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Unvergessene Spiele

17.06.2020

Jahrhundertspiel des BC Schretzheim: Nach Spielabbruch folgt das Elfmeter-Drama

Das war’s: Stefan Wiedemann vom BC Schretzheim scheitert mit diesem Elfmeter an Berg im Gaus Torwart Helmut Seel. Damit war der Abstieg perfekt. 1500 Zuschauer verfolgten die dramatische Partie in Oberndorf.
Bild: Walter Brugger

Plus Blitz und Donner retten den BC Schretzheim 2003 gegen Berg im Gau für einen Tag vor dem Bezirksliga-Abstieg. Doch im Wiederholungsspiel kommt das bittere Aus trotz 3:1-Führung.

Normalerweise bleiben Begegnungen, die einen positiven Ausgang nehmen und dann auch noch zu einer Meisterschaft oder zu einem Aufstieg führen, bei den Verantwortlichen eines Vereins besonders im Gedächtnis. Das sind Spiele, die man nicht vergisst. Dies ist auch beim BC Schretzheim nicht anders. Wäre da nicht das Wochenende am 14. und 15. Juni 2003 gewesen. Was sich da beim zweimaligen Relegationsaufeinandertreffen um den letzten freien Platz in der Bezirksliga Nord gegen den BSV Berg im Gau ereignete, ist an Einfluss durch höhere Gewalt und sportlicher Dramaturgie einfach nicht zu überbieten.

Schretzheimer Drama in der Relegation 2003

Am Ende hatte der BC Schretzheim den Fußball-Gott nicht auf seiner Seite und verlor das zweite, entscheidende Match binnen 24 Stunden vor 1500 Zuschauern in Oberndorf gegen den Vizemeister der Kreisliga Ost mit 7:8 (3:3) nach Elfmeterschießen und musste in den sauren Apfel des Abstiegs beißen.

Bild: Walter Brugger

Die Enttäuschung bei den Schretzheimern nach dem unglaublichen Krimi war natürlich riesengroß. Zumal in den letzten fünf Minuten trotz Überzahl – der Berg im Gauer Manfred Knöferl sah nach 62 Minuten die Rote Karte – eine sichere 3:1-Führung verspielt wurde. Quasi mit dem Schlusspfiff erzielte der BSV durch einen fragwürdigen Elfmeter den 3:3-Ausgleich, sodass die Partie in die Verlängerung ging. Zu allem Überfluss hatten die Kleeblättler 30 Sekunden vor der Verlängerung und dem Elfmeter zum Ausgleich ihren Torjäger Armin Bäurle ausgewechselt. „Da wollte unser Trainer an der Uhr drehen und hat sich leider verzockt“, erinnert sich der langjährige BCS-Vorsitzende Heribert Immler. Sein Nachfolger und damalige Spieler Alexander Jall ergänzt: „Der Armin hätte in der Verlängerung sicherlich noch getroffen.“ So aber blieb es bei den insgesamt sechs Treffern, sodass ein Elfmeterschießen die Entscheidung bringen musste. Die ersten neun Schützen trafen allesamt. Als Letzter lief Schretzheims Stefan Wiedemann an. Als der an BSV-Torhüter Helmut Seel scheiterte, war der dritte und bisher letzte Bezirksliga-Abstieg in der Vereinsgeschichte perfekt.

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Zunächst ein Geschenk des Himmels für den BC Schretzheim

Während der Jubel bei Berg im Gau keine Grenzen kannte, mussten die Schretzheimer diese bittere Pille erst einmal verdauen. Dabei hatten sie einen Tag zuvor an gleicher Stelle noch ein Geschenk des Himmels bekommen, wie Alexander Jall und sein damaliger Teamkollege Christian Seiler auch heute noch eingestehen: Da lag ihr Team nach 17 Minuten nämlich bereits mit 0:3 im Rückstand, als plötzlich ein Gewitter aufzog und Schiedsrichter Armin Spenninger aus Wemding die Partie nach 26 Minuten abbrach. Mehr als eine halbe Stunde wurde gewartet, ob sich Regen, Blitz und Donner verziehen würden. Dies war nicht der Fall und geschah erst dann, als die BCS-Spieler geduscht aus der Kabine kamen. Da war bereits eine knappe Stunde vergangen. Die Fans aus Berg im Gau konnten es nicht fassen und glaubten, dass ihr Team betrogen wurde. 24 Stunden später war die Wut nach dem Elfmeterschießen im Wiederholungsspiel jedoch schnell verflogen.

Für die Relegation hatten die Schretzheimer Verantwortlichen vor 17 Jahren noch schnell einen Trainerwechsel vorgenommen. Rainer Junghanns, der das Team in der Saison 2000/2001 als Meister der Kreisliga Nord in die Bezirksliga führte und dort im ersten Jahr auch dank seines Angriffsduos Dirk Friese/Armin Bäurle (41 Tore) die Klasse halten konnte, wurde als Interimscoach zurückgeholt. Er löste seinen Nachfolger Ralf Wirth ab, der nach dem unnötig verlorenen letzten Saisonspiel beim BC Adelzhausen (0:1) seinen Hut nehmen musste. Der Trainerwechsel wirkte sich zunächst positiv aus: Schretzheim gewann das erste Spiel in der Relegationsrunde gegen den Vizemeister der Kreisliga West, den SC Ichenhausen, in Gundremmingen mit 2:1, ehe drei beziehungsweise vier Tage später auch Rainer Junghanns den Abstieg in den unglaublichen Duellen gegen Berg im Gau nicht verhindern konnte.

Bild: Walter Brugger

Helmut Rehm führte Schretzheim zum ersten Mal in die Bezirksliga

Augenzeuge dieser Spiele in Oberndorf war auch ein Mann, der beim BC Schretzheim Geschichte geschrieben hat: Als Spielertrainer führte Helmut Rehm im Sommer 1972 den Klub zum ersten Mal in die Bezirksliga. Wie erfolgreich die damalige Mannschaft auftrumpfte, wissen Vorsitzender Alexander Jall, Christian Seiler und der jetzige Sportliche Leiter Peter Aust eigentlich nur vom Hörensagen. „Der Helmut ist mit unserer damaligen Mannschaft nicht nur aufgestiegen, sondern konnte die damals höchste Amateurklasse in Schwaben auch einige Jahre halten“, loben ihn Ex-Vorsitzender Heribert Immler und der langjährige Schriftführer und Archivar Hans Burkhart noch heute. Und wenn die Schretzheimer Nachfolge-Generation um Alexander Jall, Christian Seiler und Peter Aust auf die Zusammensetzung der Mannschaften in der damaligen Bezirksliga blickt, dann bekommt sie leuchtende Augen. Neben dem TSV Burgheim und dem SV Klingsmoos war der BCS der einzige Dorfverein in der Spielklasse. Die Gegner von Helmut Rehms Truppe hießen damals unter anderem TSV Nördlingen, TSV Gersthofen, TSG Thannhausen, VSC Donauwörth, TSV Kriegshaber, TSV Göggingen oder TSV Wertingen.

Rehm war nicht nur als Trainer erfolgreich

Nicht nur als Trainer war Helmut Rehm erfolgreich, er erzielte in den 1960er-Jahren pro Saison zwischen 30 und 40 Tore und sorgte indirekt mit dafür, dass sich der Verein zur damaligen Zeit am alten Sportgelände „Am Weiherberg“ auch ein Sportheim mit Duschen leisten konnte, wie Heribert Immler zu berichten weiß. Als Rehm in der Blütezeit seiner Karriere zum TSV Schwaben Augsburg als Vertragsspieler wechselte, sind nämlich 8000 Mark als Ablösesumme auf das Konto seines Heimatvereins geflossen. Bevor Rehm 1972 nach seiner Augsburger Stippvisite, wo er unter anderem mit Größen wie Kurt Hasenender und Georg Lechner zusammenspielte, zum BCS zurückkehrte, trug er auch das Trikot des FC Gundelfingen (damals Bezirksliga) und des FC Lauingen, der in der Landesliga kickte. Und als A-Jugendlicher spielte er in der Bayernauswahl an der Seite von Gerd Müller vom TSV Nördlingen, dem späteren Bomber der Nation.

Warum die ganze Story um Helmut Rehm und den ersten Schretzheimer Bezirksliga-Aufstieg 1972? Weil diese einen Ausgang mit Happy End bewirkte. Ganz im Gegensatz zum Spielabbruch und Elfmeter-Drama in Oberndorf 31 Jahre später …

So haben sie gespielt

BC Schretzheim: Duderstadt – Lang– Seiler, Wiedemann – Di Benedetto (51. S. Aust), Keller, Jall, P. Aust (73. Sporer), Joas – Bäurle (90. Kufeldt), Friese

BSV Berg im Gau: H. Seel – Knöferl – Finkenzeller, Steininger (80. Kienast) – Sutner, Halbich, Schlingmann (70. Gävert), J. Kuttenreich, H. Kuttenreich – Nabe, R. Mayr (117. S. Mayr)

Schiedsrichter: Färber (Bärenkeller)

Tore: 1:0 Friese (4.), 1:1 R. Mayr (30.), 2:1 P. Aust (54.), 3:1 Friese (71.), 3:2 R. Mayr (85.), 3:3 J. Kuttenreich (90./Foulelfmeter). – Elfmeterschießen: 3:4 J. Kuttenreich, 4:4 Sporer, 4:5 Sutner, 5:5 Kufeldt, 5:6 Nabe, 6:6 Jall, 6:7 H. Kuttenreich, 7:7 Keller, 7:8 Halbich, TW H. Seel hält gegen Wiedemann – Rote Karte: – / Knöferl (62./Berg im Gau) – Zuschauer: 1500 (in Oberndorf)

Serie: „Spiele, die man nicht vergisst“ (16). Das Coronavirus hat den Fußballsport in den Amateurklassen lahmgelegt. Was vorerst bleibt für die Fans sind Erinnerungen an unvergessliche Begegnungen. Nicht nur auf internationaler und nationaler Ebene, sondern auch im lokalen Raum. In dieser Serie blicken wir auf herausragende Partien von regionalen Teams, heute des BC Schretzheim, zurück. (dz)

Lesen Sie hier andere Berichte aus dieser Reihe:

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