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Augsburg

28.07.2020

Krise bei MAN in Augsburg: Nun soll Markus Söder helfen

Zahlreiche MAN-Mitarbeiter in Augsburg kämpfen um ihre Jobs. Bei dem Motorenbauer MAN Energy Solutions sollen am Standort Augsburg bis zu 1800 Stellen abgebaut werden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Mitarbeiter von MAN Energy Solutions demonstrieren gegen den drohenden Jobabbau. Es geht um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Augsburg, sagt Eva Weber.

11.55 Uhr – der Zeitpunkt für den Demonstrationszug der MAN Energy Solutions-Mitarbeiter am Dienstagmittag war bewusst gewählt. Denn noch sei es fünf vor Zwölf, und es gebe Hoffnung und Möglichkeiten, die Zahl von 1800 Stellen, die das Unternehmen am Standort im schlimmsten Fall abbauen will, deutlich nach unten zu korrigieren, heißt es zur Begründung. Davon sind zumindest die Mitarbeiter sowie Arbeitnehmervertreter überzeugt.

Selbst die Unternehmensspitze hat durchblicken lassen, dass man bei entsprechenden Konzepten zur Kostenreduzierung mit einer geringeren Zahl an Stellenstreichungen rechnen könne. Eingespart werden sollen bei dem Unternehmen, das zu VW gehört, rund 450 Millionen Euro. Schon vor Corona hatte es das Unternehmen mit sich verändernden Märkten zu tun.

MAN-Mitarbeiter demonstrieren in Augsburg für den Erhalt ihrer Stellen.
Bild: Silvio Wyszengrad

So will man wieder profitabler werden. Denn zuletzt hatte unter anderem der Bereich Schiffsmotoren mit Problemen zu kämpfen. Dazu, so berichten Insider, habe ein Restrukturierungsprogramm aus dem Jahr 2016 seine Wirkung deutlich verfehlt.

MAN-Mitarbeiter fordern Abkehr von "Kahlschlag"

Beschäftigte und IG Metall-Vertreter zogen am Dienstag von Tor C des Werksgeländes an der Ecke Sebastianstraße/Heinrich-von-Buz-Straße zum Hochhaus an der MAN-Kreuzung und dann zum Tor an der Stadtbachstraße. Michael Leppek, Bevollmächtigter der IG Metall Augsburg, machte bereits vorab deutlich: „Wir werden diesen angekündigten Kahlschlag in keinster Form akzeptieren. Wir fordern eine Rücknahme der Horrorzahlen, einen Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen und ernsthafte Verhandlungen über eine zukunftsfähige Aufstellung des Unternehmens.“

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Bild: Ulrich Wagner

Die Pläne der Konzernmutter VW haben viele der aktuell 4000 Mitarbeiter hart getroffen und emotional aufgewühlt. „Wir haben bei MAN Energy Solutions viele Alleinverdiener. Bei ihnen und ihren Familien geht jetzt die Existenzangst um“, fasste es Betriebsrat Tim Kattner zusammen. Kollegen skandierten: „Wir lassen uns nicht verjagen. Wir bleiben!“ Auch Oberbürgermeisterin Eva Weber, die neben den Bundestagsabgeordneten Volker Ullrich (CSU) und Ulrike Bahr (SPD) gekommen war, machte in ihrer Ansprache vor der Belegschaft noch einmal klar, dass sie die Zahl von 1800 gefährdeten Stellen „geschockt“ habe.

OB Eva Weber hat mit Ministerpräsident Söder über MAN gesprochen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Zwar gehe es im Fall MAN vorrangig um den Erhalt der Arbeitsplätze und die Sicherung von Fachwissen – aber darüber hinaus auch um die Fortsetzung einer 180 Jahre dauernden Industrie- und Stadtgeschichte sowie generell um den Wirtschaftsstandort Augsburg. „Ich stehe bereits seit letzter Woche in Kontakt mit unserem Ministerpräsidenten. Er hat mir signalisiert, dass er uns helfen will“, so Weber gegenüber unserer Redaktion.

Aiwanger will sich für MAN Energy Solutions einsetzen

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sagte bereits am vergangenen Freitag gegenüber unserer Redaktion: „Ich bemühe mich in der Ministerrunde um Unterstützung und darum, Fördergelder zu bekommen.“ Es gehe darum, sagt Aiwanger, mit Mitteln des Freistaats den Betrieben gezielt helfen zu können. Zu den Betrieben, die Aiwanger ansprach, gehört neben MAN Energy Solutions auch der Flugzeugteilebauer Premium Aerotec. Auch hier stehen am Standort in Augsburg bis zu 1000 Stellen auf der Streichliste.

MAN-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Werner Wiedeman hält die Ankündigungen der Firmenleitung zwar nach wie vor für „völlig überzogen“, gesteht aber auch ein: „Die Lage ist sehr ernst und wir kommen um eine Restrukturierung nicht herum.“ Neben zukunftsweisenden Ideen, wie dem Thema Wasserstoff, müsse nun auch die Belegschaft zusammenstehen und Einsparpotenziale schaffen. Unter anderem sei ein Verzicht auf Sondermaßnahmen denkbar oder ein vorübergehendes Nachjustieren bei tariflich vereinbarten Gehaltsregelungen. Bis zur Sommerpause in etwa zwei Wochen wollen die Arbeitnehmervertreter ihr Konzept vorlegen. Bis dahin soll zudem haarklein jedes Einsparpotenzial in den Abteilungen ausfindig gemacht und Alternativen aufgezeigt werden. Im Gegenzug erwartet Wiedemann seitens der Konzernmutter VW ein klares Bekenntnis zum Standort und den Arbeitsplätzen.

Augsburg: MAN Energy Solutions befindet sich in einer ernsthaften Krise

Dass die Lage bei MAN Energy Solutions in Augsburg derart ernst ist, war bis zur vergangenen Woche so nicht abzusehen, sagen Mitarbeiter und Arbeitnehmervertreter. Zwar wurde seit Längerem gemunkelt, dass es ein Restrukturierungsprogramm geben soll, das Ausmaß allerdings wird von Arbeitnehmervertretern, wie Gewerkschafter Michael Leppek, als so nicht zu erwarten beschrieben.

Demo bei MAN: Michael Leppek (IG Metall) spricht wegen des drohenden massiven Stellenabbaus bei MAN Energy Solutions in Augsburg zur Belegschaft.
Video: Andrea Wenzel

Das machte Augsburgs IG Metall-Chef auch in seiner äußerst emotionalen Rede am Dienstag noch einmal deutlich: „Haben die bei VW vor zwei Wochen ins Sparschwein geschaut und festgestellt, ups, da ist ja gar nichts mehr drin? Habt ihr vorher nicht aufgepasst oder eh damit gerechnet, dass ihr uns bald verkauft?“, rief er den Beschäftigten zu und ergänzte: „Wir werden nicht zulassen, dass unsere mühevoll aufgebaute Kompetenz einfach gestrichen wird. Mit uns wird es keinen Stellenabbau in dieser Größenordnung geben!“

Wie das am Ende abgewendet werden kann, ist noch unklar. Gewerkschaft und Betriebsrat setzen nun alles daran, entsprechende Lösungen zu erarbeiten. Dazu bleibt die Hoffnung, die Politik könnte unterstützend eingreifen und VW würde von seinen Plänen, MAN zu verkaufen, abrücken und dem Unternehmen so den Rücken stärken.

Lesen Sie dazu:

Hören Sie auch unseren Podcast zum geplanten Stellenabbau bei Premium Aerotec:

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29.07.2020

oh ja so ist das mit dem tollen VW Konzern , erst immer die mit viel versprechen gekauften Firmen aussaugen und sie dann veranlassen !! aber da sind sie ja nicht alleine ,lach , hat das die glorreiche Allianz Versicherung mit der MAN Tochter Roland nicht genau so gemacht ??? wo ist bei beiden all das schöne Betriebskapital geblieben ??

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