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Wahlanalyse

10.10.2018

Wie die CSU-Kandidaten mit der Favoritenrolle leben

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Johannes Hintersberger und Andreas Jäckel wissen, dass sie unter den Direktkandidaten in Augsburg die besten Chancen haben. Parteiinterne Diskussionen machen ihnen aber zu schaffen

Sie sind seit Jahrzehnten die Platzhirsche in Augsburgs Stimmkreisen bei einer Landtagswahl: die Direktkandidaten der CSU. In schöner Regelmäßigkeit sichern sie sich das Direktmandat. Einer, der dies seit 1990 getan hat, ist Bernd Kränzle. Der 76-Jährige verzichtete nun auf eine Kandidatur. Im Stimmkreis Augsburg-Ost tritt Andreas Jäckel, 53, an. Als Mitglied des Stadtrats bringt Jäckel kommunalpolitische Erfahrung mit. Im Stimmkreis Augsburg-West ändert sich nichts. Hier geht CSU-Landtagsabgeordneter Johannes Hintersberger, 64, ein weiteres Mal ins Rennen. Seit 2003 sitzt Hintersberger, der in Lechhausen lebt, im Landtag. Bei der Wahl 2013 kam er auf 42,7 Prozent und gewann souverän das Direktmandat. Der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer machte Hintersberger zum Staatssekretär, anfangs im Finanzministerium, später im Arbeitsministerium. Als im Frühjahr 2018 das Zepter von Seehofer an den neuen Ministerpräsidenten Markus Söder überging, verlor Hintersberger den Posten des Staatssekretärs. Söder leitete bei der Kabinettsumbildung einen Verjüngungsprozess ein. Hintersberger ist wieder Abgeordneter.

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Wer in diesen Tagen mit Hintersberger und Jäckel spricht, hört diese Aussage: „Uns, also der CSU, gelingt es nicht, unsere überzeugende Regierungsbilanz entsprechend zu präsentieren.“ Themen wie die Flüchtlingsthematik oder innerparteiliche Personaldebatten seien Störfeuer. Hintersberger und Jäckel werden dennoch das Direktkandidat gewinnen. So ist die allgemeine Einschätzung. Die Frage wird sein, mit welchem Ergebnis. Kein politischer Kontrahent hat in den Wochen vor der Wahl den Anspruch erhoben, gegen die CSU-Leute das Mandat zu gewinnen. Zu stark war die CSU in Augsburg in früheren Jahren im Vergleich mit der Konkurrenz. Hintersberger mag es nicht, wenn bereits jetzt über seinen Sieg gesprochen wird: „Ich sage immer, der Wähler hat zu entscheiden.“ Bis zuletzt kämpfe er um Stimmen für die CSU. Dies tut der Haunstetter Andreas Jäckel ebenfalls. Seit 1987 ist er Mitglied der CSU. Jäckel arbeitet bei der Kreissparkasse Augsburg. Er wird sich wohl bald umorientieren können. Der berufliche Weg führt ihn aller Voraussicht nach in den Landtag. Dass er künftig als Landtagsabgeordneter agiert, liegt an seinen Ambitionen. Er wollte es werden. Jäckel gehört nicht zu den Lautsprechern, aber es war intern klar zu vernehmen, dass Bernd Kränzle nicht ein weiteres Mal als Kandidat antreten sollte. Kränzle verstand die Zeichen, zog sich zurück und machte sich für Jäckel stark. Sämtliche Personaldebatten waren frühzeitig beendet. Jäckel hatte keinen Gegenkandidaten. Innere und soziale Sicherheit sowie Wohnen und Kultur sind seine Themenfelder.

Hintersberger ist gerne Politiker, er schätzt aber auch das Familienleben als Vater von fünf erwachsenen Kindern und Großvater. „Ich will nah an den Bürgern sein“, sagt der CSU-Politiker, der deshalb die Serie der „Biergartengespräche“ gestartet hat. Das kommt gut an. Hintersberger mag mitunter hemdsärmelig erscheinen. Das ist seine Art. Er nennt Wertvorstellungen, die ihm wichtig sind: „Konservativ sein bedeutet für mich, das Gute zu bewahren und weiterzutragen. Christlich-Konservativ bedeutet, dass dieses Bewahren eingebettet ist ins christliche Menschenbild.“ Der Versuch, konservative Politiker als Vertreter des Vergangenen, als die Ewiggestrigen zu bezeichnen, sei nicht mehr zeitgemäß: „Menschen gehen wieder auf Sinnsuche. Werte sind also durchaus gefragt.“

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