1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Löchriges Radnetz in Augsburg: Das ist für Fahrradfahrer geplant

Augsburg

20.02.2017

Löchriges Radnetz in Augsburg: Das ist für Fahrradfahrer geplant

Neue Radwege: Die Stadt will dieses Jahr einige Projekte anpacken.
Bild: Silvio Wyszengrad, Symbolfoto

Bald ist Halbzeit im Projekt Fahrradstadt 2020. Es ist viel passiert, aber von der Anfangseuphorie ist wenig übrig. Was die Stadt dieses Jahr plant.

Die Stadt möchte in diesem Jahr wesentliche Teile einer Haupt-Fahrradachse in den Augsburger Norden fertigstellen. In den Langenmantelstraße am Plärrer soll ein Radweg entstehen. Dafür wird in jede Richtung eine Autospur wegfallen. Und in der daran anschließenden Donauwörther Straße plant die Stadt eine Verbreiterung der bestehenden Radwege, um ein Überholen zu ermöglichen. Staugefahr für Autos sieht die Stadt dadurch nicht.

Inzwischen ist das Projekt Fahrradstadt 2020, das den Anteil des Radverkehrs bis zum Jahr 2020 auf 25 Prozent steigern will, im fünften Jahr, seit zwei Jahren steht ein Wegenetzplan. Das Gerüst sind mehrere Haupt-Achsen, etwa von Augsburg-Nord bis zum Brunntal, von Haunstetten/Königsbrunn zum Roten Tor oder von Leitershofen durch Pfersee zum Hauptbahnhof. „Schnell, direkt, zügig“, beschreibt Ralf Kaulen, dessen Verkehrsplanungsbüro das Projekt begleitet, die Philosophie.

Die die Planung gibt es zu wenig Personal

Doch so richtig in Fahrt scheint das Projekt bisher nicht gekommen zu sein. Dabei hat die Stadt schon einiges getan. An einigen Hauptverkehrsstraßen, wo kein Platz für einen „echten“ Radstreifen ist, wurden Schutzstreifen markiert. Diese Streifen mit gestrichelten Linien sind Radlern vorbehalten, Autos können bei Gegenverkehr aber darauf ausweichen.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Und viele Einbahnstraßen wurden für Radler freigegeben. Doch ein großes symbolträchtiges Projekt – abgesehen von der Radlnacht im vergangenen Sommer – gab es bisher noch nicht. Das liegt an langen Planungszeiträumen, zu wenig Personal (es gibt keine Bewerber) und zu wenig Geld.

Das sind die Hauptradwege in Augsburg.
Bild: AZ-Infografik

1,9 Millionen Euro stehen für die Radnetze bereit

Immerhin sind in diesem Jahr auf Antrag der Grünen, die am Freitagabend eine Podiumsdiskussion zum Stand der Fahrradstadt abhielten, 300.000 Euro an Planungsmitteln für eine Entschärfung der Situation in der Holzbachstraße vorgesehen – dort bekommen die Radler künftig einen Radwege über dem Kanal. Mit insgesamt 1,9 Millionen Euro steht mehr Geld zur Verfügung als in den Vorjahren, schon jetzt sind fix 1,6 Millionen für kommendes Jahr im Haushalt verankert.

„Es geht voran, aber es müsste schneller gehen“, sagt das Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, Janos Korda. „Jede Autobahn oder jedes Nahverkehrsprojekt, die ja alle deutlich teurer sind als Fahrradprojekte, ist von Anfang an durchfinanziert. Das Geld ist einfach da. Das ist beim Radverkehr nicht so.“ Stattdessen werde Jahr für Jahr nach Haushaltslage Geld in Radwege gesteckt. „Der Flächenbrand ist noch nicht erreicht“, sagt auch Planer Kaulen. Trotzdem sei Augsburg weiter als andere Städte.

280 Kilometer lang ist das Radwegenetz, das für die Fahrradstadt 2020 angegangen werden soll. Dass in drei Jahren alles fertig ist, ist sehr unwahrscheinlich, auch wenn man die Zahl nicht so missverstehen darf, dass 280 Kilometer Radwege neu gebaut werden müssten. Viele der Radwegen gibt es schon, aber sie sind zu schmal, um viele Radler aufzunehmen oder ein Überholen zu ermöglichen. Auch an Kreuzungen läuft es nicht flüssig.

Das soll auf den großen Straßen passieren

Die Stadt will 2017 unter anderem in der Langenmantelstraße Radspuren anlegen. Im Bauausschuss gab es verhaltenen Widerstand, weil Staus befürchtet wurden. Baureferent Merkle hält dem entgegen, dass die Gesundbrunnenstraße als Zubringer ja auch teils einspurig ist, ohne dass es Staus gibt. Und in der nördlichen Donauwörther Straße ist die Autospur überbreit, sodass der Radweg breiter werden kann.

Dort herrscht im Berufsverkehr Stau, seit wegen der Tram eine Autospur wegfiel, doch die verbliebene Spur zu verschmälern, dürfte die Situation nicht verschlechtern. Im Bereich zwischen Wertachbrücke und Bärenwirt müssten aber wohl Parkplätze wegfallen. Weitere für dieses Jahr geplante Projekte sind:

Maximilianstraße: Hier soll der erste von vier Bauabschnitten angegangen werden, in dem Radler Streifen aus gesägtem Pflaster (bisher nur am Herkulesbrunnen) bekommen. In vier Jahren soll die Straße komplett ausgestattet sein.

Lechhauser Straße: Dort soll ein Radweg stadteinwärts zwischen Schlössle und Ulrichsbrücke entstehen. Auch die Situation am Schlössle selbst soll verbessert werden.

Neusässer Straße: In der Nähe des Klinikums soll ein Radweg gebaut werden.

Jakobertor: Bau einer Brücke über den Stadtgraben, sodass die Ost-West-Radachse zwischen Bahnhof und Jakobertor komplett ist.

In der Postillionstraße in Haunstetten, wo das neue Wohngebiet Haunstetten Südwest entstehen soll, denkt die Stadt über eine Fahrradstraße nach. Zudem sei man in Gesprächen mit Königsbrunn, was einen Fahrradschnellweg zwischen beiden Stadtzentren betrifft. „In Planung haben wir Verbesserungen in der Berliner Allee, der Stadtbachstraße und der Bürgermeister-Ulrich-Straße“, so Merkle.

Großes Thema: Miteinander

Neben der Infrastruktur ist aber auch das Miteinander Autofahrern, Fußgängern und Radlern nach wie vor ein Thema. Umweltreferent Reiner Erben (Grüne), der selbst täglich radelt sagt, dass hier noch Luft nach oben ist. „In der Konrad-Adenauer-Allee war neulich hinter mir ein Autofahrer, der es nicht verstehen konnte, dass ich dort gefahren bin.“

Dabei ist dieser Tempo-30-Bereich für Radler mitgedacht. Radler seien noch nicht selbstverständlich. „Autofahrer sollten sich auch vor Augen halten, dass jeder Radler, der neben ihnen fährt, ein Autofahrer weniger ist, der vor ihnen die Straße verstopft“, so Korda.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren