Christian Cappek

09.07.2008

Von Mering in den Sapporo Dome

Am Ende des Tunnels wartet eines der schönsten Stadien Asiens. 42.000 Plätze, ein Rasen wie auf dem Golfplatz: der Sapporo Dome in Japan. Bei der WM 2002 traf in diesem Stadion Miroslav Klose dreimal. Fünf Jahre später spielt hier Christian Cappek- vielleicht ein Höhepunkt auf dem Weg zu seinem großen Ziel: Fußballprofi.

Von Simon Biallowons

Am Ende des Tunnels wartet eines der schönsten Stadien Asiens. 42.000 Plätze, ein Rasen wie auf dem Golfplatz, das riesige Dach geschlossen: der Sapporo Dome in Japan. Du stapfst die Treppen hoch, neben dir deine Gegner in Violett-Weiß, dem Nationaltrikot Südkoreas. Die deutsche Nationalhymne erklingt, der Adrenalinpegel steigt. Bei der Weltmeisterschaft 2002 traf in diesem Stadion Miroslav Klose dreimal. Fünf Jahre später spielt hier Christian Cappek- vielleicht ein Höhepunkt auf dem Weg zu seinem großen Ziel: Fußballprofi.

Christian Cappek wird 1990 in Augsburg geboren, seit er vier Jahre alt ist, spielt er Fußball. Und seitdem gibt es für ihn nur eines: den Weg nach vorne. Auf dem Platz und auch abseits. Nicht immer zu seinem Vorteil: "Ich bin ein sehr direkter Mensch. Dabei merke ich manchmal nicht, wann es besser wäre, ruhig zu sein", erzählt Cappek. Das Gespür für Diplomatie mag ihm abgehen - das Gespür für das Spiel mit dem Ball hat er umso mehr. Der 17-Jährige ist das, was man einen Kreativspieler nennt. Stark am Ball, gefährlich im eins gegen eins, immer für eine Überraschung gut. Er kann Spiele entscheiden - im Sapporo Dome traf er zweimal. Damals trug er das Trikot des TSV 1860 München.

Der Blondschopf startet seine Karriere beim SV Mering. Er ist talentiert, aber kein Überflieger. Erst allmählich zeigen sich seine Anlagen, nach einem Hallenturnier in Kissing wird er als 11-Jähriger vom FC Augsburg angeworben. "Ich wusste überhaupt nicht, was mich dort erwartet. Ich war jung und aus einem Dorf - da machst du dir keine Vorstellungen", erinnert er sich. Das macht nichts, vermutlich hätte sich Cappek seinen Start in Augsburg so nicht einmal erträumen können. Gleich im ersten Jahr wird er Kapitän. Der Wechsel in der D-Jugend auf das Großfeld kommt seinem athletischen Spiel entgegen. Schon bald spielt er einen Jahrgang höher, ein großes Talent wächst heran - ein Talent, das Begehrlichkeiten anderer Vereine weckt: Zwei Jahre später klopft der TSV 1860 München an, Cappek wird zum Probetraining eingeladen. "Ich merkte sofort, dass ich mithalten kann", erzählt er. Und grinst: "Außerdem habe ich damals einen guten Tag erwischt." Wohl wahr. Die "Löwen"-Verantwortlichen sind begeistert und machen ihm ein Angebot. Cappek nimmt an - er weiß da noch nichts von dem Spießrutenlauf, der vor ihm liegt. Denn sein alter Verein, der FCA, hält wenig von den Abwanderungsplänen. Und so kommt es zum Bruch. Ein Bruch, den Cappek so kommentiert: "Ich war damals echt menschlich enttäuscht. Schließlich war Sechzig meine große Chance." Eine Chance, die er zu nutzen scheint. Cappek kommt in die U14, wechselt auf ein Sportgymnasium. Dreimal haben sie im Unterricht Training, nach der Schule plagen sie sich beim Verein. Cappek integriert sich gut, wird auf Anhieb Stammspieler. Bis zum Jahr 2004 - sein schwärzestes Jahr. Der Meringer bekommt einen Wachstumsschub und massive körperliche Probleme. Neun Monate kann er nicht spielen. Neun Monate, die für ihn die Hölle sind. "Die Klassenkameraden gehen trainieren und du guckst nur zu: Das ist das Schlimmste, was dir als Sportler passieren kann." Viele Ärzte prophezeien ihm das Ende der Karriere. Er fällt in der Schule durch, Sechzig hält sich alle Optionen offen. In diesem Augenblick allerdings beweist Cappek eines: Er mag manchmal ein Luftikus sein - aber trotz allem ist er ein großer Kämpfer.

Im Jahr darauf nämlich bekommt er im Trainingslager in Österreich seine letzte Chance. Er fährt als 23. Mann hin - und kehrt als Stammspieler nach Hause zurück. In der Saison bedankt sich Cappek für das Vertrauen und schießt sein Team als Torschützenkönig zum Meistertitel in der Bayernliga. Er trainiert bereits wieder mit dem älteren Jahrgang, mit Spielern wie Lars und Sven Bender - heute Stammspieler bei den Profis. Alles scheint glatt zu laufen - doch irgendwie würde das nicht zu Cappeks Weg passen. Im Jahr darauf nämlich spielt er mit der U17 ein schwaches Jahr in der Regionalliga, fühlt sich als Sündenbock abgestempelt. Sein Berater legt sich mit dem Trainer an, Cappek steht zwischen den Fronten. Trotzdem bringt er seine Leistung - doch ein Jahr darauf in der U19 nützt ihm das nichts mehr. Der 17-Jährige will einen Amateurvertrag, schließlich steht er vor dem Abschluss der Schule. Doch Cappek steckt mittlerweil in der Schublade "schludriges Talent". 1860 will ihn noch ein Jahr beobachten, doch Cappek reicht das nicht. In diesem Augenblick enden fünf Jahre bei Sechzig - der Meringer nimmt ein Angebot von Wacker Burghausen an. Hier soll er sein Fachabitur machen und an die Profis herangeführt werden. Ein Weg, der für Cappek ohne Alternative ist: "Ich wollte mein Leben lang Fußballer werden. Ich habe auf diesem Weg auch Fehler gemacht. Doch jetzt bin ich älter - und ganz sicher, dass ich alles geben werde, um am Ende Profi zu sein."

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