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Augsburg

29.06.2018

Neue Idee für Osttangente:  Bahnlinie statt Riesentrasse

Wo heute die viel befahrene Straße zwischen Königsbrunn und Mering den Lech überquert, schlagen die Freien Wähler zusätzlich eine neue Regionalbahn-Strecke vor, die für viele München-Pendler attraktiv sein könnte.
Bild: Hermann Schmid

Die Freien Wähler bringen eine Alternative für das umstrittene Straßenbauprojekt ins Spiel. Wie eine Verbindung zwischen Bobingen und Mering fast 50000 Menschen den Zugang zu Regionalzügen bringen könnte

In der Debatte um die umstrittene Osttangente im Süden Augsburgs hat der Kreistagsfraktionschef der Freien Wähler (FW), Fabian Mehring, einen neuen Vorschlag eingebracht. Gemeinsam mit dem FW-Landtagsabgeordneten Johann Häusler, greift er eine Idee des Kissinger Bauamtsleiters Alfred Schatz auf, die auch von Bobingens stellvertretendem Bürgermeister Rainer Naumann, dem Königsbrunner Stadtrat Helmut Schuler sowie Ludwig Fröhlich, dem Altbürgermeister der Brunnenstadt, unterstützt wird. Statt einer Straße soll eine Bahnstrecke gebaut werden

Dem Vorschlag liegt die Befürchtung zugrunde, ein autobahnähnlicher Ausbau der Ostumfahrung Augsburgs könnte neuen Verkehr anlocken statt die dringend nötige Reduzierung der Verkehrsbelastung auf der B17 und im Augsburger Süden zu bewirken. „Wir müssen aufpassen, keine attraktive Nord-Süd-Alternative zur A7 und A9 zu schaffen, die zusätzlichen Transitverkehr in die Region lockt, statt Entlastung zu bringen“, mahnt Mehring.

Wie berichtet, soll die Osttangente als neue Schnellstraße die A8 von der Anschlussstelle Derching mit der B17 bei Oberottmarshausen verbinden. Die Freien Wähler setzen stattdessen jetzt auf eine „schienengebundene Ergänzung der Verkehrsinfrastruktur“. Zu deutsch: eine neue Bahnstrecke. Und zwar könnte eine Querverbindung zwischen Bobingen und Mering geschaffen werden, die endlich auch Königsbrunn als größte Landkreisstadt ans Gleisnetz anbindet. „Eine solche Trasse könnte im Königsbrunner Süden gut verlaufen und dürfte naturschutzfachlich deutlich besser durchzusetzen sein als die aktuellen Pläne, die eine Autobahn durch Schutzgebiete vorsehen“, erklärt Stadtrat Helmut Schuler.

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Die Querung des Lechs könnte laut FW-Vorstoß an der ohnehin bereits im Bundesverkehrswegeplan als sanierungsbedürftig bezeichneten Lechstaustufe-23-Brücke gelingen. Alternativ bringen die FW-Politiker eine südlichere Flussquerung bei der Lechstaustufe 22 ins Spiel, die sie bereits bei der Diskussion um die Trasse der geplanten Straße favorisierten. Bereits einen Schritt weiter denkt Königsbrunns früherer Rathauschef Fröhlich, der sich sogar eine weitere Verlängerung der Straßenbahn-Linie 3 bis in den Süden der Stadt vorstellen, wo Fahrgäste in Regionalzüge nach München oder ins Allgäu umsteigen könnten.

In den Augen von Bobingens drittem Bürgermeister Naumann könnte so eine gezielte Anbindung aller Kommunen im südlichen Landkreis nach Augsburg und an die Landeshauptstadt gelingen: „Schon deshalb, weil Münchenpendler damit nicht erst nach Augsburg oder Buchloe fahren müssen, dürfte eine erhebliche Entlastung entstehen. Die tägliche Blechlawine auf dem P&R- latz in Mering zeigt eindrucksvoll wie groß das Nutzerpotenzial ist“, so Naumann.

Für Mehring resultiert aus den Plänen auch eine Chance für den defizitären Augsburger Verkehrsverbund AVV: „Wir kriegen die Menschen nur dann von den überlasteten Straßen in den ÖPNV, wenn wir attraktive Angebote unterbreiten können.“ Mit der neuen Bahnlinie könnten „im Handstreich“ etwa 50000 Menschen direkt ans Bahnnetz angebunden werden: „Das wäre ein großer Wurf.“

Landtagsabgeordneter Häusler erhofft sich positive Auswirkungen zum Thema Osttangente: „ Wenn es gelingt, den drohenden Verkehrskollaps abzumildern, nützt das nicht nur der Umwelt erheblich. Vielmehr könnten dann auch die Pläne zur Osttangente deutlich geringer dimensioniert und in Einklang mit Natur und Anwohnern gebracht werden“, hofft Häusler.

Denn kaum ein Thema ist im Augsburger Großraum zuletzt so kontrovers diskutiert worden wie die Osttangente. Während die einen – wie Friedberg und Kissing – sich eine Entlastung vom Durchfahrtsverkehr erhoffen, zeigen sich Naturschützer, aber auch Anliegerkommunen der geplanten neuen Straße entsetzt. Vor allem die Ausmaße mit drei bis vier Spuren – in direkter Nachbarschaft zu Naturschutzflächen und Naherholungsgebieten – sorgen für heftige Kritik.

Indessen wird im Auftrag des Staatlichen Bauamts seit dem Frühjahr bereits intensiv an den vorbereitenden Untersuchungen für die Osttangente gearbeitet. Das große Straßenbauprojekt mache ein sehr umfangreiches Verkehrsmodell nötig, erläutert Projektleiter Christoph Eichstaedt. Dieses soll am Ende zeigen, wie sich die Osttangente auf die Verkehrsströme auswirkt – und das in unterschiedlichen Varianten. Laut Eichstaedt wird auch die von einigen Bürger geforderte, jedoch sehr teure Tunnelvariante unter Kissing untersucht. Die Ergebnisse will das Staatliche Bauamt voraussichtlich bis Ende des Jahres präsentieren. Zumindest nach bisherigem Stand: Denn eine neue Bahnlinie Mering – Bobingen hat bislang ja noch keiner in Betracht gezogen.

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