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Corona-Pandemie

30.07.2020

Ingolstadt erlaubt Feiern an kontrollierten Locations - kann das funktionieren?

Lauschige Plätze zum Sitzen, Feiern und Loslassen am Abend sind in Corona-Zeiten heiß begehrt. Die Stadt Ingolstadt startet nun ein Pilotprojekt mit kleinen Veranstaltungen.
Bild: Peter Kneffel, dpa

Plus Ingolstadt will für die städtischen Clubbetreiber Freiluft-Locations erlauben und damit der Branche helfen. Zweifel aber bleiben. Andere Städte gehen andere Wege.

Bars, Clubs und Diskotheken – seit Monaten sind sie wegen Corona geschlossen. Viele Betreiber in Bayern sind verzweifelt. Denn wann sie wieder öffnen dürfen, ist immer noch nicht bekannt. Um der krisengebeutelten Branche zu helfen, startet die Stadt Ingolstadt nun ein Pilotprojekt: Sie eröffnet dieses Wochenende zwei extra ausgewiesene Außenlocations, ab heutigem Freitag darf bis 23 Uhr gefeiert werden. Die städtischen Clubbetreiber dürfen dort eigene kleine Veranstaltungen organisieren, um wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen – natürlich müssen aber auch dort alle geltenden Corona-Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Stellt sich aber doch die Frage: Kontrolliert feiern mit früher Sperrstunde – kann das überhaupt funktionieren?

Mehrere Clubbetreiber haben sich auf das Projekt in Ingolstadt beworben

Mehrere Clubbetreiber in Ingolstadt haben sich für das Projekt beworben, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion vonseiten der Stadt. Eine Woche lang konnten sie ihre Konzepte einreichen, sie wollen unter anderem Livemusik, Line Dance, Sitzgruppen mit DJ-Musik oder einen Balkanabend anbieten. Doch die Stadt macht sich auch Sorgen wegen der Sicherheit der Menschen. Werden alle Hygieneregeln eingehalten? Wie ist Feiern mit Abstand möglich? Und lohnt sich das Ganze finanziell? Aus ähnlichen Sorgen hätten ein paar Clubbetreiber ihre Bewerbung bereits zurückgezogen, sagt Christina Diederichs von der Stadt Ingolstadt. „Die Kosten-Nutzen-Rechnung hatte sich für sie nicht gelohnt.“ Unsicherheiten birgt auch der mit 23 Uhr recht frühe Feierabend für die Nachtschwärmer. Ist das für die Gäste überhaupt attraktiv?

Angst vor eskalierenden Feiern hat die Stadt nach eigenen Angaben aber nicht. Wilde Szenen, wie sie zuletzt in anderen Städten wie Augsburg, München oder Frankfurt zu beobachten waren, als Menschen betrunken an öffentlichen Plätzen randalierten, gibt es in Ingolstadt bislang nicht.

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In Augsburg wird eine ganze Feiermeile kontrolliert von der Polizei

In Augsburg hat man für solche Probleme andere Lösungen gefunden. Noch vor wenigen Wochen feierten inmitten der Innenstadt junge Menschen ausgelassen, tranken Alkohol, die Lage eskalierte und mündete sogar in Randale mit der Polizei. Hygieneabstände, so die Beobachtungen, wurden überhaupt nicht mehr eingehalten. Die Stadt reagierte: Bis Ende September ist es in der Maxstraße und in den angrenzenden Straßen vor allem abends verboten, Glasflaschen und Getränkekisten mitzunehmen oder die Innenstadt betrunken zu betreten. Die Polizei und der Ordnungsdienst überwachen die feiernden Menschen. An Wochenenden darf bis 1 Uhr im Freien bewirtet werden. Im Gegenzug werden Wirte angehalten, den Lärmpegel niedrig zu halten. Unterstützt wird die Vorgabe mit einer Sperrstunde ab 22 Uhr: Ab diesem Zeitpunkt darf keine Musik mehr gespielt werden, die im Freien zu hören ist, und ab Mitternacht wird kein Alkohol mehr zum Mitnehmen verkauft. Um die sogenannten Hotspots in der Stadt zu entzerren, sperrt die Stadt betroffene Straßenabschnitte für Autofahrer bis Ende September. Und auch die Clubbetreiber lassen sich einiges einfallen: So ist auf dem Königsplatz zum Beispiel ein Kulturbiergarten mit Konzerten geplant.

Auch in München gibt es immer häufiger Probleme mit ausgelassen feiernden Menschenmengen an der Isar und am Gärtnerplatz. Projekte wie in Ingolstadt gibt es aber nicht. Stattdessen bietet die Stadt ab dem Wochenende die Aktion „Sommer in der Stadt“. In ganz München sollen Kultur- und Sportangebote, Fahrgeschäfte, Essens- und Marktstände sowie Schaustellerbuden für Unterhaltung sorgen – einiges kostenlos. Darüber hinaus dürfen Wirte in sogenannten „Schanigärten“ – also in abgegrenzten Schankflächen – ihren Außenbereich erweitern: etwa auf Parkplätzen.

Bayern will im Einzelfall ein Alkoholverbot für "to go" durchsetzen

Der Freistaat Bayern macht sich nun für ein Alkoholverbot stark und will betroffenen Kommunen nach Ministeriumsangaben „raschestmöglich die nötigen rechtlichen Handreichungen“ anbieten, damit sie vor Ort ein Alkoholverbot an öffentlichen Plätzen einführen könnten. Die Stadt Bamberg hat dieses Verbot bereits umgesetzt. An den Wochenenden ist es in der fränkischen Stadt ab 20 Uhr verboten, Alkohol zum Mitnehmen in der Kneipenmeile zu verkaufen. Zunächst hatte die Stadt das Verbot für zwei Wochen getestet. Nachdem im Anschluss sich die gleichen Bilder wie zuvor zeigten, wurde das Verbot erneut in Kraft gesetzt. "

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar: Feiern in der Coronakrise: Ein Appell an die Vernunft reicht nicht aus

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