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DZ-Jahresrückblick

30.12.2020

Heiß umkämpfte Stühle in den Rathäusern - die Kommunalwahl 2020

Werben für den neuen Mann im Rathaus - das ging 2020 nur über Plakate oder online. Die Pandemie machte persönliche Begegnungen nahezu unmöglich.
Bild: Laura Danner

Plus Diese Kommunalwahl 2020 wird niemand vergessen: Sie brachte lang ersehnte Entscheidungen, neue Köpfe und war bereits von der Pandemie geprägt.

Diese Kommunalwahlen wird wohl niemand vergessen. Sie läuteten eine Zäsur, einen scharfen Schnitt ein – und das nicht einmal in erster Linie in politischer Hinsicht: Der Wahlsonntag der ersten Kommunalwahl-Runde war irgendwie der letzte vermeintlich „normale“ Tag bevor die Konsequenzen der Corona-Pandemie Land und Landkreis schier lähmten.

Bereits in den Tagen vor jenem Sonntag am 15. März hatte sich Corona angekündigt – doch lange schien das Virus noch weit weg. Und so gingen viele Aktiven in Parteien und Gruppen davon aus, dass es ein Wahlsonntag werden würde wie eh und je, mit Partys und gemütlichem Beisammensein. Am Samstag schließlich sahen die letzten unter den Zuversichtlichen ein, dass man lieber auf „soziale Distanz“ gehen sollte; damals noch ein Begriff aus der Soziologie-Vorlesung, der den meisten weitgehend fremd war.

Merkwürdige Atmosphäre in den Wahllokalen: Corona stand vor der Tür

Und so war denn auch die Atmosphäre rund um die Wahllokale eine merkwürdige. Eine gewisse Stille lastete auf Städten und Gemeinden, auch was die Rhetorik der Bewerber um die kommunalen Mandate anging. Ein teils heißer bis hitziger Wahlkampf kam schon im Laufe des März fast gänzlich zum Erliegen. Bereits in diesen Tagen wichen einige der Kandidaten gezwungenermaßen ins Internet aus, wie etwa Donauwörths jetziger OB Jürgen Sorré. Er trat via Livestream mit den Bürgern in Kontakt, einige andere Kandidaten stellten ebenfalls flugs auf online um.

In zahlreichen Kommunen wechselten die Rathauschefs – spätestens nach den Stichwahlen am 29. März, die schon im Lockdown-Modus ausschließlich via Briefwahl stattfanden, was zwei Wochen vorher noch nicht der Fall gewesen war.

Nach der Stichwahl im Donauwörther Rathaus: Der Polit-Neuling Jürgen Sorré
Bild: Thomas Hilgendorf

Heiß umkämpft waren die Wahlen besonders in den Städten. In Donauwörth traten mit Jürgen Sorré (parteilos/ SPD), Michael Bosse (FW/PWG), Joachim Fackler ( CSU) und Albert Riedelsheimer (Grüne) gleich vier Kandidaten in den Ring. In der Stichwahl lag Sorré letzten Endes mit 61 Prozent der Stimmen vorne, sodass er die Nachfolge von Armin Neudert (CSU) antrat.

In Rain machte schließlich Karl Rehm (FW/PWG/WVRST) das Rennen in der Stichwahl. Sein Vorsprung gegenüber Kontrahentin Claudia Marb (CSU) betrug 5,5 Prozent. Rehm beerbt damit Gerhard Martin (SPD), der nach 30 Jahren aus dem Amt schied. In Durchgang eins waren Hans Hafner (JB/U) und Daniel König (SPD) ausgeschieden.

In Harburg musste ebenfalls in der Stichwahl entschieden werden, wer Wolfgang Kilian (CSU) beerbt. Schlussendlich holte Christoph Schmidt im Zweikampf mit der Sozialdemokratin Claudia Müller 61,4 Prozent der Wählerstimmen in der Burgstadt. Eine schwere Niederlage hatte im ersten Durchgang Bernd Spielberger von der CSU hinnehmen müssen. Er erreichte nur 12,5 Prozent, der Kandidat der PWG-BG-Freie Wähler, Axel Wiedenmann, landete bei 14,7 Prozent.

Die Überraschung im zweiten Wahlgang ist in Monheim indessen ausgeblieben: Günther Pfefferer (CSU) durfte als Bürgermeister weitermachen. Der seit 2012 amtierende Rathauschef erhielt bei der Stichwahl 63,5 Prozent der Stimmen, für seinen Herausforderer Andreas Pelzer (SPD) stimmten 36,5 Prozent der Wahlberechtigten. Somit wurde Pfefferer seiner Favoritenrolle gerecht. Schon beim ersten Urnengang zwei Wochen vorher war der 60-Jährige mit 46,0 Prozent nicht wirklich weit von der absoluten Mehrheit entfernt gewesen. Im ersten Wahlgang am 15. März waren Zweite Bürgermeisterin Anita Ferber (PWG/FW) mit 18 Prozent sowie Dritter Bürgermeister Lorenz Akermann (Umlandliste MUM, 10,9 Prozent) ausgeschieden.

Vom Landratsamt ins Rathaus: Veit Meggle war vor der Amtsübernahme in Mertingen Vorsitzender des Wirtschaftsförderverbandes Donau-Ries.
Bild: Helmut Bissinger

Martin Drexler hatte es ein wenig leichter in Wemding als die kommunalpolitischen Kollegen andernorts: Drexler trat erneut als überparteilicher Kandidat in Wemding an – und bekam ein Ergebnis, das für Wählervertrauen spricht: 92,4 Prozent standen bei der Wahl zum Bürgermeister für ihn zu Buche. Auch wenn er der einzige Bewerber für den Posten war, zeigte sich Drexler überwältigt von dem Erfolg: „Ich bin tief bewegt und sehr dankbar über den großen Vertrauensbeweis.“ Drexler ist seit zwölf Jahren im Amt. 2008 trat er für die CSU an, 2014 ließ er sich zum überparteilichen Bewerber küren. Damals hatte er 87,6 Prozent geschafft.

Doch nicht nur in den Städten wurde per Brief und „live“ gewählt. Oft zogen auch in den Gemeinden neue Chefs in die Rathäuser ein. Mit Veit Meggle erhielt beispielsweise Mertingen zum 1. Mai einen neuen Bürgermeister. Denkbar knapp war es nebenan in Bäumenheim, wo sich am Schluss Amtsinhaber Martin Paninka mit einem hauchdünnen Vorsprung durchsetzte.

Auch in zahlreichen Rathäusern kleinerer Kommunen zogen neue Gesichter in die Rathäuser und kommunalen Gremien ein. Die Gesamtwahlanalyse kam vielerorts oftmals zu kurz – aber nicht, weil man nicht wollte. Die Corona-Pandemie sorgte just nach der Kommunalwahl im Zuge des Frühjahrs-Lockdowns für einen Stillstand. Die Verwaltungen arbeiteten zwar noch – die kommunalen Parlamente traten erst nach und nach wieder zusammen. Und dabei stand bei einem ausgerufenen Katastrophenfall oftmals anderes auf der Agenda als eine Kommunalwahl, die angesichts der Umstände danach so schnell wohl niemand vergessen wird. (dz)

Hier die Bürgermeister der Gemeinden im DZ-Verbreitungsgebiet:

  • Bäumenheim: Martin Paninka.
  • Buchdorf: Walter Grob.
  • Daiting: Roland Wildfeuer.
  • Donauwörth: Jürgen Sorré.
  • Fünfstetten: Josef Bickelbacher.
  • Genderkingen: Leonhard Schwab.
  • Holzheim: Josef Schmidberger.
  • Harburg: Christoph Schmidt.
  • Huisheim: Harald Müller.
  • Kaisheim: Martin Scharr.
  • Marxheim: Alois Schiegg.
  • Mertingen: Veit Meggle.
  • Monheim: Günther Pfefferer.
  • Münster: Jürgen Raab.
  • Niederschönenfeld: Stefan Roßkopf.
  • Oberndorf: Franz Moll.
  • Otting: Wolfgang Lechner.
  • Rain: Karl Rehm.
  • Rögling: Isidor Aurnhammer.
  • Tagmersheim: Petra Riedelsheimer.
  • Tapfheim: Karl Malz.
  • Wemding: Martin Drexler.
  • Wolferstadt: Philipp Schlapak.

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