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Wertingen

12.07.2020

Warum Mitarbeiter des Wertinger Landwirtschaftsamts aufatmen können

In der Landwirtschaftsschule in Wertingen (linkes Gebäude) wird künftig mehr Betrieb herrschen. Da die Schule in Stadtbergen geschlossen wird, werden auch Schüler aus den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg in die Zusamstadt kommen. Auch im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (rechtes Gebäude) stehen Veränderungen an.
Bild: Elli Höchstätter

Plus Die Geschichte der Landwirtschaftsämter in der Region ist turbulent. Immer wieder gab es Umstrukturierungen. Warum die Mitarbeiter in Wertingen nach der jüngsten Entscheidung aufatmen können.

Die Geschichte der Umstrukturierung der Landwirtschaftsämter hat auch in der Region immer wieder zu heftigen Debatten geführt. Vielen sind dabei noch die 1990er Jahre in Erinnerung, als das Landwirtschaftsamt in Lauingen aufgelöst und Wertingen zugeschlagen wurde.

Vergangene Woche wurden ebenfalls neue Strukturen in der Landwirtschaftsverwaltung bekannt. Im Wertinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) könnten eigentlich die Korken knallen. Bei der anstehenden Umstrukturierung gehen die Wertinger eindeutig als Sieger hervor. Unterm Strich werden künftig mehr Leute in dem Amt arbeiten und mehr Schüler unterrichtet. Behördenleiter Magnus Mayer drückt es vorsichtiger aus. Er sagt: „Wertingen hat zumindest nicht verloren.“

Hintergrund Am Dienstag hatte der Ministerrat in München die neuen Strukturen für die Landwirtschaftsämter festgelegt. Diese soll zum 1. Oktober umgesetzt werden. Wertingen wird künftig einen Verbund mit Nördlingen bilden. Formal entsteht so ein Amt.

Die Folge Einige Sachbereiche, wie beispielsweise Forsten, Flächenförderung oder Bildung und Beratung werden zusammengelegt. Die Ansprechpartner bleiben aber vor Ort in Wertingen oder Nördlingen. Die Beratung in der Zusam-stadt wird sogar ausgebaut. Das Fachzentrum für Rinderzucht sowie Schweinezucht und -haltung bekommt Zuwachs. Dort werden künftig auch Experten sitzen, die Auskünfte zur Bullenmast, Mutterkuhhaltung und Kleintierhaltung geben. Mayer sagt: „Ich gehe davon aus, dass deshalb noch Personal dazukommt.“

Landwirtschaftsschule Während die rund 45 Mitarbeiter im Amt in Wertingen aufatmen können, gab es für andere Einrichtungen in der Region herbe Enttäuschungen. Beispielsweise werden die Landwirtschaftsschulen in Mindelheim und Stadtbergen (Landkreis Augsburg) geschlossen. In Stadtbergen ist im März 2022 Schluss. Der Wertinger Amtsleiter geht davon aus, dass deshalb ein „nennenswerter Teil der Schüler aus dem Raum Aichach-Friedberg und Augsburg künftig in Wertingen die Landwirtschaftsschule besuchen werden“. Laut Mayer erstreckte sich das klassische Einzugsgebiet der Schule bislang über die Landkreise Dillingen, Donau-Ries und teilweise Günzburg. Allerdings habe es in Wertingen bereits in diesem Semester einige Schüler aus der Region Augsburg und Aichach-Friedberg gegeben, da man in Stadtbergen nicht genügend Schüler für ein Semester zusammengebracht hatte. Aber auch Wertingen hat mit dem Schülerrückgang zu kämpfen. „In diesem Winter wird deshalb kein erstes Semester starten“, erklärt Mayer. Dieses Problem wird es nach der Umstrukturierung vermutlich nicht mehr geben. Mayer rechnet künftig mit über 20 Schülern pro Semester. Der Behördenleiter geht deshalb davon aus, dass mehr Personal für die Landwirtschaftsschule gebraucht und auch bewilligt wird.

Sie können mit der Umstrukturierung der Ämter zufrieden sein (von links): Bürgermeister Willy Lehmeier, Behördenleiter Magnus Mayer und Landtagsabgeordneter Georg Winter.
Bild: Bernhard Linder, AELF Wertingen

Hauswirtschaftsschule Keine Veränderung gibt es für die Hauswirtschaftsschule. Sowohl die Schule in Wertingen als auch die in Nördlingen bleiben laut Mayer bestehen.

Künftig gibt es nur noch einen Leiter

Führungsriege Eine Veränderung wird es aber an der Spitze des neuen Ämterverbundes geben. Bislang saß jeweils ein Chef in Nördlingen und einer in Wertingen. Künftig wird es nur noch einer sein. Laut Mayer ist noch nicht bekannt, wer es sein wird.

Politik Landtagsabgeordneter Georg Winter (CSU) erklärt, dass es bei der Umstrukturierung der Ämter für Wertingen „gut gelaufen“ sei. Die Konzentration der Landwirtschaftsschulen auf weniger Standorte habe auch Vorteile für die angehenden Landwirte, denn diese könnten nun jedes Jahr in ein Semester einsteigen und hätten somit keine Wartezeiten.

Der Haken Bei der anstehenden Umstrukturierung der Behörden gibt es allerdings auch für die Wertinger einen Haken. Der Verbund der Behörden wird künftig den Namen Nördlingen-Wertingen tragen. „Das liegt daran, dass Nördlingen im Alphabet vor Wertingen kommt“, erklärt Mayer. Er fügt mit einem Schmunzeln in der Stimme an: „Das hat aber nichts mit der Gewichtung zu tun.“

Die Geschichte Die Geschichte der Landwirtschaftsämter in der Region ist turbulent. Immer wieder gab es Umstrukturierung, Veränderungen und Zoff. Hier ein kurzer Abriss: 1994 wird das Amt für Landwirtschaft und Ernährung in Lauingen mit dem Tierzuchtamt Wertingen zusammengeführt. 1996 erfolgte die räumliche Vereinigung in Wertingen. 2005 werden bayernweit alle Landwirtschaftsämter mit den Forstämtern zusammengeführt. Diese Reform betrifft auch das Forstamt Dillingen, denn es wird mit dem Landwirtschaftsamt Wertingen zum Amt für Landwirtschaft und Forsten Wertingen vereint. 2006 ziehen die Förster von Dillingen in die Zusamstadt um. 2008 trifft es Nördlingen. Die Stadt hatte bis dahin eine eigene Landwirtschaftsschule. 2008 startet in Nördlingen das letzte Semester. Ab 2009 besuchen die Studierenden aus dem Raum Donau-Ries die Landwirtschaftsschule in Wertingen. Dies war die erste Vergrößerung. Mit der anstehenden Umstrukturierung kommt die nächste. Künftig werden auch Schüler aus den Landkreisen Augsburg sowie Aichach-Friedberg in Wertingen unterrichtet, da die Landwirtschaftsschule in Stadtbergen schließt.

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