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Aichach-Friedberg

27.12.2019

Böllern oder nicht böllern?

Feuerwerk in der Silvesternacht gehört für viele dazu. Doch immer wieder gibt es Kritik an der Böllerei.
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Feuerwerk in der Silvesternacht gehört für viele dazu. Doch immer wieder gibt es Kritik an der Böllerei.
Bild: Markus Heinrich

Am Samstag beginnt der Verkauf von Feuerwerk. Doch immer mehr Bürger, Tierfreunde und sogar Geschäftsleute wenden sich gegen das Böllern - auch in Friedberg.

In Augsburg ist Feuerwerk an Silvester am Rathausplatz und Umgebung verboten, in Aichach in der gesamten Altstadt. Kissing sperrt den Zugang zur Burgstallkapelle an diesem Tag ab 17 Uhr. Dagegen darf in Friedberg weiterhin ohne Einschränkungen geböllert werden, wie der städtische Pressesprecher Frank Büschel auf Anfrage sagt: „Zum vergangenen Jahreswechsel gab es keine nennenswerten Probleme, so dass sich der Stadtrat nicht mit möglichen Verbotszonen beschäftigt hat.“ Das Ordnungsamt bekomme aber das ganze Jahr über immer wieder Anfragen, damit auch bei privaten Feiern wie Hochzeiten Raketen gezündet werden dürfen.

Die Polizei hat ein Auge darauf, dass alles passt. „Die üblichen Regeln für Sicherheit und Ordnung gelten natürlich auch an Silvester“, so Polizeihauptkommissar Martin Binder, stellvertretender Leiter der Friedberger Inspektion. „An solch speziellen Tagen sind wir immer verstärkt im Einsatz, damit die Leute unter Alkoholeinfluss keinen Unsinn machen.“

Umweltschützern ist die Knallerei ein Dorn im Auge

Schon seit Jahren ist die Knallerei am 31. Dezember Umweltschützern ein Dorn im Auge, weil sie Feinstaub verursacht. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht nun die Zeit für Veränderungen gekommen, da die Konsumenten so umweltbewusst seien wie lange nicht. 2020 wolle man die Händler auffordern, den Feuerwerks-Verkauf komplett einzustellen.

Böllern oder nicht böllern?

Rewe und Edeka stellen es den Händlern vor Ort frei, ob sie Feuerwerkskörper anbieten. Bernd Stegmann vom Edeka-Markt in Kissing hat noch das volle Böller-Sortiment zu Preisen von sieben bis 150 Euro im Angebot, „weil ich fast ein Jahr im Voraus planen und bestellen muss“. Er wolle das Kaufverhalten der Kunden abwarten, sagt er, und dann eine Entscheidung fürs nächste Jahr treffen.

Baumarkt nimmt Feuerwerk aus dem Sortiment

Die Forderung nach einem Verzicht auf Feuerwerkskörper stößt bei immer mehr Händlern auf offene Ohren. Als prominentester Vertreter hat die Baumarktkette Hornbach angekündigt, von 2020 an in Deutschland keine Raketen mehr ins Sortiment zu nehmen. Für dieses Jahr war es zu spät, die Ware war schon geliefert.

Und am nächsten Tag liegt überall der Dreck: Auch im Wittelsbacher Land gibt es immer mehr Aktivitäten gegen Böller und Raketen an Silvester.

Damit hatte die Branche im Vorjahr deutschlandweit 133 Millionen Euro Umsatz gemacht. Angesichts dieser Zahl gibt sich der Verband der pyrotechnischen Industrie weiter selbstbewusst. Man habe es mit einer „Scheindebatte“ zu tun, heißt es. Feuerwerk sei deutlich weniger schädlich als oft behauptet.

Friedberger Tierärztin: Ballern ist Blödsinn

„Ballern ist Blödsinn“, bringt die Friedberger Tierärztin Tina Wenisch die Debatte auf einen kurzen Nenner. „Denn viele Hunde und Katzen schlottern aus Angst vor der Knallerei und gehen tagelang nicht mehr vor die Tür.“ An Silvester solle man am besten Katzen nicht aus der Wohnung lassen und Hunde auf jeden Fall an die Leine nehmen.

Auch wenn Kommunen ein teilweises oder komplettes Böller-Verbot erlassen, können sie den Verkauf von Feuerwerkskörpern in ihrer Gemeinde nicht verbieten, Allerdings gelten dafür Regeln. Üblicherweise dürfen Feuerwerke nur vom 29. bis zum 31. Dezember verkauft werden. Weil heuer einer der Tage auf einen Sonntag fällt, gilt ein Verkaufsrecht ausnahmsweise vom 28. bis zum 31., das Feuerwerk ist also einen Tag früher verfügbar. Geböllert werden darf trotzdem nur am Silvesterabend und in der Nacht.

Das Gesetz sieht drastische Strafen vor

Geld- oder sogar Freiheitsstrafen drohen, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Im Bußgeldkatalog des Sprengstoffgesetzes steht, dass Feuerwerke nicht ohne Genehmigung an anderen Tagen außer vom 31. Dezember bis 1. Januar abgebrannt werden dürfen. Sonst drohen Bußgelder bis zu 10 000 Euro. Wer nicht zertifizierte Böller herstellt oder zündet, dem droht eine Geldstrafe von bis zu 50 000 Euro.

Im Gewissenskonflikt sieht sich Renate Meurer aus Mering, deren 14-jähriger Sohn nicht verstehen will, warum alle seine Freunde Raketen abfeuern dürfen, er aber nicht. „Als Mutter sagt man sich, einmal im Jahr ist die Knallerei ja nicht so schlimm. Persönlich hätte ich aber nichts dagegen, wenn dieser Brauch zum Jahreswechsel abgeschafft wird so wie das Rauchen in Bierzelten und Lokalen.“

Feuerwerk an zentralem Platz

Eine Alternative wäre für Meurer, „dass nur die Stadtverwaltung selbst an einem zentralen Platz ein schönes Feuerwerk organisiert“. Privatleute könnten das gesparte Geld für soziale Zwecke spenden. Denkbar und umweltschonend sei eine farbenprächtige Lasershow.

Eine ganz andere Idee hat die Friedbergerin Petra Gerber. In ihrer Familie gibt es seit 2004 keine Silvesterknallerei mehr, die Idee kam von ihrem damals zwölfjährigen Sohn Max, der sein Taschengeld nach dem Tsunami an Kinder auf Sri Lanka spenden wollte. Gerbers Wunsch für Silvester, den sie auf Facebook postete: „Friedberger verzichten auf Feuerwerk und Böller, dafür treffen wir uns mit Fackeln und Feuerschalen auf dem Marienplatz, machen Musik und genießen das Zusammensein!“

Das wollen die Freien Wähler Aichach-Friedberg

Ähnliches propagiert auch die Freien Wähler im Landkreis. Unter dem Motto „Bildung statt Böller“ fordern sie die Menschen auf, für das Landkreisprojekt 21000 Schulen für die Welt“ zu spenden. „Nach Schätzungen des Verbands der pyrotechnischen Industrie werden die Bundesbürger zu Silvester 140 Millionen Euro für Böller und Raketen ausgeben. Das allein ergäbe 2800 Schulen in Afrika“, schreiben sie.

Lesen Sie auch: Überblick für die Region: Hier ist Böllern an Silvester verboten

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