1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Wie der Abgeordnete Linus Förster aufflog

Augsburg

01.02.2017

Wie der Abgeordnete Linus Förster aufflog

Linus Förster inszenierte sich als Politiker gerne etwas anders. Hier auf einem Wahlplakat von 2013 als Musiker.
Bild: Silvio Wyszengrad, Archiv

Vor eineinhalb Monaten wurde der Ex-Chef der Schwaben-SPD wegen Sexualdelikten verhaftet. Wie das Verfahren gegen ihn ins Rollen kam, ist eine ungewöhnliche Geschichte.

Vor wenigen Monaten hat der frühere Augsburger SPD-Abgeordnete Linus Förster noch Beifall im Landtag bekommen, zumindest von der Opposition. Heute erhält Förster Applaus von Mithäftlingen im Gefängnis von Gablingen (Landkreis Augsburg). An Wochenenden singt er bei Gottesdiensten und spielt dazu Gitarre. Den anderen gefällt es sehr gut, berichtet ein Gefangener.

Linus Förster: Der tiefe Fall eines Politikers

Förster ist seit Jahrzehnten Musiker, er hat eine Band. Doch die scheinbar fröhlichen Auftritte des früheren schwäbischen SPD-Chefs in der JVA können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier um den tiefen Fall eines doch recht bekannten Politikers geht. Seit Anfang November 2016 ermittelt die Augsburger Staatsanwaltschaft gegen Linus Förster wegen Sexualdelikten, Körperverletzung und heimlicher Bildaufnahmen von Frauen. Mitte Dezember erreichte Försters persönliche Tragödie ihren Höhepunkt: Der 51-Jährige wurde während des Aufenthalts in einer psychosomatischen Klinik in Bad Griesbach verhaftet.

Dieser Absturz vom langjährigen Landtagsabgeordneten zum Verdächtigen in einem heiklen Strafverfahren hat die JVA Gablingen nach Informationen unserer Redaktion dazu veranlasst, Förster in der Krankenstation des Gefängnisses unterzubringen. Dies geschieht zu seinem Schutz. Denn die Verantwortlichen sehen offenbar die Gefahr, dass sich Förster etwas antun könnte. Auf der Krankenstation können sie den Insassen besser im Blick behalten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Das ist nicht ungewöhnlich bei Menschen, denen wegen einer Straftat der Sturz ins Bodenlose droht. Und die Liste der Vorwürfe gegen Linus Förster ist beträchtlich. So beträchtlich, dass ihm bei einer Verurteilung in allen Punkten eine mehrjährige Haftstrafe droht. Im Juristendeutsch lauten die Vorwürfe: schwerer sexueller Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, vorsätzliche Körperverletzung und Besitz kinderpornografischer Schriften.

Pornografisches Material auf Computern entdeckt

Und das verbirgt sich dahinter: Förster soll eine Frau missbraucht haben, die zu diesem Zeitpunkt nicht Herrin ihrer Sinne war, weil sie Schlaftabletten genommen hatte. Er soll darüber hinaus eine Prostituierte beim Sex mit ihm gefilmt haben. Als sie dies bemerkte, gab es Streit und ein kurzes Gerangel um den Speicherchip der Kamera. Dabei wurde die Prostituierte leicht verletzt. Und auf Försters beschlagnahmten Computern haben die Ermittler nach Informationen unserer Zeitung rund drei Terabyte (3000 Gigabyte) pornografisches Material gefunden. Bei einem kleinen Teil davon soll es sich um Kinder- und Jugendpornografie handeln. Aber ein kleiner Teil von 3000 Gigabyte ist eben nicht wenig.

Ein Geheimnis ist dagegen nun gelüftet: Und zwar die Umstände, die überhaupt erst dazu führten, dass Linus Förster aufgeflogen ist. Nach Recherchen unserer Redaktion kam das so:

Der Vorfall mit der Prostituierten geschah am 9. September 2016. Tags darauf ging die Asiatin mit dem Speicherchip zur Polizei und erstattete Anzeige. Doch die Frau wusste offenbar nicht, mit wem sie es zu tun gehabt hatte. Und auch die Polizei wusste anfangs nicht, wer der Verdächtige sein könnte. Denn auf den Aufnahmen ist Försters Gesicht offenbar nur einmal teilweise zu sehen.

Die Ermittler verfuhren in dieser Angelegenheit nach unseren Recherchen, wie sie es immer tun. Sie stellten die Aufnahmen ins interne Netz der Polizei. Jeder Beamte ist dann dazu aufgerufen, sich die Sachen anzuschauen und sich zu melden, wenn er einen Tatverdächtigen erkennt. Es ist quasi die Vorstufe zu einer öffentlichen Fahndung.

Razzia in Försters Büro- und Wohnräumen

Und tatsächlich hatten die Ermittler mit der Intranet-Fahndung Erfolg. Ein Beamter erkannte Förster auf den Aufnahmen. So kamen die Ermittlungen ins Rollen, Mitte November gab es dann eine Razzia in Försters Büro- und Wohnräumen (mehr dazu).

csu073.jpg
6 Bilder
Gegen diese Landtagsabgeordneten wurde ermittelt
Bild: Fred Schöllhorn

Ungereimtheiten gibt es dagegen um den strafrechtlich gravierendsten Vorfall: den sexuellen Missbrauch einer schlafenden Frau. Das war letztlich der Vorwurf, der Förster hinter Gitter brachte. Dem Vernehmen nach hatte der 51-jährige Ex-Politiker eine mehrere Monate dauernde sexuelle Affäre mit der Münchnerin. Diese Beziehung wurde auch nach dem Vorfall nicht von der Frau beendet. Sie zeigte Förster auch zunächst nicht an, sondern vertraute sich offenbar einem Bekannten an. Försters Pech: Der Bekannte ist Polizist.

Viel Arbeit also noch für die Ermittler. Wie lange das alles dauert, steht derzeit noch nicht fest. Der Sprecher der Augsburger Staatsanwaltschaft, Matthias Nickolai, sagt: „Die Ermittlungen dauern an. Eine verlässliche Einschätzung, bis wann die Ermittlungen abgeschlossen sind, kann im Moment noch nicht getroffen werden.“ Vor Abschluss der Ermittlungen müsse dem Beschuldigten und seinem Verteidiger noch rechtliches Gehör gewährt werden. Und auch die Rechte der Geschädigten seien zu wahren, sagt Nickolai.

Försters Anwalt Walter Rubach will momentan keine Einschätzung abgeben: „Ich kann mich nicht äußern, solange die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind.“ Es ist also derzeit völlig unklar, wie viel Zeit bis zu einem Prozess vergehen wird. Und wie lange Linus Förster noch im Gefängnis Musik machen muss.

Lesen Sie auch:

Die dramatischen Stunden des Linus Förster

Nachgerückt für Linus Förster: Ilona Deckwerth ist die Neue im Landtag  

Ackermann Brücke
16 Bilder
Das war das Jahr in Augsburg
Bild: Silvio Wyszengrad
Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

02.02.2017

Da steckt mehr dahinter, abere es ist eine typische Hexenjagd mit Vorverurteilung. Die Preisfrage aber bleibt, wer steckt dahinter? Fakt ist, es gibt keine Hexen, aber böse Weiber.

Permalink
02.02.2017

Das ist doch ein interessanter Hintergrundbericht. Bei einem CSU-Abgeordneten würde sicher genauso berichtet (Siehe die ganze Story um den Schüttel-Schorsch) Darin gleich Wahlkampferöffnung und CSU Unterstützung zu sehen ist weit hergeholt, viel zu früh und passt nur weil das Feindbild mancher Schreiber stimmen muß.

Permalink
01.02.2017

BILD-Niveau-Journalisus lässt grüssen.

Permalink
01.02.2017

Niveauloser Journalismus, schlecht recherchiert. Der AA und Hr. Sabinsky-Wolf rate ich mal den Pressekodex (Publizist. Grundsaetze) durchzulesen. Da heisst es schon im ersten Punkt: "Wahrhaftigkeit und Wahrung der Menschenwuerde". Schliesse mich dem Kommentar von Hr Wolfgang an.

Permalink
01.02.2017

Aber, aber Herr Sabinsky-Wolf; ist doch noch ein wenig früh für die Wahlkampferöffnung.

Was soll denn das Geschichterl - einzige Neuigkeit, Linus Fürster spielt sonntags für die Mitgefangenen zum Gottesdienst auf - zum jetzigen Zeitpunkt?

Machen Sie sich jetzt schon in vorauseilendem Gehorsam zum Affen der CSU-Granden?

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Kloster_Wettenhausen_Okt15_103.tif
KuriosesAZ-

Altes analoges Telefon trifft auf neue digitale Welt im Amt

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen