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27.06.2014

Ein Leben für Schule und Kulturpolitik ist zu Ende gegangen

„Ich war immerhin fast ein Vierteljahrhundert als Lehrer tätig.“Otto Meyer

Ehemaliger Staatssekretär Otto Meyer im Alter von 88 Jahren in Burgau verstorben

Mit Trauer und Bestürzung wurde in der Region die Nachricht aufgenommen, dass der ehemalige Kultus-Staatssekretär und langjährige CSU-Stimmkreisabgeordnete Otto Meyer am vergangenen Mittwoch nach kurzer schwerer Krankheit wenige Tage nach seinem 88. Geburtstag verstorben ist.

Der Name Otto Meyer gilt heute noch als Synonym für den Aufbau der Christlich-Sozialen Union in den Kreisen Günzburg und Dillingen in den 60er und 70er Jahren. Über 100 Ortsverbände hat er gegründet, weit über 2000 Mitglieder persönlich in die Partei aufgenommen. Daneben hat er sich um die bayerische Kulturpolitik äußerst verdient gemacht.

Der Lebensmittelpunkt Otto Meyers, eines gelernten Pädagogen („Ich war immerhin fast ein Vierteljahrhundert als Lehrer tätig“), war in den vergangenen Jahrzehnten sein eigentlicher Wohnort Burgau geworden, doch pflegte der Kulturpolitiker nach wie vor Verbindungen zum Landkreis Dillingen.

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Wen wundert’s, vertrat er doch den Stimmkreis Dillingen, den er 1966 erstmals, wie es Ministerpräsident Stoiber ausdrückte, „erobert“ hatte, nahezu ein Vierteljahrhundert im Bayerischen Landtag. Stadt und Kreis würdigten dies mit der Verleihung der Goldenen Bürgermedaille bzw. des Goldenen Ehrenringes. Bevor Meyer 1966 im Stimmkreis Dillingen antrat, war dieser 16 Jahre lang sozusagen in der Hand der Bayernpartei gewesen. Der Lehrer hatte von 1966 bis 1970 als Mitglied des Haushaltsausschusses die bayerische Landespolitik rundum kennengelernt.

Er gründete den Kulturpolitischen Arbeitskreis der CSU und wählte dann den Kulturpolitischen Ausschuss, dem er 18 Jahre lang treu blieb. In dieser Zeit war Otto Meyer auch dessen Zweiter Vorsitzender und brachte in seinem Bemühen um Neuordnung der Kulturpolitik des Landes maßgebliche Landtagsinitiativen in Sachen Kulturpolitik auf den Weg (Kindergartengesetz, das Gesetz über das berufliche Schulwesen, das Hochschul- und das Denkmalschutzgesetz, Initiativen „Erfolg in der Schule“).

Aufgewachsen in einem katholischen Elternhaus, drängte es den jungen Meyer schon früh ans Gymnasium. Dann kamen Krieg, Einberufung zur Heimatflak, zum Arbeitsdienst, zur Luftwaffe. Nach Tätigkeiten beim Landratsamt Günzburg und bei der Militärregierung begann sein Aufstieg als Lehrer – fast 25 Jahre lang. Seinem Studienaufenthalt 1952/53 in den USA hat der gebürtige Burgauer seine inzwischen lebenslange, glückliche Verbindung mit Ehefrau Erika zu verdanken, die er dort kennen und lieben lernte.

Schon früh war der nun Verstorbene Geschäftsführer der CSU für die Landkreise Günzburg und Dillingen, Neu-Ulm, Illertissen und Krumbach. Als Abgeordneter, zuletzt 1986 mit 62,33 Prozent wiedergewählt, setzte sich Meyer für die Gründung der Akademie für Lehrerfortbildung ein, für das Tierzuchtamt in Wertingen und für die Einrichtung der Polizeidirektion in Dillingen. Rückblickend nannte er anlässlich seines 85. Geburtstages im Gespräch mit unserer Zeitung jedoch den Erhalt des Landkreises Dillingen im Zuge der Wirren um die kommunale Gebietsreform als herausragendste Aufgabe seiner langjährigen Tätigkeit.

Im verdienten Ruhestand kümmerte sich Otto Meyer mit dem ihm eigenen unverwechselbaren Humor und seiner Menschenfreude um den Garten, hielt sich mit Übungen körperlich fit und beschäftigte sich viel am Computer mit digitaler Fotografie und dem Anlegen der Familiengeschichte.

Zu den vielen Auszeichnungen, mit denen die Arbeit des Jubilars und Vaters von zwei Söhnen gewürdigt wurde, zählen das Große Bundesverdienstkreuz, der bayerische Verdienstorden, die goldene Verfassungsmedaille, die Denkmalschutzmedaille, die Verdienstmedaille der Uni Augsburg und das Komturkreuz vom Orden des hl. Papstes Gregorius.

Landrat Leo Schrell reagierte gestern so auf die Nachricht: „Wir verlieren einen in der Bevölkerung des Landkreises hoch angesehenen und geschätzten Politiker, der sich während seines langen aktiven politischen Wirkens stets mit großer Leidenschaft und hoher fachlicher Kompetenz für die Belange seiner Mitmenschen und eine zukunftsfähige Entwicklung seiner bayerisch-schwäbischen Heimat eingesetzt hat.

Otto Meyer habe ich in zahlreichen persönlichen Begegnungen als sozial eingestellten Politiker und lebensfrohen Menschen kennen- und schätzen gelernt, der seine schwäbische Heimat liebte und über seine aktive Zeit hinaus dem Landkreis Dillingen verbunden blieb..

Der Landkreis Dillingen und seine Bevölkerung haben Otto Meyer viel zu verdanken. Mit ihm verlieren wir einen Politiker, der stets Mensch geblieben war und seine Mitmenschen mochte. Als gelernter Pädagoge war er den Umgang mit Menschen schließlich gewohnt. Mein Mitgefühl und meine Anteilnahme gelten seiner Frau und seiner Familie.“

Meyers Nachfolger, CSU-Landtagsabgeordneter Georg Winter, der den nun Verstorbenen noch am vergangenen Montag besucht hatte, betonte gestern, Meyer habe zahlreiche Akzente in der bayerischen Kulturpolitik gesetzt. Für seine Gründungs- und Aufbauarbeit habe ihm die Universität Augsburg die Verdienstmedaille verliehen und ihn zum Ehrensenator ernannt. Weitere Beispiele für seinen Einsatz sind laut Winter die Ansiedlung des Tierzuchtamtes in Wertingen und die Polizeidirektion in Dillingen gewesen. Der Abgeordnete: „Den Bürgern in seinem Stimmkreis war er stets ein zuverlässiger Ansprechpartner. Seine Verdienste bleiben unvergessen.“ (vN, dz)

für Otto Meyer mit anschließender Beerdigung findet am Dienstag, 1. Juli, um 11 Uhr, in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Burgau statt.

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