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Tapfheim/Höchstädt

25.02.2015

Pfiffe gegen die Flutpolder-Pläne

Riesenplakate: Vor dem zweiten Bürgerdialog zum Thema Flutpolder in Höchstädt machten die Bürger schon vor der Veranstaltung ihrem Ärger Luft.
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Riesenplakate: Vor dem zweiten Bürgerdialog zum Thema Flutpolder in Höchstädt machten die Bürger schon vor der Veranstaltung ihrem Ärger Luft.
Bild: von Neubeck

Hunderte von Bürgern, darunter viele Tapfheimer, machen in Höchstädt ihrem Ärger über die Planungen entlang der Donau Luft.

Von Simone Bronnhuber

Höchstädt/ Tapfheim Margarethe Wenninger hält ihr Plakat weit nach oben. In großen Buchstaben ist darauf zu lesen: „100 Millionen Euro: Nicht vor unserem Haus. Baggert erst die Staustufen aus“. Die Tapfheimerin ist mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einem von drei Bussen am Montagabend nach Höchstädt angereist – um ihrem Ärger Luft zu machen. Um zu zeigen, dass man so nicht mit ihr umgehen kann, wie sie sagt. „Wer Achtung vor unserer Heimat und unserer Natur hat, plant so etwas nicht. Und was ist mit den Tieren? Woher kriegen sie ihr Futter?“, schimpft Wenninger. Sohn Thomas pflichtet ihr bei: „Wir sind mit unseren Häusern direkt vom Polder betroffen. Es gibt noch Alternativen. Warum werden diese nicht geprüft?“.

Eine von vielen Fragen, die direkt an Umweltministerin Ulrike Scharf gestellt wurden. Knapp tausend Bürger kamen in die Höchstädter Nordschwabenhalle, um beim zweiten Bürgerdialog zu den geplanten Flutpoldern – speziell die vorgesehenen in Höchstädt und Schwenningen – teilzunehmen, Fragen zu stellen und vor allem ihre Kritik zu äußern. Schon über eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung waren viele Bürger gekommen, demonstrierten, pusteten in Trillerpfeifen und warteten auf die Ministerin. Einer von ihnen war der Schwenninger Landwirt Elmar Sinning. Er hatte einen Ordner voll mit Unterschriften dabei – über 600, gesammelt in der Gemeinde Schwenningen. Gegen den geplanten Flutpolder. „Wir sind Bauernopfer. Es kann nicht sein, dass drei Millionen Euro für eine simple Studie ausgegeben werden, die gar nicht stimmt. Die Lage ist zwar mehr als ernst, aber man muss fast lachen“, wetterte er. Die ganzen Flächen seien schon überplant, das Einzige was bleibe, sei das Donauried. „Und das nehmen Sie uns jetzt auch noch“, so Sinning. Den ganzen Ordner, der die Aufschrift „Wir reden mit“ hatte, drückte er der Ministerin bei ihrem Eintreffen in die Hand. Ihr gefiel es – zumindest der Slogan. „Genau das ist, was ich auch will. Gemeinsam darüber reden. Deshalb bin ich hier“, so Scharf. Sie versprach, alle Bedenken und Sorgen bei den Planungen zu berücksichtigen. Sie schwor sogar, dass sie sich alle Unterlagen, die ihr überreicht worden sind, anschauen werde – und das waren einige. Höchstädts Bürgermeister Stefan Lenz übergab ihr eine Resolution der Stadt und der Gemeinde Blindheim. Er sagte: „Bitte nehmen Sie das ernst.“

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Auch Tapfheims Bürgermeister Karl Malz, der gemeinsam mit Schwenningen eine Resolution auf den Weg brachte, sagte zur Ministerin: „Sie brauchen nur zu uns raus kommen. Wir zeigen Ihnen, wie es funktioniert.“ Auch Dillingens BBV-Kreisobmann Klaus Beyrer wurde schon vor der Veranstaltung deutlich: „Frau Ministerin, wir müssen eine Win-win-Situation schaffen. So kann es nicht gehen.“ Er übergab ihr tausend Unterschriften von Bürgern. Über 1500 Unterschriften sammelte auch Höchstädts Dritter Bürgermeister Hans Mesch – auch diese Liste drückte er Ulrike Scharf in die Hand. „Mir reicht es schon, wenn ich die Gesprächsbereitschaft erkenne, um eine gemeinsame Lösung zu finden“, so Mesch.

Genau das sei es, was sie wolle, wie die Ministerin mehrmals betonte. Reden. Mit den Bürgern. Man sei gerade erst am Anfang der Planungen, nun werde alles angehört und alles berücksichtigt. Eines, auch das sagte sie deutlich, aber in einem kleineren Rahmen noch vor dem Dialog auf der Bühne, sei auch sicher: „Sie können sich darauf verlassen, dass wir keinen Polder bauen, wo es Probleme gibt.“ Dillingens Landtagsabgeordneter Georg Winter fügte hinzu: „Das Ziel ist Hochwasserschutz. Aber wo, wie und wie viel, das sollte noch offen sein und dem Dialog überlassen werden.“ Jetziger Stand der Planungen sei ein „Generalangriff“ auf den Landkreis Dillingen.

Ministerin Scharf sah das ein wenig anders. Zumindest machte sie eines klar: „Die vorläufige Sicherung der Flächen muss sein. Dadurch sichern wir uns ab, dass die Gemeinden und Städte die Gebiete nicht überplanen. So eine Sicherung kann aber jederzeit wieder aufgehoben werden. Wir wollen keinen dieser Standorte verlieren und werden langfristig die Pläne der TU München umsetzen.“ Noch stehe man aber am Anfang, es gebe keine fertigen Pläne.

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