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Dillingen

19.03.2020

Zwei neue Coronafälle im Landkreis: Arztpraxis muss schließen

Zwei Patienten der Gemeinschaftspraxis Buttenwiesen wurden positiv auf das Corona-Virus getestet. Deshalb wurden auch das gesamte medizinische Personal, die Verwaltung und die Reinigungskräfte untersucht. Die Praxis bleibt zunächst geschlossen, Sorgen machen müssten sich andere Patienten aber nicht.
Bild: Andrea Baumann

Patienten haben sich in Risikogebiet infiziert – Gemeinschaftspraxis in Buttenwiesen bleibt voraussichtlich bis zum Wochenende zu. Die Polizei kontrolliert angeordnete Geschäftsschließungen. Eine Friseurin schließt freiwillig ihren Salon.

In der Übersichtskarte des Gesundheits-Landesamtes zu Coronavirusinfektionen in Bayern war der Landkreis Dillingen am Donnerstag immer noch ein weißer Flecken. Dabei steht seit Mittwoch fest, dass die Pandemie auch die Region erreicht hat. Das Dillinger Landratsamt informierte über den ersten bestätigten Corona-Fall im Landkreis. Am Donnerstag meldete das Gesundheitsamt dann zwei neue Fälle im Raum Wertingen. Die Ansteckung erfolgte möglicherweise in einem jetzt ausgewiesenen Risikogebiet. Bei den betroffenen Personen handelt es sich um Patienten der Gemeinschaftspraxis Buttenwiesen, die nun vorerst geschlossen bleiben muss.

Die Dillinger Polizei kontrolliert Geschäfte und Bars

Die Verantwortlichen der Praxis hatten sich laut Mitteilung mit Beginn der Krise optimal vorbereitet und die hygienisch notwendigen Maßnahmen umgesetzt, um die Patienten und das Personal nicht zu gefährden. Dennoch werde aufgrund der beiden bestätigten Fälle zunächst vorsorglich das gesamte medizinische Personal, die Verwaltungsmitarbeiterinnen und die Reinigungskräfte als Kontaktpersonen erfasst und mit einem Abstrich getestet. Mit einem Ergebnis sei am Wochenende zu rechnen. Bis dahin muss die Praxis für Sprechstunden geschlossen bleiben. Ein ärztlicher Bereitschaftsdienst bietet aber unter Telefon 08274/1366 Sprechstunden an, um eine gute Betreuung, insbesondere für die chronisch Kranken, zu garantieren. Patienten, die während der vergangenen zwei Wochen die Praxis aufgesucht haben, müssen sich keine Sorgen machen, sich angesteckt zu haben, teilt das Landratsamt mit. Wer keinen direkten Kontakt zu den erkrankten Personen hatte, sei nicht gefährdet. Das Gesundheitsamt ermittle nun die engen Kontaktpersonen der Erkrankten und veranlasse die gebotenen Maßnahmen.

Beamte der Polizeiinspektion Dillingen überprüfen derweil, ob die angeordneten Schließungen von Bars und Geschäften im Landkreis eingehalten werden. „Wir kontrollieren ziemlich streng und engmaschig alles, was laut Allgemeinverfügung nicht erlaubt ist“, erläutert der kommissarische Inspektionsleiter Benjamin Dannemann. Auch im Landkreis habe man damit alle Hände voll zu tun. Denn nicht alle Einzelhändler, Restaurantbesitzer und andere Laden-Betreiber, die ab jetzt nicht mehr geöffnet haben dürfen, halten sich Dannemanns Worten zufolge an die Allgemeinverfügung. „Überwiegend funktioniert es, aber wir mussten schon handeln“, sagt der Polizeichef. In einem ersten Schritt versuchen die Beamten, die Sache im Gespräch zu lösen. Einige Geschäftsleute und auch Barbesitzer im Landkreis mussten aber am Mittwoch und Donnerstag, wie Dannemann informiert, von der Polizei zur sofortigen Schließung gezwungen werden. Im Zweifelsfall werde Rücksprache mit dem Landratsamt gehalten. Etwa bei Bruno Hempel. Die Polizei forderte den Wertinger auf, sein Geschäft – einen Laden für Handwerksbedarf mit integriertem Schlüsseldienst – zuzusperren. Nun darf er doch wieder aufmachen, denn sein Laden wurde als „systemrelevant“ eingestuft, wie ihm laut eigener Aussage vom Landratsamt mitgeteilt wurde.

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Mit dem Thema Corona werde viel zu locker umgegangen

Von solchen Kontrollen betroffen war auch Elektro Kränzle in Lauingen. Der Fachhandel war am Mittwochvormittag noch geöffnet, erzählt Geschäftsführerin Anni Kränzle. „Wir haben uns selbst als Nahversorgung gesehen. Wenn jemand eine Glühbirne braucht oder ein Gerät kaputt ist, muss doch jemand da sein“, begründet sie. Die Polizei sah das aber wohl anders, Kränzle musste schließen. Jetzt hängt ein Zettel am Eingang, dass der Elektrofachhandel vorübergehend nicht geöffnet ist. Kränzle zeigt Verständnis: „Ich sehe das ein. Man soll ja Kontakte zu Fremden vermeiden.“ Aber die Betreiber haben einen anderen Weg gefunden, um das Geschäft am Laufen zu halten: So wurde ein Schalter eingerichtet, an dem Kunden kaputte Geräte für die Reparatur abgeben können. Außerdem kann telefonisch und per E-Mail bestellt werden, die Mitarbeiter liefern die Waren dann aus. Das alles natürlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand.

Die Fristinger Friseurmeisterin Gisela Schweizer sperrt ihren Salon „Um ein Haar“ jetzt dagegen freiwillig zu. „Wir haben alle eine Verantwortung gegenüber unseren Kunden, unseren Mitarbeitern – und auch gegenüber uns selbst“, sagt Schweizer. Niemand sei in der Lage, mit eineinhalb Metern Abstand einem Kunden die Haare zu schneiden. Friseure seien doch keine Grundversorger. „Es ist noch keiner an langen oder grauen Haaren gestorben“, sagt die 46-Jährige. Und Schweizer ist der Meinung, dass in der Region mit dem Thema Corona noch „viel zu locker“ umgegangen werde. Für sie sei eine Umsatzeinbuße von vier Wochen auch kein Spaß. In dieser Krise sei es aber nicht angebracht, anderen die Haare zu schneiden.

Bei BSH in Dillingen wird weiterproduziert

Bei der BSH Hausgeräte GmbH in Dillingen, mit mehr als 2500 Beschäftigen der größte Arbeitgeber im Landkreis, wird derzeit nach Informationen unserer Zeitung weiterproduziert. Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, arbeiten einige Beschäftigte in den Bereichen, wo es möglich ist, im Home-Office. „Die Auswirkungen auf unser Geschäft hängen stark von den weiteren Entwicklungen ab“, teilt Sprecher David Hofer auf Anfrage mit. Bis auf Weiteres erwarte BSH für die Belieferung von Kunden und Konsumenten außerhalb Chinas mit Fertiggeräten keine Versorgungsengpässe. Hofer erläutert: „Wir verfügen derzeit über ausreichende Lagerbestände, um die Versorgung unserer Kunden und Konsumenten außerhalb Chinas zu gewährleisten.“ Der Konzern unternehme alles, um negative Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette zu vermeiden.

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