Newsticker
RKI-Chef Wieler: "Wird noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten"
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Lokalsport
  4. Keine Kugel rollt mehr im Landkreis Dillingen

Sportkegeln

14.02.2021

Keine Kugel rollt mehr im Landkreis Dillingen

Ein entspanntes Leben haben aktuell die Kegel – früher aus Holz, heute aus Kunststoff gefertigt – dank Corona: Weil der Spielbetrieb für diese Saison abgesagt ist, rollt erst im September wieder die Wettkampf-Kugel auf sie zu.
2 Bilder
Ein entspanntes Leben haben aktuell die Kegel – früher aus Holz, heute aus Kunststoff gefertigt – dank Corona: Weil der Spielbetrieb für diese Saison abgesagt ist, rollt erst im September wieder die Wettkampf-Kugel auf sie zu.
Bild: Aumiller

Plus Corona: Die Saison der Sportkegler im Landkreis Dillingen ist ohne Wertung abgebrochen. Der BC Schretzheim hadert mit den unvollendeten Spielzeiten, aber es herrscht trotzdem Zuversicht

Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie haben der Deutsche Kegler-Bund Classic (DKBC) und der Bayerische Sportkegler-Verband (BSKV) einschließlich seiner Untergliederungen bereits Mitte Januar die Saison 2020/21 ohne Wertung abgebrochen. Dies bedeutet, dass der Spielbetrieb erst zur Saison 2021/22 neu gestartet wird – im September. Als Grundlage für die dann beginnende Spielzeit wird die Ligen-Einteilung der abgebrochenen Saison hergenommen.

Viele Kegler vermissen ihren Sport

Die Kugeln rollen also vorerst nicht mehr. Dies betrifft auch den Kreis III der Kegler mit den Landkreis-Vereinen BC Schretzheim, SKK Mörslingen, BSG Bauch, SKC Bächingen, TV Dillingen, SSV Höchstädt, SV Holzheim und TV Lauingen. Mörslingens Vorsitzende Birgit Erdmann macht trotz der schwierigen und ungewohnten Situation einen entspannten Eindruck: „Ich bin mit den Mitgliedern in Kontakt und auch mit den einzelnen Spielern. Keiner hat sich bisher abgemeldet, alle freuen sich schon auf die neue Saison. Und was mich besonders freut: Viele vermissen den Kegelsport. Es herrscht trotz der Lage eine gute Stimmung im Verein, was mich als Vorsitzende zuversichtlich stimmt.“

Ein wenig anders sieht es der Abteilungsleiter der Schretzheimer Kegler, Thomas Zaschka: „Nach dem Abbruch der aktuellen Saison und wegen der herrschenden Kontaktbeschränkungen ist es schwieriger als gedacht, eine Stimmungslage im Verein auszumachen. Kontakt hat man nur noch online, und auch nicht zu jedem Vereinsmitglied. Dadurch fehlt ein großer Teil des Vereinslebens.“ In dieser kegelfreien Zeit suche man einen sportlichen Ausgleich. Aufgrund der Pandemie sei man daher viel an der frischen Luft.

„Aktuell gehe ich davon aus, dass zur nächsten Saison schon der eine oder andere Kegler nicht mehr antritt. Wobei es sich auf diejenigen beschränken wird, die schon länger über ein Aufhören nachgedacht haben“, sagt Zaschka. Bei einem Ausfall einer zweiten Saison würden dann sicher viele mit dem Kegeln aufhören, „das wäre ein großer Schritt Richtung Ende unserer Sportart“. Wie, wann und ob er und seine Vereinskameraden wieder ihrer Leidenschaft nachgehen können, steht beim Indoor-Sport Kegeln in den Sternen. Zaschka: „Vor Anfang des Sommers denke ich nicht, dass selbst ein Training möglich sein wird.“

Es fehlt der persönliche Kontakt

Ebenfalls nicht glücklich über die Situation ist Helmut Frank, Pressewart des BC Schretzheim und Ehrenpreisträger des Kegelkreises im Jahr 2018: „Ein großes Problem ist, dass die persönlichen Kontakte fehlen. Wenn sich dies auf absehbare Zeit nicht ändert, fürchte ich, dass das Vereinsleben im Amateurbereich großen Schaden nimmt. Die Vereinsmitglieder wollen für ihren Beitrag Sport treiben oder anderweitig eine Gegenleistung dafür haben. Wenn dies nicht mehr der Fall ist, werden viele austreten.“ Dies würde auf Dauer sowohl im sportlichen sowie finanziellen Bereich die Vereine vor große Belastungen stellen. Beim Kegeln seinen zum Teil Abteilungen mit sehr wenigen Mitgliedern vertreten. Zudem fehle ohnehin der Nachwuchs und die Alterspyramide ist sehr ausgeprägt in Richtung Senioren. „Wenn nun über einen längeren Zeitraum weiterhin kein Vereinsleben mehr stattfinden kann, bedeutet dies faktisch das Aus. Viele werden auf andere Freizeitaktivitäten ausweichen“, so Helmut Frank.

Der BCS-Pressewart weist darauf hin, dass sein Verein im sportlichen Bereich bis jetzt schon große Nachteile wegen Corona hat hinnehmen müssen. In der vorletzten Saison wurde im März 2020 zwei Spieltage vor Saisonschluss die Runde beendet und mit den bis dahin erzielten Ergebnissen gewertet. Für Schretzheim hatte dies bei drei Mannschaften negative Auswirkungen. Die BCS-Frauen I hatten in der Zweiten Bundesliga noch die Möglichkeit zur Meisterschaft und Erstliga-Aufstieg. Selbst wenn sie „nur“ Zweite geworden wären, hätten sie an den Aufstiegsspielen zur Ersten Liga teilnehmen können. Nach dem Beschluss der Deutschen Kegelbundes konnten durch den vorzeitigen Abbruch der Saison 2019/20 die zu diesem Zeitpunkt Tabellenersten in die Zweite Bundesliga direkt aufsteigen. Dies wäre die DJK Ingolstadt gewesen. Doch die Ingolstädter lösten nach der Saison ihren Verein auf. „Schretzheim durfte jedoch nicht aufsteigen“, bedauert der langjährige BCS-Funktionär.

Schretzheims Titelchance ist weg

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der zweiten Damenmannschaft in der Bezirksoberliga. „Sie hätte ebenfalls noch den Titel erringen können und blieb aus Tabellenzweiter leider chancenlos“, stellt Helmut Frank fest und kann noch einen draufsetzen: „Die Herren II hätten in der Bezirksliga Süd noch dem Abstieg entrinnen können. Durch die fehlenden zwei Spiele war dies nicht mehr möglich.“

Frank verweist weiter auf die nun abgebrochene Saison 2020/21. Diese war im Oktober nach vier Spieltagen zunächst unterbrochen und im Januar 2021 ganz gestrichen worden. Die Frauen I hatten in der Zweiten Bundesliga Süd alle vier Spiele gewonnen und als Tabellenführer schon drei Punkten Vorsprung. „Wir waren auf gutem Weg in die Erste Bundesliga und wurden leider erneut ausgebremst“, bedauert der BCS-Funktionär. Er sorgt sich nicht nur um die Motivation der Aktiven, sondern auch um die Zuschauer, wenn sich die Corona-Lage nicht entschärft: „Wenn so lange keine Wettkämpfe mehr stattfinden, wird später der eine oder andere sicher ausbleiben.“

Spielleiter Kerle aus Holzheim sieht Notwendigkeit ein

Der Spielleiter des Kegel-Kreises III, Patrick Kerle aus Holzheim, sieht die Notwendigkeit der langen Pause ein, ist sich aber sicher, dass die Pandemie beim Kegelsport einige Spuren hinterlassen wird. Er blickt dabei vor allen Dingen auf jene Spieler, die bisher schon körperliche Probleme hatten oder angeschlagen waren: „Wenn diese jetzt feststellen, dass es ihnen ohne körperliche Belastung besser geht, werden sie wohl nicht weitermachen.“

Kerle geht davon aus, dass es einige Mannschaften weniger geben wird. Er hegt jedoch auch die Hoffnung, dass sich vielleicht einige Neulinge zum Sportkegeln entschließen, um sich körperlich zu betätigen und sportlich zu messen. Auch die Geselligkeit abseits der Bahnen sei vielleicht eine Antriebsfeder. „Ich hoffe, dass es bald wieder losgeht und freue mich schon auf viele altbekannte und auch neue Gesichter. Ich bin mit dem Kegeln aufgewachsen, die Bahnen sind mein Zuhause“, stellt der Spielleiter fest.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren