Boccia

20.07.2017

Die Herren der Kugeln

Beim Bundesligaspieltag lassen sich die Gastgeber vom TSV 1871 Augsburg durch einen Rückschlag nicht entmutigen. Ihr großes Ziel ist die Klub-WM in Südamerika

Die drei Nationalspieler des TSV 1871 Augsburg verstehen die Welt nicht mehr. Egal wie exakt sie ihre Boccia-Kugeln auf der heimischen Bahn am Meierweg auch platzieren, das Gäste-Trio von Pallino Offingen liegt fast immer ein paar Zentimeter besser. Andy Hurtner, Sven Orend und Gregorio Stirparo bieten ihr ganzes Können auf. Doch jedes Mal, wenn sie ihre Kugel behutsam an das „Schweinchen“, die Zielkugel Pallino, legen oder mit hohen Würfen die gegnerischen Kugeln wegschießen wollen, klebt ihnen das Pech an den Fingern. Das niederschmetternde Ergebnis: eine 2:10-Niederlage.

Dabei gehört das Trio aus deutschen Nationalspielern zum stärksten, was dieser Gruppenspieltag der Boccia-Bundesliga zu bieten hat. Für die fünf Vereine der Gruppe A, den 1871 Augsburg, TC Niederstotzingen, DJK Augsburg Nord, Pallino Offingen und SSV Anhausen geht es um viel. Alle kämpfen um die zwei Plätze für das Finale am nächsten Sonntag in Ottobeuren. Der Sieger dieser Runde würde sich dann sogar für die Klub-Weltmeisterschaft in Südamerika qualifizieren.

„Im vergangenen Jahr habe ich mit dem TSV Gersthofen die deutsche Meisterschaft gewonnen, deshalb möchte ich nun unbedingt mit dem TSV 1871 meinen Titel verteidigen“, zeigt sich Andy Hurtner trotz des Rückschlags gegen Offingen weiter angriffslustig. Gemeinsam mit Sven Orend spielt er erst seit diesem Jahr für den Verein aus Oberhausen. „Uns gefällt hier die Gemeinschaft besser“, begründet Orend diesen Schritt, „jeder freut sich über den Erfolg des anderen. Außerdem spielen hier mehr Kollegen aus der Nationalmannschaft.“ Und auch der deutsche Bundestrainer Giuseppe Garieri ist mit seiner gesamten Familie Mitglied im Verein. Neben seinen sportlichen Aufgaben ist Garieri auch noch als Vizepräsident des Deutschen Boccia Bundes im Einsatz.

Die Herren der Kugeln

Und sogar dessen Präsident kommt aus Augsburg. Francesco di Libano engagiert sich seit 27 Jahren ehrenamtlich in Augsburg und in seinem Heimatland Italien für den Boccia-Sport. „Im Verband haben wir derzeit etwa 600 Mitglieder“, erzählt er. Viele Italiener sind dabei. Die meisten Deutschen würden den Sport erstmals im Urlaub in Italien am Strand kennenlernen, erzählt Francesco die Libano lächelnd, „da wird die Begeisterung geweckt. Der Turniersport hat aber sehr viel mehr Regeln und ist sehr anspruchsvoll.“

Kein Wunder also, dass bei so vielen gebürtigen Italienern auch beim Turnier am Meierweg viel Italienisch geplaudert wird. Die Stimmung schwankt zwischen gelöst, konzentriert und ausgelassen. Lautstark äußert sich etwa die Freude bei den Niederstotzingern, als sie gegen Favorit Anhausen gewinnen. Jubelnd fallen sich die Spieler in die Arme und einer kniet vor lauter Begeisterung zu Boden und küsst den Sand.

Weil in Deutschland auf nationaler Ebene nach den internationalen Regeln gespielt wird, verlangt dies Spielern und Schiedsrichtern absolute Präzision ab. Immer wieder wird die Lage der Kugeln per Metermaß exakt nachgemessen. Millimeter entscheiden über Sieg oder Niederlage. Jede Partie besteht aus drei Spielen– dem Einzel, dem Doppel und dem Dreier, die jeweils bis zehn Siegpunkte gespielt werden.

Da das 1871-Team durch die „Boccia“-Familie Garieri (Giuseppe, Salvatore und Luigi) sowie das Nationalspieler-Trio auf allen Positionen extrem gut besetzt ist, staunt die Konkurrenz nicht schlecht, als Offingen im direkten Duell mit 1871 sowohl den Dreier, als auch das Doppel gewinnt. „Wir haben viel, viel Pech gehabt“, gesteht Sven Orend, der kürzlich die 2. Bundesliga gewann und wie seine Kollegen mit Teilnahmen an Europameisterschaften bereits internationale Erfahrung gesammelt hat. Von diesem Rückschlag lassen sich die Gastgeber aber nicht aus der Ruhe bringen. Mit Siegen gegen Niederstotzingen, Anhausen und den Lokalrivalen DJK Nord schaffen sie es am Ende eines langen Turniertages doch noch, als Gruppenerster den Einzug ins Finale perfekt zu machen.

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