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Dasing

27.10.2020

Dasinger Hausarzt sucht seit fünf Jahren einen Nachfolger

Dr. Josef Glas aus Dasing sucht seit fünf Jahren nach einem Nachfolger für seine Allgemeinarztpraxis.
Bild: Michael Postl

Plus Auf dem Land herrscht Ärztemangel. Wenn Dr. Josef Glas aus Dasing in den Ruhestand geht, wird es dort eng. Was das für die Patienten bedeutet.

Mittwoch, 10 Uhr morgens. Josef Glas sitzt an seinem Küchentisch, seine Frau Anne Glas macht Tee. Eigentlich hätte der Allgemeinmediziner heute eine Sprechstunde in seiner Dasinger Praxis gehabt, wegen des Ausfalls zweier Helferinnen musste er jedoch kurzfristig schließen. Für einige Dasinger könnte das zum Problem werden.

Denn neben Dr. Glas gibt es mit Ortwin Gut und Dr. Jana Rietz zwei weitere Hausärzte. Mit Dr. Rietz teilt sich Glas die Räumlichkeiten der Praxis. Fällt er aus, und gibt es einen Notfall, müssen die Dasinger auf Praxen in Eurasburg, Aichach oder Friedberg ausweichen. Ist man mobil, stellt dieser Umstand kein Problem dar, mit dem Auto sind die höchstens sieben Kilometer schnell geschafft.

Die Alternativen sind jedoch nicht nur rar gesät, sondern auch ungleich beschwerlicher: Züge fahren alle halbe Stunde am Dasinger Bahnhof ab, Angehörige haben auch nicht immer Zeit. Manchmal bliebe da nur noch die Möglichkeit, sich mit dem Krankenwagen abholen zu lassen, erklärt Glas, die Krankenkassen sähen das aber nicht gern, immerhin koste das unverhältnismäßig viel Geld.

Ein Angebot, das Dasing seit geraumer Zeit realisieren möchte, ist ein Fahrdienst für Senioren. Über den neuesten Stand dieses Projektes kann die Initiatorin Susanne Kanzler aus dem Dasinger Gemeinderat jedoch erst in Mitte November Auskunft geben. In ihrer Funktion als Seniorenbeauftragte der Gemeinde Dasing sei aber noch niemand an sie herangetreten, um sich bezüglich der fehlenden Ärzte zu erkundigen.

Der Dasinger Arzt Josef Glas sucht bereits seit fünf Jahren einen Nachfolger

Josef Glas ist nun über 70, eigentlich hätte er vor fünf Jahren in Rente gehen sollen. "Mein Herz hängt aber zu sehr an der Praxis, an den Menschen", erklärt er. Außerdem, und das ist das viel größere Problem, gebe es keinen Nachfolger, der seine Praxis und damit seinen Platz als Arzt für Dasing einnehmen würde. Seit fünf Jahren sucht er zusammen mit seiner Frau, spricht mit Kollegen, Chefärzten, schaltet Anzeigen in der Zeitung und Fachmagazinen. Gebracht hat es bislang nichts.

"Die wenigsten möchte in eine Praxis auf dem Land ziehen", sagt Glas, seine Anzeigen beinhalten stets den Hinweis "zwischen München und Augsburg gelegen". Einmal habe eine Ärztin um die 40 sich gemeldet, sie habe den Job im Krankenhaus satt und wolle ihre eigene Praxis. Allerdings bei Ingolstadt. Die Angabe "zwischen München und Augsburg" könne man offenbar weit dehnen, sagt Glas etwas verbittert lachend.

Also sucht er weiter. Seine Hoffnung hat er auch nach fünf Jahren Suche noch nicht aufgegeben, sie schwindet jedoch. Immerhin habe es einige Vorteile, eine eigene Praxis, sagt Josef Glas. Zum einen stehe die Menschlichkeit, die persönliche Beziehung zu den Patienten im Gegensatz zu städtischen Ärztezimmern deutlich mehr im Vordergrund. "Ich kenne die meisten Patienten, deren familiäre Hintergründe, Konflikte - da fragt man dann schon einmal nach, wie es geht", berichtet Glas.

Diese Vorteile sieht der Dasinger Arzt Josef Glas bei einer eigenen Praxis auf dem Land

Einen weiteren Vorteil sieht der Mediziner in der Freiheit, die Patienten ohne die Richtlinien eines Chefarztes oder einer Chefärztin behandeln zu können. "In meiner Praxis, habe ich meine Art zu praktizieren", sagt Glas. "Das ist in einem Ärztehaus nicht der Fall." Beides sind Gründe, warum er sich auch mit über 70 Jahren noch nicht zurückgezogen hat, einen weiteren liefern die Patienten, die ihm lakonisch erklären: "Sie müssen einfach bleiben, bis ich sterbe." Da fühle man sich natürlich verantwortlich, sagt Glas.

Sein Bruder Erwin Glas habe mit 66 Jahren Glück gehabt, für ihn kam im Sommer 2018 Tetyana Baur als Nachfolgerin nach Merching. Auf solch einen Glücksgriff wartet Josef Glas ebenfalls. Oder auf die Gemeinde. Denn diese könnte zum Beispiel ein Ärztehaus zur Verfügung stellen, was einen Einzug nach Dasing für Ärzte wiederum attraktiver machen würde, sagt Anne Glas, nebenbei Gemeinderätin der Aktiven Bürger. Seit Jahren bringe sie die Idee im Gemeinderat an, insbesondere in Zusammenhang mit dem integrierten städtebaulichen Entwicklungkskonzept (Isek).

Eine Veranstaltung mit dessen Arbeitskreisen vom Freitag verschob Bürgermeister Andreas Wiesner vorerst coronabedingt. Auch Josef Glas hätte zu diesem Anlass sein Anliegen deutlich gemacht. Grundsätzlich hält Wiesner die Thematik für wichtig, in Zeiten einer Pandemie sei ein solches Projekt jedoch kaum stemmbar. Deshalb laufen bereits seit geraumer Zeit interne Gespräche mit potenziellen Ärzten und Ärztinnen für Dasing. Wiesner ist in diesem Zusammenhang guter Dinge.

Das Ärztehaus an der Bürgermeister-Rohrmüller-Straße in Pöttmes ist seit dem Jahreswechsel 2018/2019 in Betrieb.
Bild: Vicky Jeanty (Archiv)

Die Gemeinde Pöttmes ist derweil schon ein paar Schritte weiter. Ende November 2018 war das Gebäude fertiggestellt, 5,5 Millionen Euro hatte es verschlungen. Nun, über eineinhalb Jahre nach der Eröffnung, sind die meisten Pöttmeser froh, das Ärztehaus zu haben. Diese Zufriedenheit stellt auch Bürgermeister Mirko Ketz fest. "Die drei Allgemeinärzte sind meistens voll", erklärt er, um anzufügen: "Da Pöttmes am Rand des Landkreises liegt, können auch Patienten aus den Kreisen Donau-Ries und Neuburg zu uns kommen."

Dies sei ein Faktor, warum sich das Ärztehaus wirtschaftlich eventuell amortisieren könnte, doch da die Gemeinde die Mieten moderat hielt und sie nicht drastisch erhöhen wird, wirtschaftlich lohnen wird sich das Projekt vorerst nicht. "Dafür können wir unsere Bürger versorgen und bekommen ja auch die Mieteinnahmen", erklärt Ketz.

Auch in Eurasburg gab es Anfang Februar vergangenen Jahres die Überlegung, ein Ärztehaus zu errichten. Bürgermeister Paul Reithmeir sagte damals in der Sitzung des Gemeinderates, er werde an dem Thema dranbleiben. Das Projekt stehe weiter auf der Agenda, auch hier gab es bereits Gespräche.

Lesen Sie dazu Michael Postls Kommentar: Den Ärzten das Land schmackhaft machen

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