Newsticker
Merkel über drohende dritte Welle: "Wir können das noch verhindern"
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Augsburger Klimacamp will Protest ausweiten: "Sprösslingscamps" geplant

Augsburg

02.01.2021

Augsburger Klimacamp will Protest ausweiten: "Sprösslingscamps" geplant

Ein zeitlich befristetes Klima-Protestcamp befindet sich nun am Augsburger Rathausplatz. Initiatoren sind die Aktivisten des nahen Klimacamps.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Seit Juli protestiert das Klimacamp für mehr Einsatz im Kampf gegen den Klimawandel. Jetzt sind zusätzliche Aktionen geplant, darunter ein weiteres Camp am Rathausplatz.

Mitten auf dem Rathausplatz haben die Aktivisten einen kleinen Stand aufgebaut, ein paar Holzpaletten, ein paar Bierbänke, Flaggen und Spruchbänder, mehr nicht. Es ist am Samstag kaum jemand draußen unterwegs, wegen der Corona-Einschränkungen, aber wohl auch wegen des frostigen Wetters. Ab und an bleibt trotzdem jemand stehen und fragt, was es mit alldem auf sich habe. Es gehe um den nahen Lohwald, erklärt ein junger Mann einem Fußgänger, der ihn angesprochen hat. „Sie Sie vom Klimacamp?“, fragt der Fußgänger. „Genau“, sagt der junge Mann. Die Aktivisten kennt man mittlerweile in der Stadt, sie sind ja auch schwer zu übersehen, wenn man am Rathausplatz ist. Seit einem halben Jahr haben sie am Fischmarkt neben dem Rathaus ihre Zelte aufgeschlagen. Nun planen sie neue Aktionen.

Das Augsburger Klimacamp will mit "Sprösslingscamps" in Augsburg über Themen zum Klimawandel informieren.
Bild: Annette Zoepf (Archivbild)

Dafür haben sie direkt auf dem Rathausplatz und nur wenige Meter vom eigentlichen Protestcamp entfernt den kleinen Stand aufgebaut, den sie „Sprösslingscamp“ nennen. Mit dem wollen sie speziell auf die Zerstörung der Wälder aufmerksam machen und auch gegen eine geplante Waldrodung in Meitingen im Landkreis Augsburg protestieren. Dort wollen die Lechstahlwerke wachsen, wofür ein Drittel des angrenzenden Lohwaldes gerodet werden soll, in dem seltene Tier- und Pflanzenarten hausen. Ein Thema, das lokale Bürgerinitiativen seit Monaten umtreibt. Es geht beim zweiten Camp der Klimaaktivisten am Rathausplatz allerdings nicht nur um den Lohwald, sondern grundsätzlich um das Thema Waldschutz. Viel zu oft, so der Tenor bei einer Pressekonferenz am Rathausplatz, würden Wälder in Deutschland für Straßen und Fabriken gerodet.

Das neue Camp solle zeitlich befristet sein, heißt es von den Aktivisten, und ein paar Tage, vielleicht eine Woche bestehen bleiben. Angemeldet ist es als Demonstration. Und das Hauptcamp am Fischmarkt? Das wird 2021 wohl noch eine ganze Weile bleiben. Seit Juli harren die mehrheitlich jungen Menschen neben dem Rathaus aus, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Die Aktivisten des Camps, laut eigener Auskunft im Schnitt etwa 17 Jahre alt, halten der Stadt vor, in Sachen Klimaschutz zu zögerlich vorzugehen. Maßstab müsse die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels sein.So sieht es das Parier Klimaabkommen von 2015 vor: Darin ist das Ziel festgelegt, den globalen Temperaturanstieg auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen.

Protest in Augsburg: Maßnahmen reichen Klimacamp nicht

Von diesem Maßstab sei Augsburg aber weit entfernt. Das Klimapaket der Stadtregierung, das der Stadtrat im Dezember beschlossen hat, reicht den Klimacampern nicht. Es sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur klimagerechten Stadt, bleibe aber zu unkonkret, hieß es damals von den Initiatoren gegenüber unserer Zeitung.

Klimacamp in Augsburg: Das sind die Ziele der Aktivisten

Wie mehrfach berichtet, hat es zwischen der Stadtregierung und dem Protest-Camp seit Juli mehrfach geknirscht. So wollte die Stadt das Camp im Sommer bereits nach zehn Tagen räumen lassen und begründete dies damals damit, dass es sich aus ihrer Sicht um keine vom Versammlungsrecht geschützte Kundgebung mehr handle. Der Räumungsbescheid wurde allerdings später vom Verwaltungsgericht aufgehoben. Die Stadt hat daraufhin angekündigt, in die nächste Instanz ziehen zu wollen, um beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München die Zulassung zur Berufung zu beantragen. Eine Entscheidung steht noch aus.

Die Aktivisten machten am Samstag deutlich, dass der Protest körperlich wie psychisch anstrengend sei, nicht nur angesichts der winterlichen Temperaturen. Auch fühle man sich von der Politik ignoriert. Dass das Klimacamp ein halbes Jahr dauern müsse, habe niemand erwartet oder erhofft, sagte die 18-jährige Paula Stoffels. Es gebe aber auch viel Unterstützung für das Anliegen, daraus schöpfe man Kraft. Das Protestcamp am Rathausplatz, so sagen es die Aktivisten, werde solange bleiben, wie es nötig sei. Möglich auch, dass es künftig weitere "Sprösslingscamps" gibt.

Lesen Sie mehr dazu:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

04.01.2021

>> So sieht es das Parier Klimaabkommen von 2015 vor: Darin ist das Ziel festgelegt, den globalen Temperaturanstieg auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen. <<

Faktencheck:

https://www.bundestag.de/resource/blob/531604/.../das-deutlich-unter-zwei-grad-ziel-data.pdf

>> Mit dem bereits im November 2016 in Kraft getretenen Pariser Klimaschutzübereinkommen hatten Ende 2015 196 Vertragsparteien erstmals rechtsverbindlich und ambitioniert wie nie zuvor vereinbart, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf „deutlich unter“ 2 Grad Cesius (°C) gegenüber vorindustrieller Zeit zu halten. <<

Bei den lediglich angestrebten 1,5 Grad sind halt die Risiken geringer - verantwortungsvolle Politik muss jedoch auch ökonomische und damit in Folge soziale Risiken berücksichtigen.

Bitte Qualität statt Propaganda!

Permalink
03.01.2021

Jetzt reicht es , wir haben 2021 und wollen diesen Schandfleck mitten im Zentrum am schönsten Rathaus in Bayern von diesen Pseudoaktivisten nicht weiter verschandeln lassen. (edit/mod/Verstoß/NUB 7.3)

Permalink
03.01.2021

Ob und wie Klimaziele zu erreichen sind, scheint doch vielen Lesern der AA völlig gleichgültig zu sein. Ich bewundere den Mut der jungen Menschen um notwendige Klimaziele zu erreichen.

Permalink
03.01.2021

Wenn es nur um Klimaschutz gehen würde...

https://www.forumaugsburg.de/s_6kultur/Unterricht/190208_fridays-for-future/bild-6.jpg

Permalink
02.01.2021

Job? Der ist gut! So ein Camp gehört also dann zu den lebensnotwendigen Besorgungen während einer Ausgangsbeschränkung/-sperre!
Hätte da einen Vorschlag für diese "Aktivisten":
Meldet euch freiwillig zum Einsatz oder Hilfe bei Pflegediensten in den Alten- und Pflegeheimen mit der Parole: "Umweltschützer/ Klimaaktivisten helfen aktiv den stark Corona-gefährdeten Bewohnern"!
Da hätte ich Achtung davor.

Permalink
02.01.2021

Vielleicht noch ein Camp für die Eltern, die ganz Stolz auf ihre Kinder sind weil sie sich für die Umwelt einsetzen. Sorry aber am Ende ist es für mich „Greta 2.0“ Abklatsch.

Permalink
02.01.2021

Klima-Aktivist ??
Dann sollen die nicht so einen "Sche..." machen.
Aktivist heißt auch ich werde Aktiv.
Sorry, auf Bayrisch " Blöd zu rumhocken, wird es auch nicht ändern"
Werde Aktiv und geh in die Politik, da kannst du mehr erwirken.
PS: Wer zahlt das alles für euch ??

Permalink
02.01.2021

Ist das ein "Wohnsitz"? Ausgangsbeschränkung tagsüber, nur für nötige Besorgungen aufgehoben, Nachts (21:00-05:00) Ausgangssperre. Und jetzt wollen die noch einen Stand auf dem Rathausplatz aufstellen?!? Dieses Camp ist in diesen Zeiten schon fragwürdig. Mit welchem Recht, lässt man so etwas gewähren, wenn sich der Großteil der Bevölkerung während dieser Pandemie nicht mehr frei in der Öffentlichkeit bewegen kann? Das mit dem "hohen Gut" des Meinungs- und Demonstrationsrechts zu erklären, ist blanker Hohn.

Permalink
02.01.2021

Nachts gibt es nur eine Brandwache und die ist ein triftiger Grund.

Neid auf diesen Job empfinde ich im Winter nicht.

Permalink
02.01.2021

Abbauen und gut ist es. Alternativ soll die Stadt eine Nutzungsentschädigung in Höhe der üblichen Miete für den Platz von den Veranstaltern eintreiben.

Permalink
02.01.2021

Dem Camp fehlt wegen der hsl. auf den Stadtrat ausgerichteten Lage die nötige Beachtung und gegen die aufkommende Unzufriedenheit der Aktivisten versucht man es nun verzweifelt mit Satelliten an anderen Orten.

Statt auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren

> Winter
> Lockdown
> Sitzungsort Stadtrat

führt man einen verzweifelt anmutenden Abwehrkampf mit Altholz, Plastikfolien und ökonomisch fragwürdigen Gerichtsverfahren.

Dem trotzigen "wir bleiben hier" fehlt inzwischen die nachvollziehbare Antwort auf das "Fischmarkt-warum-hier-jetzt". Diese Antwort ist nicht durch Erfolge vor Gericht ersetzbar.

Man hat sich quasi in ein politisches Verdun hineinmanövriert, aus dem es auch wegen der ausbleibenden Erfolge kaum ein aufrechtes Zurück gibt. Das ist eine Konsequenz, wenn man sich z.B. um die A49 in Hessen kümmert aber bei der lokalen Entscheidung um die Westanbindung des großen grünen Klimaschutz-Tunnels unter dem Hauptbahnhof unbeteiligt bleibt.




Permalink
Das könnte Sie auch interessieren