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Friedberg

19.02.2019

Was Passwörtern und Unterhosen gemeinsam ist

Da gehen fast alle Hände hoch, als Daniel Wolff die Schüler fragt: „Wer benutzt mindestens zweimal das gleiche Passwort?“ Und in seiner Antwort erklärt der Medienpädagoge, wie wichtig das Thema Sicherheit im Internet ist und was man über den Umgang mit Daten wissen muss.
Bild: Vanessa Polednia

Daniel Wolff hatte mit 13 seinen ersten Computer, wurde IT-Journalist und Lehrer. Die digitale Welt fasziniert ihn so sehr, dass er mit Schülern über Chancen und Risiken diskutiert.

Daniel Wolff macht es kurz: „Mit Passwörtern sollte man ähnlich wie mit Unterhosen verfahren – man sollte viele haben und sie häufig wechseln.“ Dieser Spruch sorgt für Heiterkeit unter den Neuntklässlern im Friedberger Gymnasium. Der Medienpädagoge Daniel Wolff hat zwar lustige Sprüche auf Lager, ist aber mit einem wichtigen, ernsthaften Thema angereist: Er will mit den Schülern über Chancen und Risiken des Internets und der digitalen Welt reden. Weil vor allem die Smartphone-Nutzung unser Leben rasant und tief greifend umkrempelt, will Wolff Schüler, Eltern und Lehrer in einen konstruktiven Dialog über digitale Medien bringen.

Wolff bringt dafür ganz persönliche Erfahrungen mit. Ihn fasziniert die digitale Welt, seit er mit 13 Jahren den ersten Heimcomputer startete. Während der noch „zum Zocken“ genutzt wurde, beschäftigte er sich beruflich als IT-Journalist mit digitalen Geräten. Und als Korrespondent für die Zeitschrift Chip im Silicon Valley war Wolff am wohl innovativsten Technikort der Welt. Wolff ist Lehrer, Dozent für Medienbildung an der LMU in München, Vater von drei Kindern. Heute ist er als Digitaltrainer unterwegs. Er war schon zu Gast an einer Augsburger Realschule und an der International School. Jetzt trat er am Gymnasium Friedberg auf.

Zuerst kamen die Fünft- und die Siebtklässler an die Reihe. Für die Schüler der neunten Klasse hatte Wolff das Thema „Fake News & Hate Speech: Welchen Infos kann ich trauen?“ vorbereitet.

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Fake News sind in Internet und Medien mit manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen. Zur Veranschaulichung zeigt Wolff den Schülern eine Aufnahme vom ehemaligen Präsidenten der USA, Barack Obama. Darin verunglimpft er seinen Nachfolger Donald Trump. Hier wird schnell klar: Dieses Video wurde manipuliert. Mit dem Programm „Deep Fake“ kann man auf eine Videoaufnahme einen beliebigen Kopf setzen. Doch oft ist es nicht so leicht: „Wir leben in einem Zeitalter, in dem es immer schwieriger wird, zwischen Wahrheit und Fälschung zu unterscheiden.“

Mit Gewinnspielen ist man seine persönlichen Daten schnell los

Auch Gewinnspiele in sozialen Netzwerken können eine Form von Fake News sein. Wolff zeigt ein Beispiel für ein Gewinnspiel für ein Haus auf Facebook. Die Schüler macht das lukrative Angebot stutzig: „Wer nennt seine Firma ‚GmbH‘?“, fragt Lena. Doch ein Blick auf die Kommentarspalte zeigt: Viele Nutzer haben an dem ominösen Spiel teilgenommen – und durch das Teilen des Beitrags dem Anbieter die Erlaubnis erteilt, ihre Daten weiterzuverkaufen.

Phishing-Mails stehen als Nächstes auf dem Programm. Diese sind für die Schüler im Vortrag leicht zu erkennen. Durch einen Link fängt man sich bei diesen Mails leicht einen Virus auf dem PC ein. Es kommt zum Identitätsbetrug. Mit der eigenen Mailadresse sollte man also sorgsam umgehen: „Wer benutzt mindestens zweimal das gleiche Passwort?“, fragt er die Teenager. So gut wie alle Hände schnellen nach oben. Sind die eigene Mail-Adresse und das Passwort mal im Netz, kann schnell ein ganzes Leben zerstört werden, schärft Wolff den Schülern ein.

Matthias fragt, ob es überhaupt möglich sei, mit 100-prozentiger Sicherheit durchs Internet zu surfen. Wolffs klare Antwort: „Leider nein. Es gibt immer eine potenzielle Bedrohung.“ Doch durch Sicherheitsmaßnahmen wie einem starken Passwort kann man Risiken deutlich senken.

Sodann geht es um das Phänomen der medialen Hate Speech oder Hassrede. Damit sind Hetze und Diskriminierungen gemeint, die bestimmte Personengruppen herabsetzen und beleidigen. Dass es sich dabei häufig um „Bots“ handelt, weiß Sebastian schon. Bots sind Computerprogramme, die Aufgaben automatisiert und selbstständig ausführen. Sie werden häufig als Schadsoftware und zur Meinungsmache auf sozialen Netzwerken verwendet. „Manche Foren bestehen zu 70 Prozent aus Bot-Kommunikation!“, sagt der Medienexperte.

Die Schüler zeigen sich beeindruckt. Zehra und Hannah wollen zu Hause gleich nachchecken, wie es um die Sicherheit ihrer E-Mail-Adresse steht. Samuel beschäftigt die Menge an Daten, die er tagtäglich preisgibt, etwa auf Facebook. Wolff fasst zusammen: „Für diese Generation ist die digitale Welt ein elementarer Teil ihres Lebens!“ Jedem müsse klar sein, dass diese Welt auch ihre Tücken hat.

Fünf "Smartphone-Überlebenstipps" für Eltern

Diese „Smartphone-Überlebenstipps“ hat Medienpädagoge Daniel Wolff, der in Wörthsee (Kreis Starnberg) lebt und in Südbayern viele Schulen besucht, für Eltern parat:

  1. Interessieren Sie sich für die Apps Ihrer Kinder. Nur wer sich für die Mediennutzung seiner Kinder interessiert, kann wissen, womit sie sich beschäftigen.
  2. Bestimmen Sie WLAN-Zeitkontingente. Durch das Vereinbaren fester Nutzungszeiten haben Eltern einen besseren Überblick über ihre Kinder.
  3. Schaffen Sie internetfreie Alternativen. Wer seinem Kind gesunde Alternativen wie Aktivitäten im Bereich Sport oder Natur bietet, dem fällt es leichter, an den vereinbarten Nutzungszeiten festzuhalten.
  4. Halten Sie nachts alle Internetgeräte aus dem Kinderzimmer fern. Das funktioniert gut, indem alle Handys der Familie über Nacht im Flur aufgeladen werden. Die Anschaffung eines Weckers (statt Handy) kostet nicht viel.
  5. Seien Sie selbst ein Vorbild in Sachen Mediennutzung. Apps wie „Menthal“ protokollieren das eigene Smartphone-Nutzungsverhalten. Und lesen Sie sich noch mehr Infos zur smarten Medienerziehung durch.
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