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Handwerk

28.12.2017

Das Ende der Ära Lindenthal

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Ein eingespieltes Team seit mehr als drei Jahrzehnten: Gerhard und Marlene Lindenthal haben ihre Bäckerei in Gundelfingen aus gesundheitlichen Gründen verkauft. Bis zu 1000 Kunden täglich vertrauten auf ihr Handwerk.

Das Ehepaar hat seine Bäckerei in Gundelfingen verkauft. Am kommenden Sonntag öffnet es zum letzten Mal selbst seinen Betrieb. Nachfolger stehen schon bereit

Die Leidenschaft ist immer noch da. Wenn Gerhard und Marlene Lindenthal über Mehlsorten, Teigruhe und Hochzeitstorten reden, spricht da niemand, der sich überschwänglich auf den Ruhestand freut. Seit fast drei Jahrzehnten führt das Ehepaar seine Bäckerei in Gundelfingen. Zum Ende dieses Jahres ist für die beiden Schluss. Ihre Bäckerei haben sie verkauft.

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Damit endet eine Ära in der Bahnhofstraße. 1964 eröffnete der Vater von Gerhard Lindenthal die Bäckerei. 1988 übernahm er selbst mit seiner Frau den Betrieb. Seitdem haben die beiden nicht nur die Gärtnerstadt, sondern die gesamte Region versorgt. „Unsere Kunden kamen zum Teil aus Gundremmingen, Günzburg, Heidenheim oder Dillingen“, sagt Gerhard Lindenthal. Ihm sei immer wichtig gewesen, einzigartige Backwaren zu produzieren, also ohne Backmischungen, industrielle Teiglinge oder Backmittel. „Was bringt es einem, wenn die Tankstelle um die Ecke genau das gleiche Produkt anbietet“, sagt er. Gerade die Details seien entscheidend. Frisch eingefrorene Kirschen anstatt Konserven, frische Eier anstatt fertiges Flüssigei. Auch, wenn man dafür im Jahr 210000 Eier von Hand aufmachen muss. „Es lohnt sich“, sagt der Bäckermeister. Mit den Backwaren wurden unter anderem das Atomkraftwerk Gundremmingen und diverse Seniorenheime im Landkreis beliefert, aber auch die Cafesitobar in Dillingen und der Cap-Markt in Lauingen. Ihr soziales Engagement ging so weit, dass sie unter ihren 43 Mitarbeitern auch zwei Behinderte angestellt haben.

Die Lindenthals haben für ihre Bäckerei gelebt – sieben Tage die Woche. Jeden Morgen klingelte der Wecker um halb zwei. „Das Aufstehen war nie meine Stärke“, sagt Gerhard Lindenthal und lacht. „Aber es hat sein müssen.“ An Urlaub war für die beiden kaum zu denken. „Wenn wir fünf Tage im Jahr weg waren, war das viel.“

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Das geht an die Substanz. Mittlerweile haben beide Ehepartner mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. „Wir hätten gerne noch ein paar Jahre weitergemacht“, sagt der 60-Jährige. „Aber es geht nicht mehr.“ Am kommenden Sonntag ist der letzte Morgen, an dem sie selbst ihre Bäckerei aufschließen. „Das wird kein leichter Tag werden“, ist sich der Bäcker sicher. Auch Frau Marlene wird beim Gedanken an Sonntag emotional. „Die Bäckerei war mein Leben“, sagt die 61-Jährige. „Ich bin sehr traurig.“

Ihre Nachfolger stehen bereit: das Ehepaar Kristina und Christian Kraus. Der 26-jährige Bäckermeister stammt aus dem Landkreis Landshut. Dort, in Ergolding, hatte er den Betrieb seines Vaters übernommen. Dort sah er jedoch keine Zukunft. „Seit Jahrzehnten wurde nichts investiert“, sagt er. Seine Frau Kristina brachte ihn in den Landkreis. Die 28-Jährige stammt aus Höchstädt und wurde auf das Verkaufsangebot aufmerksam. „Die Bäckerei ist etwas Besonderes und hat in der Region einen Namen“, sagt sie. „Wir treten in große Fußstapfen.“ Die ehemalige Arzthelferin wird im Verkauf tätig sein, ihr Mann die Hoheit über den Backbetrieb haben. Er will die Tradition seiner Vorgänger weiterführen und nach den gleichen Rezepten backen. Auch am Personal soll sich nichts ändern. Voraussichtlich bis Ostern werden die Lindenthals noch beratend zur Seite stehen. Ein bisschen freut sich Gerhard Lindenthal dann doch auf den Ruhestand: „Dann können wir auf einer Feier endlich auch mal länger bleiben.“

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