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Deisenhofen

11.04.2017

„Das wollen wir auf keinen Fall“

Der Blick von Deisenhofen nach Mörslingen könnte künftig anders sein – dann, wenn eine Umfahrung für Deisenhofen gebaut wird und erst recht, wenn die B16 neu für Höchstädt kommt. Von beiden Planungen halten die Anwohner (von links) Johann Kaltenegger, Gerhard Lindner, Finningens Bürgermeister Klaus Friegel und die Stadträte Armin Hopfenzitz und Johann Jall nichts.

Eine Umfahrung für Deisenhofen zusätzlich zur B16 im Norden? Was die Betroffenen fürchten.

Es ist ein herrlicher Tag, an dem sich Finningens Bürgermeister Klaus Friegel, die Höchstädter Stadträte Johann Jall und Armin Hopfenzitz sowie Johann Kaltenegger und Gerhard Lindner, zwei Anwohner, an einem Feldweg zwischen Deisenhofen und Lutzingen treffen. Sie stehen an der großen Solaranlage und blicken in Richtung Westen. Ein Traktor fährt auf einem Feld, zwei Fahrradfahrer sind zwischen den Wiesen zu erkennen und ganz klein ist am wolkenlosen Horizont sogar der Mörslinger Kirchturm zu sehen. „Jetzt stellen Sie sich mal vor, dass dort diese Straße durchgeht. Und dann noch eine zweite Umfahrung. Da fällt einem nichts mehr ein“, sagt Jall.

Diese Straße, die geplante B16-Nord-Umfahrung für Höch-städt, ist und bleibt für den Deisenhofener eine „sinnlose Fehlentscheidung der Politik“. Doch das, was nun der Kreisentwicklungsausschuss des Landkreises in seiner jüngsten Sitzung präsentiert hat, das schlage dem Fass den Boden aus – deshalb stehen die fünf Männer stellvertretend zusammen und wollen ihrem Ärger Luft machen. „Mit uns spricht niemand. Niemand fragt uns, ob wir das wollen. Und das wollen wir auf keinen Fall“, so Jall. „Das“, was sie nicht wollen, ist eine extra Nordumfahrung für Deisenhofen. Wie berichtet, soll eine geplante Brücke im Zuge der neuen B16 zwischen Mörslingen und Deisenhofen weiter in Richtung Norden (nördlich von der Biogasanlage) verschoben und gedreht werden. Das soll den Verkehr aus Richtung Lutzingen aus Deisenhofen fernhalten. Diese Umfahrung sei laut Landrat Leo Schrell nur etwa 300 Meter länger, als der im Planfeststellungsverfahren ursprünglich dargestellte Umbau der DLG 15 (Mörslinger Straße). Dadurch erhoffe man sich wesentliche Vorteile für Deisenhofen, und: „Mit dieser Planung wären viele Klagen obsolet“, sagte Schrell bei der Sitzung. Staatliches Bauamt und Regierung seien damit einverstanden, die Planfeststellungsunterlagen entsprechend abzuändern.

Bis August müssen die Unterlagen fertiggestellt sein. Aber genau das wollen die Jall und Co. nicht. Von den Planungen hätten sie nichts gewusst. Finningens Bürgermeister Klaus Friegel fühlt sich ebenfalls schlecht informiert – auch vom Landrat und auch von Landtagsabgeordnetem Georg Winter. „Im Oktober 2016 war diese Umfahrung für Deisenhofen schon mal auf dem Tisch. Ich wurde gebeten, eine halbe Stunde vor einem anderen gemeinsamen Termin zu kommen. Dann wurde mir die Variante vorgestellt. Das war’s.“ Er habe daraufhin seinen Gemeinderat informiert, sein Gremium sei mit der Idee nicht einverstanden gewesen – das hat Friegel wiederum im Landratsamt weitergegeben. Seither habe er nichts mehr gehört. „Und dann steht es groß in der Zeitung drin. Das passiert mir nicht mehr, dass ich ohne Vorwissen zu einem Termin gehe.“

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Unabhängig von der Vorgehensweise, findet der Bürgermeister, bergen die Planungen für seine Gemeinde nur Nachteile. Denn wenn die Brücke gebaut werde, dann werde die Mörslinger Straße eine Sackgasse – nur eine Kreisstraße zwischen Deisenhofen und Mörslingen mache noch Sinn. „Wenn wir die aber wollen, dann müssen wir als Gemeinde diese zu hundert Prozent selbst zahlen – abzüglich der zuwendungsfähigen Kosten. Da gibt es einen Beschluss. Wie sollen wir das leisten können?“ Zumal Friegel die Genehmigungsfähigkeit dieser Straße bezweifelt: FFH- und Überschwemmungsgebiet sind davon betroffen. Friegel befürchtet auch, dass die Kesseltaler Verkehrsteilnehmer sich künftig den schnellsten Weg suchen. Deshalb fordert er eine Verkehrsprognose.

Höchstädts Stadtrat Armin Hopfenzitz sagt dazu aus Deisenhofener Sicht: „Eine Hälfte des Dorfes wird entlastet, die andere nicht. Wie viele Straßen brauchen wir denn noch? Können wir nicht eine vernünftige bauen?“ Jall ergänzt: „Das ist eine Missachtung jeglicher demokratischer Gepflogenheiten.“ Und dieses Verhalten sei eins zu eins auf die Planungen der B16 neu für Höch-städt umzulegen. „Wir sind von einer Straße betroffen, die uns nichts angeht“, so Jall und Friegel fügt hinzu: „Ich sehe auch keinen Vorteil für Höchstädt. Wenn die Umfahrung eine Topentlastung wäre, dann könnte man sagen, dass man einen Tod sterben muss – aber so?“.

Die Kritik an den Planungen der B16 im Norden können Friegel, Jall und Co. belegen: Beim Bürgerentscheid 2007 wurde Mörslingen nicht befragt. Bei einer Abstimmung wurde die Variante der Bahntrasse auf Platz eins gewählt. Seit der Trassen-Entscheidung hat sich viel verändert. Die jetzigen Planungen sind bereits wesentlich teurer. Der Landverbrauch ist unermesslich. Die geplante Straße verläuft durch ein HQ-100-Gebiet. Das Naherholungsgebiet bei den Fischweihern in Deisenhofen wäre künftig nur über drei Straßenquerungen zu erreichen. Das naturfachliche Gutachten für eine Pro-Süd-Variante wurde nie erneuert. „Es war einfach grundsätzlich die falsche Entscheidung und die Politik traut sich nicht, diese zu revidieren“, so Johann Jall. Er spricht von maximaler Steuerverschwendung. Er habe auch kein Verständnis dafür, dass schnell 1,5 Millionen Euro ausgegeben werden, um ein Wasser-Schutzgebiet aufzugeben. „Wir werden von Straßen eingekesselt und von Mörslingen abgeschnitten“, sagt Hopfenzitz.

Der Deisenhofener Johann Kaltenegger ist betroffener Grundstücksbesitzer. Er sagt: „Ohne ersichtlichen Grund zerstört jemand meinen Grund und Boden. Warum soll man zwei Dörfer umfahren, wenn man eine Stadt umfahren will? Man hat am Bedarf vorbei geplant. Es geht um unsere Heimat. Die B16 wird uns komplett verändern.“ Die Variante der Bahntrasse mit Tunnellösung läge doch auf der Hand, dort wäre niemand belastet.

Deshalb wollen die Bürger, in jedem Fall diese fünf Herren, der beiden Ortschaften noch nicht aufgeben, ihre Einwände haben sie bereits abgegeben und das Ziel ist klar: keine B16 im Norden. Bürgermeister Friegel: „Solange ein Fußballspiel läuft, solange ist auch noch nichts verloren.“

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