anyang spielt in der Sunday League, einer vor rund 20 Jahren gegründeten Hobbyliga in Seoul. In der südkoreanischen Hauptstadt hat Maximilian Breitmoser schon zweimal für ein Jahr studiert, an der Korea University Business School seinen Bachelor und Master gemacht. Mit großem Interesse sieht er deshalb dem letzten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Südkorea entgegen.

„Wir haben schon ein bisschen hin und her gestichelt“, berichtet er vom Austausch mit seinen koreanischen Freunden im Netz. „Aber die Koreaner, die normal Deutschland bewundern, können die Lage gut einschätzen, dass für die bei dieser Weltmeisterschaft wohl nicht so viel möglich ist.“ Breitmoser beherrscht die Sprache und die Schrift, genannt Hangeul, seines Gastlandes. Im Restaurant kann er mittlerweile mühelos bestellen. Das war am Anfang ganz anders. „Als wir im August 2013 erstmals in Seoul ankamen, sind wir am Abend in einem Restaurant gelandet, in dem die Speisekarte in koreanischer Schrift verfasst war und keiner der Angestellten auch nur ein Wort Englisch konnte. Wir haben dann einfach auf irgendetwas gezeigt.“

Ansonsten könne man sich vor allem in den großen Städten wie Seoul auf Englisch verständigen. „Das ist kein Problem. Die Studiengänge an der Universität sind sehr international angelegt. Es ist auch in der Stadt alles auf Englisch angeschrieben. Außerhalb wird es dann schon schwieriger“, erzählt Maximilian Breitmoser, der als Sechsjähriger von München nach Welden gekommen ist und beim dortigen TSV das Fußball-Einmaleins gelernt hat. Kein Wunder, dass er auch in Südkorea Fußball spielen wollte. Das System ist allerdings anders als in Deutschland. „Es ist amerikanisch ausgerichtet. Es gibt keine Vereine wie bei uns, alles läuft über Schulen und Universitäten.“ Auch an seiner Universität, die auch ein Profi-Team besitzt, in dem Spieler mit einem Sport-Stipendium kicken. „Wenn sie es nicht in den Profibereich schaffen, haben sie zwar ein Studium absolviert, aber nichts gelernt.“ Maximilian Breitmoser war für ein Team seines Uni-Departments am Ball, den FC Dream. Mit dem durfte sogar beim großen, drei Tage dauernden Vergleich mit der rivalisierenden Universität Yonsei das Vorspiel der Profis bestreiten. Zuletzt war er sogar Kapitän der Mannschaft. „Das hat Spaß gemacht“, sagt der 1,89 Meter große Blondschopf, der in München als Unternehmenberater arbeitet. Und das, obwohl er mit seinem Hobbyklub schon einmal zweieinhalb Stunden Anreise innerhalb der 12-Millionen-Einwohner-Stadt Seoul zu den Auswärtsspielen mit U-Bahn oder Bus zu absolvieren hatte.

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Neben dem Universitäts- und Hobbyfußball gibt es in Südkorea die K-League. Breitmoser hat jedoch festgestellt, dass sich vor allem die jungen Südkoreaner für die europäischen Ligen interessieren. „Die wollen halt guten Fußball sehen“, lacht er. Die Primera Division aus Spanien steht wegen Real Madrid mit Ronaldo und dem FC Barcelona mit Messi hoch im Kurs. Aber auch die Premiere League aus England oder die deutsche Bundesliga, in der einige Südkoreaner spielen, werden aufmerksam verfolgt.

Aber bei Länderspielen ist man voll dabei. „In Südkorea sind die Spieler Popstars“, sagt Maximilian Breitmoser, der 2013 in Seoul sogar ein Länderspiel gegen Brasilien miterleben konnte. „Wenn Son an den Ball kommt, geht das Gekreische richtig los“, erzählt er. Für den heutigen Mittwoch hofft er, dass sich die Begeisterung der Südkoreaner in Grenzen hält. „Südkorea steht defensiv sehr tief, aber mit unserer Qualität sollten wir ein, zwei Treffer hinbekommen“, tippt er auf einen 2:0-Sieg für Deutschland.

Am Donnerstag wird er dann selbst in Russland im Stadion sitzen. Mit ein paar Kumpels verbringt er seinen Urlaub bei der Weltmeisterschaft. Neben dem Spiel England gegen Belgien haben sie auch Karten für das Achtelfinale Portugal gegen Uruguay und ein Viertelfinale („Ich hoffe auf Spanien gegen Kroatien.“) ergattert. „Mit einem Spiel der deutschen Mannschaft hat es leider nicht geklappt.“

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