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Gericht

15.05.2019

Unfälle, die Ermittler stutzig machten

Eine Gruppe soll als "Autobumser" Karambolagen provoziert haben und stand jetzt vor Gericht.
Bild: Jakob Stadler

Eine Gruppe soll als „Autobumser“ Karambolagen provoziert haben. Doch ein komplexes Verfahren brachte nun lediglich ein Urteil wegen versuchten Betrugs hervor. Im Juni gibt es allerdings einen weiteren Gerichtstermin.

Jeder achte bis zehnte Verkehrsunfall, so schätzen deutsche Autoversicherer, ist fingiert. Sogenannte „Autobumser“ provozieren absichtlich Karambolagen, bei denen sie vermeintlich im Recht sind, und kassieren dann bei der gegnerischen Kfz-Versicherung ab. Die meisten Betrügereien dürften unentdeckt bleiben. Und wenn derartige Fälle mal vor Gericht landen, dann tut sich die Justiz durchaus schwer, den Nachweis zu führen. Wie ein Prozess zeigt, der vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Susanne Scheiwiller aufgerollt wurde.

Ein Polizeibeamter, der bei der Bearbeitung eines Kleinunfalls im November 2013 stutzig wurde, fand heraus, dass der angeblich unschuldige Fahrer zuvor bereits in 13 derartige Karambolagen verwickelt worden war. Langwierige Ermittlungen auch durch die Kripo führten schließlich zu fünf Mitgliedern einer verzweigten Familie, denen am Ende der Nachforschungen insgesamt 19 fingierte Unfälle in der Zeit zwischen Februar 2010 und Februar 2014 angelastet wurden.

Beim Fahrbahnwechsel Gas gegeben

Die Masche soll fast immer dieselbe gewesen sein: Wenn ein fremder Autofahrer sich auf einer mehrspurigen Straße anschickte, den Fahrstreifen zu wechseln, gab der nachfolgende „Autobumser“ Gas und es kam zur seitlichen Kollision. So jedenfalls sah es die Staatsanwaltschaft, die Anklage wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Betrugs erhob. Das Verfahren mit einem Aktenbestand von rund 1500 Seiten zog sich über Jahre hinweg in die Länge. Der Teil der Anklage gegen einen Heranwachsenden wurde zum Jugendgericht abgetrennt. Nun kam es zum Prozess gegen zwei der Beschuldigten, einen 52-Jährigen und seine Tochter, 28. Staatsanwältin Riedißer legte beiden zwei Fälle zur Last, dem Vater als Fahrer eines Mercedes CL 500, der Tochter als Halterin des flotten Wagens und Profiteurin der Versicherungszahlungen.

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Der Anklage zufolge soll der 52-Jährige im Juni 2013 den BMW einer Frau gestreift haben, als diese den Fahrstreifen wechselte. Ein Gutachter errechnete an dem Mercedes einen Schaden plus Unkosten in Höhe von 10056 Euro. Am BMW war lediglich eine kleine Delle entstanden. Die, so stellte sich durch ein späteres Gutachten eines vereidigten Sachverständigen heraus, war durch den Außenspiegel des Mercedes verursacht worden. Alle anderen Blechschäden an dem CL 500 konnten mit der Delle nicht in Einklang gebracht werden. Die Versicherung der BMW-Fahrerin hatte lediglich einen neuen Außenspiegel (Kosten 267 Euro) bezahlt. Einen Monat später soll der Angeklagte einen weiteren Unfall provoziert haben, bei dem die gegnerische Versicherung tatsächlich den Schaden von 5561 Euro übernahm.

Vater und Tochter schwiegen

Nun im Prozess schwiegen Vater und Tochter (Verteidiger: Felix Hägele und Edgar Fiebig). Die Kernfrage, ob der angeklagte Mercedesfahrer vor der Karambolage noch stark beschleunigt hatte, war freilich schwerlich zu klären. Denn unbeteiligte Zeugen gab es nicht. Die Vermutung, aufgrund des Gesamtkomplexes müsse es wohl so gewesen sein, reichte dem Gericht am Ende nicht. Übrig blieb ein versuchter Betrug an der Versicherung, weil ein Vorschaden in Rechnung gestellt worden war. Die Fahrzeughalterin wurde letztlich auch von diesem Vorwurf freigesprochen. Den Vater verurteilte das Schöffengericht jedoch wegen versuchten Betrugs zu einer Geldstrafe von 2700 Euro (180 Tagessätze zu je 15 Euro). Im Juni ist ein Prozess gegen zwei weitere mutmaßliche „Autobumser“ aus der Gruppe terminiert.

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