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Wahl Friedberg

12.10.2019

Bekommt Roland Fuchs einen Platz auf der Friedberger CSU-Liste?

Roland Fuchs (rechts, hier mit dem ehemaligen Neusäßer Bürgermeister und heutigen CSU-Bundestagsabgeordneten Hansjörg Durz) pflegte immer ein gutes Verhältnis zum politischen Gegner.
Bild: Marcus Merk

Plus Stadtverbandsvorsitzender Losinger schätzt Roland Fuchs‘ große politische Erfahrung. Bei der Friedberger SPD gab es offenbar andere Überlegungen.

Das Parteibuch der SPD hatte er seit 45 Jahren in der Tasche. Das freilich hindert Roland Fuchs nicht daran, beste Kontakte zum politischen Gegner zu pflegen. Und wenn er in der Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag voraussichtlich zur CSU hinüber wechselt, dann sitzt er dort – eher als zuvor bei den Genossen – auch unter persönlichen Freunden. Aber geht das gute Einvernehmen so weit, dass er dort einen Platz auf der Kandidatenliste für den neuen Stadtrat bekommt? Fuchs selbst hat sein Interesse daran bekundet.

Zum 31. Oktober hat Roland Fuchs inzwischen seinen Austritt aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands erklärt. Dass ihm in dürren Sätzen mitgeteilt wurde, auf der neuen SPD-Stadtratsliste sei kein Platz mehr für ihn, hat den 75-Jährigen schwer getroffen.

Fünf Wahlperioden in Stadtrat und Kreistag

Fünf Wahlperioden saß er für seine Partei in Stadtrat und Kreistag, war zweimal Landratskandidat und 24 Jahre lang Kreisvorsitzender des Roten Kreuzes. Die Erfahrung und das Wissen des ehemaligen Oberamtsrats in Diensten der Stadt Neusäß ist so gefragt, dass ihn dem Vernehmen nach selbst Landrat Klaus Metzger (CSU) zu einer erneuten Bewerbung als Kreisrat drängte.

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„Wir sind jetzt erst einmal froh, dass er weitermacht bis zum Ende der Periode“, sagt der Vorsitzende des CSU-Stadtverbandes, Manfred Losinger, der gemeinsam mit Fuchs 1990 die politische Karriere in Stadtrat und Kreistag begonnen hat. Er persönlich habe sich sehr über Fuchs’ Wechsel gefreut und sei sicher, dass dieser sich bei der CSU wohlfühlen werde.

Friedberger CSU legt demnächst ihre Liste fest

Doch wie es nun weitergeht, darüber haben noch keine Gespräche stattgefunden. „Ich bin nicht der alleinige Entscheider“, stellt Losinger klar. Immerhin steht bereits der Entwurf für die Liste, die am 22. Oktober intern festgelegt und am 7. November offiziell nominiert werden soll. Weil die CSU sich sogar auf 40 Bewerber für den neuen Stadtrat vorbereitet hatte, musste ohnehin einige Interessenten zurückstecken. Losinger gibt sich aber überzeugt, dass bei Bedarf ein Platz für Roland Fuchs zu finden ist: „Es gibt sicher welche, die zurücktreten würden.“ Losinger betont jedoch, dass Fuchs einen Platz auf der CSU-Liste nicht zur Bedingung für einen Wechsel gemacht habe.

Gut möglich also, dass Fuchs nicht unter den Spitzenkandidaten auftauchen würde, wenn er denn bei der CSU eine Chance bekäme. Der Listenplatz jedoch, so Losinger, sei nicht ausschlaggebend. Er verweist auf die Erfahrung, wonach nicht mehr als ein Drittel aller Stimmzettel unverändert abgegeben werde. Die allermeisten Wähler suchen sich nach Losingers Beobachtung genau aus, bei welchen Personen sie ihr Kreuzchen machen.

Streit um Listenplätze bei der Friedberger SPD

Ähnliche Erfahrungen hat man 2014 bei der SPD gemacht. Gewählt wurden damals ausschließlich die amtierenden Stadträte. Die waren einerseits durch ein langjähriges öffentliches Engagement in der Stadt bekannt, sicherten sich im Übrigen aber auch nach parteiinternem Streit, der bis in die überörtlichen Schiedsgremien ging, die vordersten Listenplätze.

Schon damals büßten die Sozialdemokraten gegenüber 2008 ein Mandat ein – und angesichts der großpolitischen Wetterlage gehen selbst langjährige SPDler davon aus, dass es diesmal noch weiter nach unten gehen könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass die SPD nach dem desaströsen Ergebnis der Landtagswahl auf dem Stimmzettel nicht mehr Wahlvorschlag Nummer zwei, sondern nun hinter CSU, Grünen, Freien Wählern und AfD nur noch Nummer fünf ist.

Der SPD droht in Friedberg ein weiterer Stimmenverlust

Vier bis fünf Sitze statt der bisherigen sieben – das erscheint manchem amtierenden Stadtrat durchaus realistisch. Der von der Ortsvorsitzenden Ulrike Sasse-Feile und Bürgermeister Roland Eichmann proklamierte Generationswechsel hätte damit schwierig werden können.

Zumal aus der Fraktion zu hören ist, dass auch ein anderes Mitglied wissen ließ: „Wenn Fuchs kandidiert, dann kandidiere ich auch noch einmal.“ Würden die beide Polit-Senioren ihrer Bekanntheit wegen wiedergewählt, wäre für die Jungen nicht mehr viel Platz in einer geschrumpften Stadtratsfraktion.

Der CSU-Stadtverbandsvorsitzende Losinger schätzt hingegen neben Fuchs’ „unbandiger Erfahrung“ noch eine weitere Eigenschaft des Neuzugangs: „Er ist einer der wenigen, der sich den Mund aufzumachen traut.“

Lesen Sie dazu auch unseren Bericht Roland Fuchs rechnet mit der Friedberger SPD ab

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