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Naturschutz

24.09.2019

CSU-Waldexperte Nüßlein: "Das Problem im Wald sind die Monokulturen"

Über Jahrzehnte wurden Fichte-Monokulturen zur Gewinnoptimierung geschaffen. CSU-Umweltexperte Nüßlein sieht darin ein großes Problem.
Bild: Alexander Rüsche, dpa (Symbol)

Exklusiv Der Klimawandel sei auch im bayerischen Wald deutlich sichtbar, sagt Georg Nüßlein. Ein gewisses Maß an Verbiss durch Wild hält er aber für unproblematisch.

Herr Nüßlein, Sie haben als CSU-Umweltexperte die Aufgabe, mit Ihrem CDU-Kollegen Andreas Jung den klimapolitischen Kurs der Union festzulegen. Eine sehr wichtige Rolle für das Klima spielt der Wald. Wie alarmierend ist daher das Waldsterben 2.0?

Georg Nüßlein: Die Folgen des Klimawandels sind im Wald deutlich sichtbar. Wir haben ein enormes Trockenheitsproblem, das den Bäumen zusetzt. Sie sind durch die Dürre geschwächt und Schädlinge wie der Borkenkäfer haben dann leichtes Spiel. Wirklich problematisch sind in diesem Zusammenhang jedoch vor allem die Fichte-Monokulturen, die die Forstwirtschaft über Jahrzehnte zur Gewinnoptimierung geschaffen hat.

War man mit dem Waldumbau also zu langsam?

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Nüßlein: Das hat in erster Linie ökonomische, also wirtschaftliche Gründe. Die Fichte galt seit jeher als sogenannter Brotbaum, der einen schnellen Ertrag brachte. Sie wird vor allem als Bauholz verwendet und mit ihr wird Geld verdient. Wenn auf sie bei der Aufforstung nun weitgehend verzichtet werden soll, könnte dies übrigens noch zum Thema werden. Denn welcher Baum kommt anstatt der Fichte, wenn aus ökologischen Gründen künftig mehr mit Holz gebaut werden soll?

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat gesagt, nicht die Ökonomie, sondern die Ökologie müsse im Forst künftig Vorrang haben.

Nüßlein: Mit den Gewinnen, die der Staatsforst erzielt, soll in den Klimaschutz reinvestiert werden. Die gesetzliche Vorgabe „Wald vor Wild“ war also bisher aus rein ökonomischer Sicht geleitet.

Georg Nüßlein ist der Umweltexperte der CSU.
Bild: Ralf Lienert

Das müssen Sie erklären.

Nüßlein: Die heutigen Probleme im Wald liegen doch nicht am Wild, sondern an den Monokulturen. Das Wild verhindert den Waldumbau nicht. Doch es gibt leider nach wie vor Förster, die sagen, jedes tote Reh ist ein gutes Reh. Und deshalb ist das Reh in seinem angestammten Lebensraum seit Jahren einem enormen Jagddruck ausgesetzt.

Aber es gibt doch das Forstliche Gutachten, das die Verbissschäden im Wald deutlich macht.

Nüßlein: Zugespitzt gesagt, ist es vor allem eine Beschäftigungstherapie für Forstleute. Für den Schutzwald im Gebirge mag es Aspekte geben, die dafür sprechen. Doch ansonsten halte ich ein gewisses Maß an Verbiss für unproblematisch. Auch eine vom Wild angeknabberte Pflanze wurzelt und wächst. Nicht jeder einzelne Baum muss wie in einer Gärtnerei hochgezüchtet werden und besonders schön sein.

Mit dieser These werden Sie aber Förster und Waldbesitzer, jetzt mal salopp gesagt, ganz schön auf die Palme bringen.

Nüßlein: Das mag sein und das halte ich auch aus. Nochmals: Wir müssen den ökonomischen Aspekt im Wald zurückstellen. Und das Wild gehört in einer funktionierenden Ökologie nun mal zum Wald. Das Reh ist anpassungsfähig und wird trotz der scharfen Bejagung nicht ausgerottet werden. Aber was wir gerade bei Rotwild und Gams erleben, ist katastrophal.

Nun werfen Ihnen Kritiker vor, die hohen Wildbestände zu ignorieren. Sie sprechen gar von einer Rehwildzucht.

Nüßlein: Unsinn. Ich verstehe viele Dinge nicht mehr. Wenn etwa der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann, fordert, Nachtzielgeräte auch für die Jagd auf Rehwild einzusetzen, hat das mit Barmherzigkeit doch nichts mehr zu tun. Gerade die Grünen fordern doch ansonsten den Tierschutz.

Der Umbau hin zu stabilen naturnahen Mischwäldern bleibt eine Herkulesaufgabe. Dabei fehlen Revierförster und Waldarbeiter überall. War der Personalabbau der letzten Jahre also ein großer Fehler?

Nüßlein: Die Fichte wird auch durch Naturverjüngung wachsen. Aber ansonsten muss sinnvoll gepflanzt werden. Also müssen wir auch personell etwas tun.

Es ist nicht nur der Staatsforst betroffen, sondern auch private Waldbesitzer. Und von ihnen gibt es immerhin etwa 1,8 Millionen in Deutschland.

Nüßlein: Was ich im Privatwald sehe, ist auch dort ein Umdenken im Gange. Die meisten privaten Waldeigentümer gehen den Weg in dieser schwierigen Umbruchphase mit. Dennoch muss ihnen der Staat unter die Arme greifen, damit die Wälder in Richtung Klimastabilität umgestaltet werden können.

Zur Person: Georg Nüßlein, 50, ist Jurist, passionierte Jäger und stellvertretender Vorsitzender der Unions-Fraktion im Bundestag.

Lesen Sie auch den Kommentar: Das heutige Waldsterben ist dramatischer als in den 80ern

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