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Landkreis Dillingen

17.02.2020

Wie gut ist unser Wasser aus der Leitung?

„Wasser ist eine Geschmacksfrage.“„Das Wasser muss uns etwas wert sein“, sagt der Dillinger Stadtwerkeleiter Wolfgang Behringer.
Bild: DPA

Plus In zwei Orten müssen Bürger derzeit das Wasser abkochen. Buttenwiesen kennt das Problem und investiert – Preissteigerung inbegriffen. Wer noch betroffen ist?

Wasser abkochen, das Chlor schon beim Aufdrehen des Wasserhahns riechen. Damit sind derzeit unter anderem die Bürger in Donauwörth und Gersthofen konfrontiert. Und das kennen auch Buttenwiesens Einwohner nur allzu gut. Doch damit soll in Zukunft Schluss sein. Ein neuer Hochbehälter in Oberthürheim soll endgültig Abhilfe schaffen. Sein Preis – fast vier Millionen Euro – scheint immens hoch, seine Qualität ebenfalls. Und der Wasserpreis für die Bürger muss unausweichlich nachziehen. Zwei Euro werden 1000 Liter Wasser ab Januar 2021 in Buttenwiesen kosten. Bisher zahlen Bürger im unteren Zusamtal 1,54 Euro für diese Menge.

Doch Bürgermeister Hans Kaltner bittet um Verständnis. Zwei Euro, die Erhöhung um rund ein Drittel, klinge erst einmal nach viel. Der Rathauschef weist aber darauf hin, was die Menschen für zwei Euro bekommen: „Wir reden von 1000 Litern Trinkwasser.“ Rechne man das um auf gewöhnliche gekaufte Wasserflaschen mit einem Inhalt von 0,7 Litern, komme man auf mehr als 1400 Flaschen. „Und wir haben Wasser, das besser kontrolliert ist als jedes gekaufte Wasser“, sagt Kaltner. Gleichzeitig vermutet er allerdings: „Im Leitungswasser stecken nicht so viele Mineralien wie im Mineralwasser.“

Hat er damit recht? Ein erster Blick geht auf die Homepage der Stiftung Warentest. Dort heißt es unter anderem: „Mehr Mineralstoffe in manchem Trinkwasser als in natürlichem Mineralwasser.“ Wer stilles Mineralwasser kaufe, wolle etwas Besseres als Leitungswasser. „Aber längst nicht jedes Flaschenwasser erfüllt diese Erwartungen.“ Das stellt die Stiftung Warentest 2019 beim Test von 32 stillen Mineralwässern fest. Stille Wässer, heißt es dort, seien anfällig für Keime. „In jedem zweiten Wasser fanden sich unerwünschte Keime, mehr oder weniger erhöhte Gehalte an kritischen Stoffen, Verunreinigungen aus Landwirtschaft und Industrie.“

Um konkrete Angaben zu bekommen, schlägt Bürgermeister Kaltner die aktuellen Untersuchungswerte des Buttenwiesener Wassers auf. 164 Werte stehen auf der Auswertung. Darunter auch Kalzium und Magnesium. Mit 59,9 und 19,0 Milligramm pro Liter weist Buttenwiesens Trinkwasser Werte auf, die sich manchen Mineralwässern durchaus annähern.

Das Amt für Landwirtschaft in Wertingen

Gut genug für ein gesundes Wasser? Cornelia Stadlmayr, Schulleiterin der Hauswirtschaftsschule am Wertinger Amt für Landwirtschaft, bringt es auf den Punkt: „Wasser ist eine Geschmacksfrage.“ Bei der Auswahl komme es ganz darauf an, unter welchem Aspekt man das Wasser sehe: „Von den Kosten ist Leitungswasser unschlagbar“, beginnt Stadlmayr aufzuzählen. „Praktisch ist es ebenfalls, und geschmacklich auch nicht verkehrt.“ Einfluss nehme ihren Erfahrungen nach auch der Wohnort. Und das bezieht sich nicht nur auf Brunnen und Hochbehälter, aus dem das Trinkwasser kommt, sondern auch auf die Leitungen vor Ort. Beim Umzug in das Haus in Tapfheim stieg Stadlmayr persönlich ganz schnell auf gekauftes Wasser um. Die Rohre in ihrem Haus waren neu, das Wasser schmeckte nicht. Heute trinkt sie wieder mit Vorliebe auch zu Hause Leitungswasser. „Es ist eines der am besten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland.“

Und die Mineralien? „Der Mineraliengehalt im Wasser spielt in der Regel eine untergeordnete Rolle, das meiste bekommen wir durch unsere Ernährung“, sagt Stadlmayr. Am Ende des Gesprächs räumt die Ernährungsexpertin noch mit dem gängigen Gerücht auf, dass Leitungswasser aus Abwasser gewonnen werde: „64 Prozent kommen aus natürlichen Quellen wie Grundwasser, 27 Prozent aus Oberflächenwasser wie Flüssen und Seen, neun Prozent sind reines Quellwasser.“

3000 Menschen in Dillingen und Lauingen

Auf die Qualität des Trinkwassers in der Landkreismitte schwört der Werkleiter der Donau-Stadtwerke Dillingen-Lauingen (DSDL), Wolfgang Behringer. Das Dillinger Wasser kommt aus Tiefbrunnen im Auwald, das Lauinger Wasser aus Flachbrunnen im Vogelhölzle Richtung Frauenriedhausen. Die DSDL versorgen laut Behringer etwa 30000 Menschen in Dillingen und Lauingen, der Wasserpreis für den Kubikmeter liegt aktuell bei 1,98 Euro. Für den Werkleiter ist klar: „Das Wasser muss uns etwas wert sein.“ Es sei ein ständig überwachtes Lebensmittel, und für zwei Euro bekomme man 1000 Liter Wasser frei Haus geliefert.

Behringer hat natürlich mitbekommen, dass Bürger in Donauwörth und Gersthofen Wasser zuletzt abkochen mussten. „Davon sind wir in Dillingen und Lauingen in den vergangenen Jahren verschont geblieben“, sagt der Werkleiter erleichtert. Allerdings sei dies kein Zufall, denn die Stadtwerke hätten in der Vergangenheit konsequent in ihr Netz investiert und marode Wasserleitungen ausgetauscht. Behringer erinnert an die Großbaustelle im vergangenen Jahr am Taxispark, als Autofahrer Verkehrsbehinderungen in Kauf nehmen mussten. Die Investitionen hätten sich aber rentiert. „Weil wir viel tun, wird unser Leitungsnetz sicherer gegen Verkeimungen“, betont der DSDL-Chef.

Muss das Wasser sogar gechlort werden?

Einige Teile des Landkreises beziehen ihr Trinkwasser von der Rieswasserversorgung. Insgesamt 120000 Kunden in den beiden Landkreisen Dillingen, Donau-Ries und Weißenburg-Gunzenhausen versorgt der Zweckverband aus Nördlingen. Laut Werkleiter Bernd Hauber beträgt der Trinkwasserpreis pro Kubikmeter 1,50 Euro. Dass Kunden ihr Wasser jemals abkochen mussten oder es gechlort wurde, darüber ist Hauber nichts bekannt. „Wir haben die Trinkwasserversorgung immer eingehalten.“ Über ein Rohrüberwachungssystem werden Rohrbrüche dokumentiert und analysiert. Außerdem werde in Fällen eines Rohrbruchs nach weiteren Stellen gesucht, wo so etwas passieren könnte. Die Leitungen würden regelmäßig ersetzt und erneuert. Jährlich frage das Unternehmen außerdem die Kommunen in seinem Bereich nach Baustellen ab. „Wird ein Kanal saniert oder stehen andere Straßenbauarbeiten an, können wir in dem Zug vielleicht auch gleich eine Leitung legen oder erneuern. Das spart Kosten und Aufwand“, sagt der Werkleiter. Zudem gebe es seit mehr als 30 Jahren eine Zusammenarbeit mit den Landwirten zur Senkung des Nitratwerts im Wasser. Hauber erklärt: „Seitdem sinkt der Wert stetig auf aktuell zwölf Milligramm pro Liter.“

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