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Augsburg

19.05.2020

Wohnungsumzug nur mit dem Fahrrad? "Schränke waren kein Problem"

Johannes Bockermann hat seinen Hausstand mit dem Lastenrad umgezogen. Der Augsburger ist überzeugter Radfahrer und wünscht sich für seine Stadt noch einige Verbesserungen.
Bild: Fridtjof Atterdal

Plus Fahrräder mit Ladefläche werden immer beliebter. So lassen sich auch schwere Dinge transportieren, notfalls ein Hausstand. Wie der Augsburger Johannes Bockermann bewiesen hat.

Einige Autofahrer waren wohl etwas irritiert, als ihnen vor einigen Tagen in der Pferrseer Unterführung ein „Fahrrad-Schwertransporter“ entgegenkam. Mit Lastenrad und Anhänger bewältigte der Augsburger Johannes Bockermann seinen kompletten Umzug. Inklusive Schränke und Bettrost.

„Im Großen und Ganzen gab es vor allem neugierige Blicke – nur ein Autofahrer hat mich geschnitten“, berichtet Bockermann von seinem Umzugsunterfangen. Der Pädagoge, der in Friedberg im Jugendzentrum arbeitet, ist überzeugter Radfahrer. Jeden Tag radelt er – schon zu Nicht-Corona-Zeiten – aus der Augsburger Innenstadt nach Friedberg in die Arbeit. Auch seine Einkäufe erledigt er per Rad, ein Auto besitzt er nicht. Als er jetzt aus der Innenstadt vom Mittleren Lech nach Pfersee umziehen wollte, war für ihn klar: „Das muss mit dem Fahrrad gehen.“

In sieben Fahrten war der Hausstand transportiert

Sieben Mal radelte er zwischen den beiden Wohnungen hin und her, dann hatte er den Hausstand aus seiner Eineinhalbzimmer-Wohnung nach Pfersee geschafft. „Schränke und Regale waren kein Problem, weil sich die ja zerlegen lassen“, berichtet er. Eine echte Herausforderung dagegen waren Lattenrost und Matratze. „Die mussten hochkant auf das Lastenrad, weil sie sonst seitlich zu weit auf die Straße herausgeragt hätten“, so der Fahrradfan. Die vielen Fahrten waren seinen Worten nach der Corona-Krise geschuldet. In Augsburg gebe es eine sehr aktive und hilfsbereite Lastenrad-Szene, die über Facebook gut vernetzt ist. Normalerweise fände man dort schnell Hilfe. „Mit sechs Umzugshelfern mit ihren Lastenrädern wäre der Umzug in kürzester Zeit zu bewältigen gewesen.“

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Durch Corona sind private Umzüge derzeit allerdings schwierig. Denn obwohl es laut des bayerischen Innenministeriums grundsätzlich erlaubt ist umzuziehen, gelten immer noch die Regelungen des Kontaktverbots. Einen Haufen Kumpels zum Umzug zu bitten, scheidet also aus. „Die Aktion verlief reibungslos und ich kann den Umzug per Lastenrad nur empfehlen“, so das Fazit von Johannes Bockermann.

Er wünscht sich, dass noch viel mehr Augsburger auf das Fahrrad umsteigen. Er ist beim Bürgerentscheid „Augsburg Fahrradstadt Jetzt“ engagiert und würde gerne mehr Lastenräder in der Stadt sehen. „Sie sind praktisch, umweltfreundlich und man hat keine Probleme, einen Parkplatz zu finden“, zählt er die Vorteile auf. „Man darf nicht vergessen, wer ein Lastenrad anschafft, ersetzt damit in der Regel nicht sein Fahrrad, sondern ein Auto“, betont er.

Augsburger Fahrrad-Community hilft zusammen

Auch für sein Umzugsgefährt hat Bockermann auf die Augsburger Fahrrad-Community zurückgegriffen. Das Rad stammt von „Max & Moritz – die Statt-Transporter zum Ausleihen“. Initiator Günter Schütz besitzt zwei Lastenräder, die er gegen eine Spende verleiht. „Es geht darum aufzuzeigen, dass viele Transportprobleme in der Stadt auch mit einem Lastenrad anstelle eines Autos gelöst werden können“, erklärt er. Hinter der Aktion stehe keine Gewinnerzielungsabsicht – die Spenden reichten, die Fahrräder regelmäßig zu warten und verkehrssicher zu halten. Das eine Lastenrad ist ein E-Bike und Schütz privates Fahrrad, das andere hat der ADFC angeschafft und der Aktion zur Verfügung gestellt. „Bei den Lastenrädern geht es ja auch um den „Sharing-Gedanken“, also darum, dass mehrere Menschen sich ein Rad teilen. So war ja auch das Förderprogramm im vergangenen Jahr angelegt“, sagt Schütz.

Genau einen Tag dauerte es, dann waren 100.000 Euro Fördergelder der Stadt Augsburg für Lastenräder im vergangenen Jahr weg, bestätigt Thomas Lis von der Fahrradstation Augsburg. Er hatte als Pro Augsburg-Stadtrat das an München angelehnte Programm mit initiiert. Lis bedauert, dass das Programm anders als in der Landeshauptstadt in der Fahrradstadt Augsburg nicht verlängert wurde.

„Es gibt viele Familien, die bei den Fördergeldern leer ausgegangen sind und die sich aus eigener Kraft kein Lastenrad leisten können“, sagt er. Auch Lis ist ein großer Fan der Lastenräder. Mittlerweile gibt es seiner Schätzung nach gut 1000 Stück in Augsburg – rund 120 davon mit Förderung der Stadt. „Bis wir die 50.000 von Koppenhagen erreicht haben, ist noch Luft nach oben“, scherzt er.

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