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Olympische Winterspiele

10.02.2018

„19 plus x“ ist nicht alles

Marina Sauter aus Bächingen zählt zu den besten deutschen Biathletinnen im Junioren-Alter – und könnte vielleicht selbst einmal bei Olympischen Winterspielen an den Start gehen.
Bild: Harald Deubert

Wie Persönlichkeiten aus unserer Region die deutschen Chancen in Pyeongchang einschätzen und was sie von der Dopingdiskussion, Korruption im Sport oder dem Austragungsort halten

Träumen Sie von einem Olympia-Start? Für MarinaSauter hat diese Frage durchaus einen realistischen Hintergrund: Die 20-jährige Bächingerin zählt zu den besten Nachwuchs-Biathletinnen Deutschlands: „Olympia ist der Traum eines jeden Sportlers, es findet nur alle vier Jahre statt und hat daher den höchsten Stellenwert! Das ist für mich noch ein sehr weiter Weg, da muss alles passen.“ Neben Marina Sauter haben wir weitere Landkreis-Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Sport zu Themen rund um die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang/ Südkorea befragt. Allen ist eines gemein: Ihre Chancen auf einen Olympia-Start sind eher mau. Landrat Leo Schrell, ehemals Fußballer und „Fels in der Abwehrbrandung“ treibt heute „sporadisch Langlauf“. BLSV-Kreisvorsitzender AlfonsStrasser war in seiner Kindheit Schlittenfahren und Schlittschuhlaufen. Später machte er „einige Skiurlaube“, heute treibt er keinen Wintersport mehr. RainerJunghanns ist Ski-Chef des TV Lauingen und in seiner Freizeit gerne „alpin“ unterwegs. Prokurist KlemensWölfel von der Buttenwiesener Firma Roma-Dämmsysteme fuhr früher Ski, aktuell aber nicht mehr. MarcGratzl ( Dillingen) war zehn Jahre lang Nachwuchs-Skispringer – und ist jetzt ein guter Golfer.

Ist Pyeongchang ein geeigneter Ort für Olympische Winterspiele? Würden Sie Olympia im Alpenraum begrüßen?

In Korea wird es interessante Winterspiele geben, die vielleicht auch zu einem besseren Miteinander in diesem geteilten Land beitragen. Olympische Winterspiele im Alpenraum wären, wenn vorhandene Sportstätten eingebunden, Umwelt, Einwohner und Vermarktung in einem sinnvollen Einklang stehen, sicher ein Gewinn, auch für unsere Sportler.

Ich würde mich sehr freuen, bei uns in der Nähe Olympische Winterspiele live erleben zu können. Leider wird es immer schwieriger, derartige Großereignisse zu vergeben. Sport verbindet Menschen und Nationen und kann tatsächlich etwas bewirken, wie etwa die Annäherung zwischen Nord- und Südkorea zeigt. Deswegen ist auch Pyeongchang ein geeigneter Ort für Winterspiele.

Ich präferiere traditionelle Wintersportregionen und sage deshalb ja zu Olympia im Alpenraum! Sauter: Die Sicherheit der Sportler sollte an erster Stelle stehen, sonst finde ich es fragwürdig, Olympische Spiele an einen solchen Ort zu vergeben. Und definitiv: Ja zum Olympia im Alpenraum. Die Begeisterung für Wintersport in der Region ist riesig, sehr gute Sportstätten sind vorhanden und eine wahnsinnige Atmosphäre wäre garantiert. Wölfel: Wenn man die politischen Risiken mit Nordkorea außer Acht lässt, dann ja. Zum Zeitpunkt der Vergabe war die Lage ja noch nicht so brisant wie zuletzt. Olympia im Alpenraum würde ich begrüßen, wenn sich die Eingriffe in die Natur in Grenzen halten. Junghanns: Auf der einen Seite steht die schwierige politische Situation in Korea, auf der anderen Seite der wirtschaftliche Schub durch die Spiele. Schwierig dürfte die nachhaltige Nutzung der Sportstätten sein. Ich hoffe jedenfalls, dass viele begeisterte Zuschauer den Sportlern zujubeln. Ja würde ich zu Olympia in den Alpen sagen, wenn ein vernünftiger Kompromiss zwischen Ausbau der Infrastruktur und Umweltschutz gefunden wird.

Doping. Der Korea-Konflikt. Korruptionsaffären hoher Sportfunktionäre. Lassen Sie sich dadurch die Lust am Spitzensport rauben?

Seit es sportliche Wettkämpfe gibt und geben wird, war, ist und wird Doping ein Thema sein. Und mit der Korruption verhält es sich leider genauso! Die Lust lasse ich mir nicht nehmen, allerdings interessiere ich mich für manche Sportarten überhaupt nicht mehr.

Teilweise ja, Korruptionsaffären und Doping sind abstoßend. Gratzl: Schade, dass der Sport oft aus Profigier missbraucht wird. Dies wird mir aber definitiv nicht meinen Spaß am Spitzensport rauben, da Sport schon immer eine große Rolle in meinem Leben spielt. Sauter: Natürlich gibt es Zweifel, aber Olympia bleibt nun Mal Olympia. Und ich als Sportlerin werde die Wettbewerbe trotzdem mit Spannung verfolgen. Wölfel: Der auferlegte Erfolgszwang verdrängt den sportlichen Gedanken zusehends und wird leider oft nur mit Methoden wie Doping erfüllt. Strasser: Doping- und Korruptionsaffären lassen sportliche Erfolge und Entscheidungen fragwürdig erscheinen und schaden allen Teilnehmern an der Olympiade und dem Sport allgemein. Deshalb gilt es, noch entschiedener dagegen vorzugehen.

Verfolgen Sie die Winterspiele in den Medien?

Ja, das tue ich.

Absolut, egal ob Sommer- oder Winterspiele – Olympia ist für mich immer ein Highlight. Ich freue mich schon jetzt auf spannende und hoffentlich faire Wettkämpfe. Sauter: Auf jeden Fall, wenn es meine Zeit und die Sendezeiten zulassen. Mich interessieren nämlich nicht nur die Biathlon-Wettbewerbe, sondern auch viele andere Entscheidungen wie Ski alpin, Langlauf, Skispringen und weitere. Wölfel: Aufgrund der Zeitverschiebung sind die TV-Liveübertragung für mich ungünstig. Ich informiere mich vorwiegend über das Medium Internet. Junghanns: Natürlich, dies wird während der Dauer der Spiele das Hauptprogramm im Fernseher sein. Problematisch wird nur die Zeitverschiebung an Wochentagen. Da hoffe ich aber auf Zusammenfassungen und Wiederholungen. Am Wochenende ist es weniger ein Problem. Strasser: Ich verfolge die Spiele im Fernsehen und in der Zeitung.

In welchen Sportarten sehen Sie deutsche Aktive in Korea ganz weit vorne? Wer sind ihre deutschen Lieblingssportler?

Biathlon, Skispringen, Nordische Kombination, Rodeln, Bob. Meine Lieblinge kommen aus dem Biathlon und Skispringen. Gratzl: Unsere Aktiven in den nordischen Sportarten werden ganz vorne dabei sein. Auch die Biathleten um Laura Dahlmeier und Simon Schempp. Besonders gespannt bin ich auf Abfahrer Thomas Dreßen nach seinem sensationellen Kitzbühel-Erfolg. Meiner ehemaligigen Teamkollegin Carina Vogt drücke ich die Daumen bei ihrer Titelverteidigung. Richard Freitag wünsche ich nach seinem Tournee-Pech erfolgreiche Spiele. Wölfel: Die „Adler“ sehe ich weit vorne und die Rennrodler. Zu meinen Lieblingssportlern zählen Richard Freitag und Andreas Wellinger.

Skispringen, Biathlon, Abfahrt Herren, Riesenslalom Damen, Nordische Kombination. Und natürlich dürfen wir die Bobfahrer und Rodler nicht vergessen. Mit Felix Neureuther muss einer meiner Lieblingssportler leider verletzt zuschauen. Ansonsten ziehe ich vor allen Olympioniken den Hut. Sauter: Beim Rennrodeln und Bobfahren sind deutsche Sportler traditionell sehr erfolgreich, aber auch die Biathleten, Nordischen Kombinierer und Skispringer heiße Medaillenkandidaten. Es gibt viele Athleten, die ich sympathisch finde, Laura Dahlmeier und Viktoria Rebensburg gehören dazu. Strasser: Im Biathlon, Rennrodeln, Bob, Skispringen und nordische Kombination können Deutsche ganz vorne mitreden. Eine Garantie für sportlichen Erfolg gibt es aber nicht. Zu viele Faktoren entscheiden über Erfolg oder „Niederlage“.

2014 in Sotchi waren 19 Medaillen die schlechteste Ausbeute einer deutschen Winter-Olympiamannschaft nach der Wende. Wird es diesmal besser?

Ja, denn wir haben eine gute Mannschaft. Gratzl: Wir haben in sehr vielen Sportarten junge, aufstrebende Athleten, die in die Fußstapfen ihrer Idole treten – ein Zeichen für einen positiven Wandel im deutschen Team und erfolgreichere Spiele. Sauter: Deutschland kann in sehr vielen Disziplinen um die Medaillen mitkämpfen. Die anderen Nationen schlafen allerdings nicht und haben sich genauso optimal vorbereitet. Um eine Medaille zu gewinnen, muss wirklich alles zusammenpassen. Ich bin überzeugt, dass sich die deutschen Athleten gut verkaufen. Wölfel: Davon gehe ich aus. Junghanns: Ich hoffe es. Allerdings sind mir faire Wettkämpfe wichtiger als Medaillen. Daher hoffe ich, dass unsere Sportler „sauber“ sind. Strasser: Betrachtet man die deutschen Erfolge bei den Wettkämpfen im Vorfeld der Olympischen Spiele, könnte die Ausbeute besser werden als vor vier Jahren.

„Sotchi plus x“ – so lautet der Wunsch des Deutschen Olympischen Sportbundes. Also 19 plus x Medaillen. Wie oft Gold, Silber und Bronze gibt es diesmal?

Wenn ein wenig Wettkampfglück dazu kommt: neun Mal Gold, sechs Mal Silber, acht Mal Bronze. Gratzl: Für Deutschland wird es mehr als 25 Medaillen geben – also eine klare Steigerung zu Sotchi. Sauter: Das ist wirklich sehr schwierig zu sagen, die Athleten werden versuchen, ihre Bestleistung in den olympischen Wettbewerben abzurufen. Wir als Sportler geben ungern Prognosen über die Anzahl der Medaillen ab. Oft wird eine Leistung nur an Medaillen gemessen, auch Athleten, die sich unter den besten Zehn platzieren, haben eine tolle Leistung abgerufen. Wölfel: Hier wäre die sprichwörtliche Glaskugel hilfreich. Siebenmal Gold, neunmal Silber und sechsmal Bronze und Platz vier des Medaillenspiegels. Ich hoffe, dass die Spiele nach dem olympischen Gedanken verlaufen und wünsche den deutschen Sportlern viel Erfolg. Junghanns: Achtmal Gold, siebenmal Silber, achtmal Bronze – 23. Strasser: Acht Goldene, neun Silberne und sieben Bronzene sind möglich. Viel wichtiger ist aber die Völkerverständigung bei diesem Treffen der „Jugend der Welt“. Dies gilt auch für die Winter-Paralympics.

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