Newsticker

Gesundheitsminister Spahn rechnet mit ersten Corona-Impfungen noch in diesem Jahr
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Auf einen Schrebergarten muss man in Friedberg lange warten

Aichach-Friedberg

20.08.2020

Auf einen Schrebergarten muss man in Friedberg lange warten

Manfred Bäumler bewirtschaftet bereits seit mehreren Jahrzehnten seinen Schrebergarten am Friedberger See.
Bild: Michael Postl

Plus Interessenten für Schrebergärten müssen in Friedberg zwei bis drei Jahre Geduld haben. Eine Besonderheit gibt es seit dem Dreißigjährigen Krieg.

Vor einigen Jahren waren Kleingärten noch als Ort für Spießer und Gartenzwerge verschrien. Mittlerweile ist das kleine Stückchen Land heiß begehrt. Corona hat diesem Trend zusätzlichen Schwung verliehen. Die Wartelisten sind lang.

Das ist auch in Friedberg so. Die Stadt kann drei Gartenanlagen bieten: zwei klassische Schrebergartenanlagen und eine sogenannte Rechtler-Anlage. Die Schrebergartenanlage an der Augsburger Straße nahe Segmüller hat die Stadt Friedberg an den Verein der Schrebergärtner e. V. verpachtet.

Wer dort eine Parzelle haben möchte, muss Geduld mitbringen, wie Vorsitzender Daniel Fauquembergue erzählt: „Früher hat man nach spätestens einem Jahr einen Garten bekommen, mittlerweile muss man schon zwei, drei Jahre warten.“

Dabei hat das Terrain zwischen der B300 und der Röntgenstraße nicht mal wenig Platz. „Unsere Anlage besteht aus 201 Gartenparzellen auf einer Fläche von 48.700 Quadratmetern“, informiert er. Die Gärten sind durchschnittlich 150 Quadratmeter groß. Viele Kleingärtner dort seien schon im Rentenalter, doch derzeit bewerben sich immer mehr Familien um ein Stück grünes Paradies. Deshalb sind die Auswahlkriterien etwas strenger geworden.

Friedberger werden bei der Schrebergarten-Vergabe bevorzugt

Daniel Fauquembergue erklärt, dass Friedberger bevorzugt werden, vor allem diejenigen, die keinen eigenen Garten haben. Weitere Voraussetzung sind Volljährigkeit und ein guter Leumund. Familien mit geringen Einkommen, kinderreiche Familien, Versehrte und Rentner haben bessere Chancen. Teuer ist das Stück Land nicht; 110 bis 130 Euro im Jahr sind dafür zu bezahlen, dazu kommt die Ablöse für Laube und Anpflanzung. Im Schnitt sind das rund 5.000 Euro – eine Summe, die nach genauen Richtlinien vom Landesverband Bayerischer Kleingärtner ermittelt wird.

Ähnlich ist die Situation bei der Schrebergartenanlage zwischen der Röntgenstraße und dem Bahndamm, die die Stadt Friedberg an den Kleingartenverein Friedberg verpachtet. Auf der Fläche von 30.000 Quadratmetern finden sich 73 Parzellen mit einer durchschnittlichen Größe von 260 Quadratmetern, berichtet Vorsitzender Karl Graf.

Auch hier liegt die Wartezeit mittlerweile zwischen zwei und drei Jahren. Bei der Vergabe der Plätze schließe man niemanden aus, betont der Vereinschef. Die Kosten liegen bei rund 150 Euro pro Jahr, hier sind Mitgliedsbeiträge und Nebenkosten wie Strom und Wasser eingeschlossen. Dazu kommt die Ablöse, wenn man eine Parzelle übernimmt.

Die Gärten am Friedberger See haben eine lange Geschichte

Ein ganz anderes Kleingartenkonzept hat die „Rechtler-Anlage“ am Friedberger See. Der Heimatforscher Hubert Raab kennt die Geschichte dahinter: Laut dem Friedberger Stadtbuch sollen die Krautgartennutzungsrechte auf das Jahr 1626/27 – das war mitten im Dreißigjährigen Krieg – zurückgehen. Demnach überließ der kurfürstliche Landesherr Maximilian I. der Stadt „eine staudenbewachsene Aue unterm Berg mit der Auflage, sie zu roden und unter den Bürgern zur Nutzung aufzuteilen, welche durch Kriegseinwirkung geschädigt waren“.

Da in Friedberg nach den Wirren des Kriegs wohl alle Anwesen geschädigt waren, erhielten alle Häuser der Innenstadt ein solches Nutzungsrecht. Die Leute wurden zu sogenannten „Rechtlern“. Der Garten war also kein Besitz, der an eine Person war, sondern an ein Anwesen. Der Krautgarten ging über auf Ehegatten und Kinder des Hauses, nicht aber auf Fremde, konnte auch nicht veräußert oder verschenkt werden, sondern war fester Bestandteil des Anwesens.

„Auch meine Großmutter hatte neben einem Kleingarten bei Herrgottsruh einen Krautgarten beim jetzigen Baggersee. Es war frei zugänglich und durfte nicht eingezäunt werden“, erzählt Raab. Denn früher vertraute man darauf, dass keine Diebstähle vorkommen. Gegen auswärtige Langfinger gab es einen Flurwächter, genannt „Kabishüter“, der dort unten sogar ein ganz kleines Häuschen, das Kabishüterhäuschen, zur Verfügung hatte. Kabis bedeutet Kraut.

Die Schrebergärten in Friedberg sind immer begehrter. Interessenten müssen bis zu drei Jahre auf eine Parzelle warten.
Bild: Edigna Menhard

In den folgenden Jahrhunderten gab es verschiedene Änderungen und rechtliche Festsetzungen. Doch laut Friedbergs Stadtsprecher Frank Büschel sind die öffentlich-rechtlichen Nutzungsrechte nach wie vor in den jeweiligen Grundbüchern der Anwesen vermerkt. Von derzeit insgesamt 196 Gärten machen immer noch 166 Altstadthauseigentümer von diesem Krautgartennutzungsrecht Gebrauch. 30 Gärten werden von der Stadt gegen einen geringen Betrag verpachtet. Hierfür gibt es eine immens lange Warteliste mit Vormerkungen für Friedberger Bürger.

Da bleiben immerhin die Schrebergärten, für die die Chancen weitaus besser sind. Diese entstanden laut Raab erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. In Friedberg stellte 1904 ein Obst- und Gartenbauverein bei Herrgottsruh Flächen zur Verfügung. Als dort der Sportplatz für die Realschule und das Gymnasium gebaut wurde, verlegte man die Gärten in die Gegend unterm Berg, später westlich von Segmüller. Zur Brennholzlagerung gab es in Friedberg sogar einen Holzgarten, den heutigen Bauhof nahe der Bahnbrücke in Friedberg-Süd.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Warum boomen Schrebergärten in Friedberg?

Das könnte Sie auch interessieren:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren