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Kommunales

06.12.2019

Aufrüttelnder Vortrag im Kreistag

Sina Trinkwalder ist im Ries aufgewachsen. Vor zehn Jahren hat sie das Sozialunternehmen Manomama in Augsburg gegründet, das rund 140 Mitarbeiter beschäftigt, die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance hätten. Gestern referierte sie auch über das Thema Nachhaltigkeit im Donau-Rieser Kreistag.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Sozialunternehmerin Sina Trinkwalder, die aus dem Ries stammt, referiert über ihre Firma und die Frage, was nachhaltig ist. Was die Kreisräte danach konkret entscheiden

Sachlich, nüchtern und selten emotional – so könnte man die Sitzungen des Donau-Rieser Kreistags normalerweise beschreiben. Gestern jedoch waren andere, ungewohnte Töne im Landratsamt in Donauwörth zu hören. Nicht von einem Mitglied des Gremiums oder von Vertretern der Verwaltung – sondern von einem Gast: Sina Trinkwalder.

Die 41-Jährige ist im Fremdinger Ortsteil Raustetten und in Ebermergen aufgewachsen, sie hat im Almarin in Mönchsdeggingen schwimmen gelernt. Zehn Jahre ist es her, seit Trinkwalder ihre Digitalagentur an den Nagel gehängt hat. Sie habe der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen, sagte sie – und deshalb das Unternehmen Manomama gegründet. Das wiederum beschäftigt circa 140 Menschen, die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance hätten: „20 Prozent können nicht schreiben und lesen.“ So wie rein statistisch betrachtet auch drei Menschen im Sitzungssaal, fügte die 41-Jährige an.

Manomama fertigt monatlich rund 220000 Taschen und circa 5000 Kleidungsstücke. Ab nächstem Jahr wolle man nur noch verarbeiten, was schon da ist, kündigte Trinkwalder an: „Ob es das Salbeigrün von 1984 oder von 2020 ist, ist doch scheißegal.“ Schließlich wiederhole sich in der Mode alles. „Wir nutzen brachliegende Ressourcen.“ Trinkwalder war von Landrat Stefan Rößle eingeladen worden, weil es in dieser Sitzung des Kreistags auch um das Thema Nachhaltigkeit gehen sollte. Statt „Fridays for Future“ der „Donnerstag für das Donau-Ries“, so Rößle.

Die Unternehmerin ging in ihrem eindringlichen Vortrag immer wieder auf die Frage ein, was denn nun Nachhaltigkeit bedeute – und was eben nicht: Wenn heute die Textilindustrie stoppen würde, dann könnten die Nähereien die Menschen weltweit noch zehn Jahre wie gewohnt weiterversorgen, sagte die 41-Jährige: „So viel ist noch in der Kette drin.“ Es sei wichtig, die Ressourcen richtig zu nutzen – auch die Ressource Mensch. Und: Es gehe nur gemeinsam. „Wir Deutschen haben alles und sind mit nichts zufrieden. Es geht nichts voran, weil wir immer auf uns selber schauen.“ Wenn ihr Sohn sie eines Tages frage „Was habt ihr denn damals gemacht?“, dann freue sie sich, wenn die Kreisräte mit ihr sagen könnten: „Den Anfang.“

Und tatsächlich entschied der Kreistag einstimmig, im Landratsamt eine Stelle für den Bereich Nachhaltigkeit zu schaffen. Der entsprechende Antrag kam von der Fraktion CSU/AL-JB. Der neue Mitarbeiter solle die laufenden Prozesse und Projekte bündeln, erklärte Heike Burkhardt von der Stabsstelle Kreisentwicklung. Man wolle eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie für den Kreis erarbeiten, auf einer Internetseite sollen erfolgreiche Beispiele aus den Kommunen vorgestellt werden. Zudem wolle man Ehrenamtliche und Initiativen unterstützen.

„Jede Generation hat ihre Verantwortung“, meinte Ulrich Lange (CSU/AL-JB). Und der komme jede auch nach, in den vergangenen Jahrzehnten sei viel geschaffen worden. Auf kommunaler Ebene könne man nur etwas bewirken, wenn jemand die Sache in die Hand nehme – daher auch der Antrag seiner Fraktion. Den unterstützte die SPD. Ursula Straka sagte allerdings: Bei der Nachhaltigkeit gehe es nicht nur um Umwelt und Klima, sondern auch um soziales Zusammenleben – und da habe man noch einen „meilenweiten“ Weg vor sich, auch im Kreis: Man solle nicht immer nur von Nachhaltigkeit reden, sondern auch konkret handeln, forderte die Sozialdemokratin.

Helmut Beyschlag (PWG/FDP) sagte, ihm sei von Trinkwalders Vortrag im Kopf geblieben, dass auch die soziale Frage gelöst werden müsse. Jedoch: „Wir alle sind nur bedingt bereit, unsere Egoismen in den Hintergrund zu stellen.“ Vielmehr zeige man auf die anderen, die doch so viel besser machen müssten. „Jeder muss von seiner Bequemlichkeit und seinem Ego abrücken.“ Regina Thum-Ziegler (Frauen/ÖDP/Freie Wähler) hatte ein besonderes Lob für die Christsozialen: „Ich finde es ganz toll, dass die CSU jetzt endlich grün wird.“ Sie wies auf die Geschlechtergerechtigkeit hin: Es könne nicht sein, dass man immer noch für gleichen Lohn für gleiche Arbeit streiten müsse.

Albert Riedelsheimer (Grün-Soziale Fraktion) betrachtete den CSU-Vorschlag als Weihnachtsgeschenk, zu dem man nicht Nein sage. Allerdings hatte er mehrere konkrete Verbesserungsvorschläge: Beispielsweise forderte er eine Resolution des Kreistags, um den Flächenfraß zu stoppen – und wies in diesem Zusammenhang auf die B-25-Brezel bei Nördlingen und den Ausbau der B16 bei Donauwörth hin.

Eine konkrete Maßnahme nannte Landrat Stefan Rößle noch für 2020: Die Sitzungsunterlagen sollen für die 60 Kreisräte nicht mehr ausgedruckt werden, eine digitale Lösung soll her.

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