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Landtagswahl

11.10.2018

Warum das internationale Interesse an Bayern so groß ist

Selbst die New York Times berichtet über die Landtagswahl in Bayern.
Bild: Ole Spatam, dpa (Archiv)

New York Times, Al Jazeera, La Repubblica: Sie alle werden von der Wahl in Bayern berichten. Warum internationale Medien am Ausgang so interessiert sind.

Es klingt wie ein Ranking der bedeutendsten Medien auf der Welt. Tatsächlich ist es die Liste, der Zeitungen und Sender, die sich für die Landtagswahl am Sonntag angemeldet haben. Zum Beispiel: Washington Post, CNN, Le Figaro. Sie werden am Sonntag über die möglicherweise historische Wahl in Bayern berichten. Laut der Pressestelle des Landtags haben sich mehr als 1000 Medienvertreter angekündigt. Den Andrang zu koordinieren, ist keine leichte Aufgabe. Die Landtagsverwaltung muss das komplette Equipment überprüfen und die Anmeldungen kontrollieren.

Vor allem eine Partei spürt den medialen Andrang. „Schon die Wochen vor der Wahl gab es ein extrem hohes Interesse an unserem Spitzenduo“, berichtet die Grünen-Sprecherin Lena Motzer. „Das ist bisher noch nie so gewesen.“ Durch die Umfrageerfolge und die Tatsache, dass die Grünen zweitstärkste Kraft in Bayern werden könnten, wurden viele internationale Journalisten auf die Partei aufmerksam.

In Amerika und Japan herrscht ein sehr "bayerisches Bild" von Deutschland

Wieso interessieren sich aber so viele Menschen auf der Welt dafür, bei welcher Partei rund 9,5 Millionen Bayern am Sonntag ihr Kreuzchen setzen? Melissa Eddy, Deutschland-Korrespondentin für die New York Times, hat dafür eine Antwort: „Dieses Mal sind die Auswirkungen der Bayern-Wahl für die Bundesregierung viel höher als das noch 2013 der Fall war.“ Zudem zeichne sich in Bayern – wie auch in anderen Bundesländern – der Aufstieg der AfD ab. Ein Phänomen, das sich in einen europaweiten Trend einordnen lässt, erläutert die Journalistin. Selbst aus amerikanischer Sicht hat es eine „gewisse historische Bedeutung“, dass die CSU um eine Regierungsbeteiligung bangen muss. Die Wahl Ende Oktober in Hessen sei für die Leserschaft der New York Times weniger interessant, ist Eddy überzeugt. Das hängt aber vor allem mit einer bestimmten Vorstellung zusammen: „Viele Amerikaner haben ein Bild von Deutschland im Kopf, das eher auf Bayern passt“, sagt Eddy. Das heißt: „Tracht, Alpen, Bier.“

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In Japan ist diese Anschauung ebenso verbreitet, sagt Tomoko Shioda von der japanischen Tageszeitung Asahi Shimbun. Deutschland, das seien für viele Japaner „bayerische Landschaften, Oktoberfest und Bier“, zählt die japanische Journalistin auf. Sie ist als Einzige im Korrespondenten-Büro in Berlin geblieben. Chefkorrespondent Yuzuru Takano ist mit einer Kollegin in München. Sie berichten über die Landtagswahl. Warum ist die Wahl in Bayern im mehr als 9000 Kilometer entfernten Japan interessant? „Es wird spannend, weil man sagt, dass die CSU viele Verluste macht. Da fragen wir uns: Wie geht es dann mit der Großen Koalition weiter?“

Die Wahl ist richtungsweisend für die Zukunft der Großen Koalition

Dass die Wahl in Bayern richtungsweisend für Berlin ist, davon sind auch viele Menschen in Italien überzeugt. Tonia Mastrobuoni ist Korrespondentin für die zweitgrößte Zeitung Italiens: La Repubblica. Aus ihrer Sicht verbindet Italien und Bayern vor allem ein Wahlkampfthema: Flüchtlinge. „Sowohl Seehofer wie Salvini bringen das Thema immer wieder auf die Agenda – obwohl es in Hinblick auf die Asylanträge keines mehr ist“, sagt Mastrobuoni. Die Journalistin wird nicht nur am Wahlsonntag in München sein. Bereits in den vergangenen Wochen war sie dort. „Ich habe mit Kirchenvertretern über ihre Wut auf die CSU gesprochen“, berichtet die Journalistin. Am Samstag, einen Tag vor der Wahl, wird ihre Reportage in La Repubblica erscheinen.

Ob tatsächlich alle Medienvertreter kommen, die sich beim Landtag akkreditiert haben? Das sehe man erst am Wahlabend, sagt der Landtagssprecher Anton Preis. Viele Journalisten berichten eher im Vorfeld der Wahl. So wie die New York Times. Korrespondentin Melissa Eddy wird am Sonntag nicht von München aus über die Wahl berichten. Dass Markus Söder auf der Titelseite der New York Times prangt, ist eher unwahrscheinlich, sagt die Journalistin. Ausnahme: „Wenn Merkel abdankt, könnte die Bayernwahl doch noch zum Titelthema werden.“

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