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Tierhaltung

02.01.2012

Pferdebesitzer klagen über knappes und teures Heu

Die Pferdebesitzer schlagen Alarm: Heu ist knapp, der Preis explodiert.
Bild: dpa (Symbolbild)

Die Reiter klagen über explodierende Preise. Als Grund wird unter anderem der Biogasanlagen-Boom angeführt. Immer mehr Wiesen verschwinden, es wird Mais angebaut.

Die Pferdebesitzer schlagen Alarm. Heu ist knapp, der Preis explodiert. „Viele Leute können sich ihr Pferd bald nicht mehr leisten, Boxen in den Ställen stehen leer“, sagt Günter Ortner aus Weilheim, Vorstandsmitglied des Bayerischen Reit- und Fahrverbands. Für den Doppelzentner Heu zahlt Dieter Winterhalder aus Horgau (Landkreis Augsburg) jetzt 15 Euro, bislang waren es zehn Euro. Er braucht für seine 30 Pferde und die Ponys insgesamt 300 Kilogramm Futter am Tag. Seine letzte Heu- Lieferung kam bis aus dem Raum Dillingen. Von den Landwirten um seinen Stall herum bekommt er längst nichts mehr.

Auch das Kraftfutter ist teurer geworden. Der Doppelzentner Gerste kostet statt knapp 15 Euro inzwischen 22 Euro. Winterhalder kann den Preis nicht an seine Kunden weitergeben. Er versucht die finanzielle Belastung irgendwie anders zu lösen. Beispielsweise mit mehr Dienstleistung – sprich Reitstunden. Bei einer weiteren Preisspirale geht dies auf Dauer auch nicht.

Einer der wesentlichen Gründe für die Kostenexplosion sieht Ortner im wachsenden Flächenverbrauch und vor allem im Biogasanlagen-Boom. Pferdestallbesitzer Winterhalder ist quasi umzingelt. Deubach, Biburg – überall stehen Anlagen und müssen „gefüttert“ werden. Die Wiesen sind verschwunden, stattdessen wächst dort jetzt Mais.

Pferdebesitzer klagen über knappes und teures Heu

Kaum ein Bauer macht mehr Heu, beobachtet Anne Schmidt vom Reit- und Fahrverein Wemding im Ries. Das sei zu aufwendig und bringt zu wenig Geld. Stattdessen schneiden sie das Gras und kippen es in die Biogasanlage. Der Landkreis hat die höchste Dichte in Schwaben. Wenn sie mit ihrem Pferd über Land reitet, stellt Schmidt immer wieder bestürzt fest: Schon wieder ist eine schöne Wiese verschwunden. Der Mais werde im Übrigen über weite Strecken zur Biogasanlage transportiert, sagt sie. „Dies hat mit Ökologie nichts mehr zu tun.“ Der Wemdinger Reitverein hat das Glück, dass er keine Flächen dazupachten muss. Das Gelände gehört der Stadt. Andere Vereine müssen für die Koppeln inzwischen tief in die Tasche greifen.

Die ersten Reitställe haben die Preise erhöht – in einem Fall in Königsbrunn (Kreis Augsburg) um 20 Euro pro Pferd. Eine Frau hat dort fünf Ponys stehen. Das sind 100 Euro zusätzlich im Monat. Das bedeutet in der Konsequenz, dass über kurz oder lang die Reitstunden für Kinder und Jugendliche teurer werden müssen. Bei so manchem Reitverein finden Krisensitzungen statt. In Wemding schreckt man noch vor einer Erhöhung zurück. Bei der Mitgliederversammlung im März wird das Thema aber auf der Tagesordnung stehen. Schmidt weiß von einem Verein, der erhöht hat. Der Stall war dort voll. Die Leute sind jetzt reihenweise gegangen.

Die Bauern, die Heu haben, horten es und spekulieren damit. „Das ist wie beim Ölpreis“, sagt Max Stechele aus Wehringen (Kreis Augsburg), Vorsitzender des Verbandes der Reit- und Fahrvereine Schwaben. Frei zukaufen gebe es jetzt nichts. Der Markt diktiert den Preis. Er hat vorgesorgt und landwirtschaftliche Flächen gekauft. Er hat sein eigenes Heu.

Tierarzt Stechele bringt neben dem Biogasanlagen-Boom noch einen anderen Aspekt ins Spiel. Extensivierte Ökoflächen, auf denen schöne Blumen wachsen, aber nicht gedüngt werden dürfen, bringen den Reitern nichts. Es fehlt die Masse. Zudem würden dort für Pferde giftige Pflanzen wie Herbstzeitlose und Hahnenfuß produziert. Immer wieder sterben Tiere deshalb. Und Wiesen, die durch Vertragsnaturschutzprogramme staatlich gefördert und deshalb erst später gemäht werden, bedeuten den Verlust eines Schnitts. Das heißt letztlich Heu. Er fordert deshalb eine Änderung der Förderprogramme.

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