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Grüne

26.07.2013

„Ein bisschen mehr Leistung ist ein bisschen mehr Risiko“

Die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, Kandidatin Annette Weinreich (Wahlkreis Ulm), Landtagsabgeordnete Christine Kamm und Grünen-Kreissprecher Maximilian Deisenhofer (links) warnten gestern vor einer Leistungssteigerung im AKW Gundremmingen.
Bild: Berthold Veh

Atompolitischer Sprecherin Sylvia Kotting-Uhl macht geplante Ausweitung der Atomstromproduktion in Gundremmingen Sorge

Günzburg Die beantragte Leistungserhöhung im Kernkraftwerk Gundremmingen macht den Grünen Sorgen. „Ein bisschen mehr Leistung bedeutet auch ein bisschen mehr Risiko“, sagte gestern die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl. Die Bundestagsabgeordnete war mit der Landtagsabgeordneten Christine Kamm zum atompolitischen Gespräch ins Gasthaus „Zum Rad“ nach Günzburg gekommen. Und da war die Leistungserhöhung ein Thema, das auch den Landtagskandidaten Maximilian Deisenhofer elektrisierte. „Eine Leistungserhöhung wäre völlig kontraproduktiv zur Energiewende“, sagte der Grünen-Kreissprecher.

Christine Kamm zeigte sich überzeugt, dass der Druck von 6711 Menschen, die eine Petition gegen die Leistungssteigerung unterschrieben haben, für einen Teilerfolg gesorgt habe. Die Abgeordneten im Umweltausschuss des Landtags trugen jüngst dem Bayerischen Umweltministerium auf, nicht vor der Konstituierung des neuen Landtags im November über den Antrag zu entscheiden. Das Vorhaben der Betreiber des Gundremminger Kernkraftwerks stehe „völlig diametral entgegen der Energiewende“, sagte Kamm. Moderne Gaskraftwerke wie in Irsching seien fast nicht am Netz. Kraftwerkssprecher Tobias Schmidt hatte mehrfach betont, dass die Leistung der beiden Blöcke B und C (jeweils 1344 Megawatt) um je 20 Megawatt ausgeweitet werden soll. Christine Kamm sagte dagegen, dass der Antrag eine Steigerung um jeweils 160 Megawatt thermische Leistung vorsehe. „Dies sind etwa 50 Megawatt elektrische Leistung pro Reaktor“, hat Thomas Wolf von der Mahnwache Gundremmingen ausgerechnet. Die Grünen bezweifeln, dass diese Ausweitung der Kapazität bei einer Genehmigung des Antrags – das letzte Wort hat das Bundesumweltministerium – nicht ausgenutzt würde.

Kotting-Uhl stellte „die Gefährlichkeit“ der Gundremminger Siedewasserreaktoren mit seinen „defizitären Notkühlsystemen“ heraus, die baugleich mit Reaktoren in Fukushima seien. Sie rechtfertigte, dass die Grünen im Bundestag gemeinsam mit drei anderen Fraktionen für den Atomausstieg gestimmt haben. Atomkraftgegnern wie Thomas Wolf und auch dem Kreisverband der Grünen sind die Restlaufzeiten zu lang. Sie wollen Gundremmingen am liebsten sofort abschalten. Kotting-Uhl entgegnete, sie werde am Gesetz zum Atomausstieg nicht rütteln. Allerdings seien notwendige Nachrüstungen nach dem Super-GAU in Fukushima noch nicht geschehen. Wenn diese Auflagen eingefordert würden, könnten die übrig gebliebenen Kernkraftwerke möglicherweise schneller abgeschaltet werden.

Bei der Endlagersuche würden auch die Tonschichten in der Gegend bei Ulm untersucht, kündigte die atompolitische Sprecherin an. Ihr sei es wichtig gewesen, dass alle infrage kommenden Standorte und damit auch Gorleben untersucht werden. Ein Endlager werde es frühestens 2040 geben, sagte Kotting-Uhl: „So lange müssen die Bürger im Landkreis Günzburg mit dem Zwischenlager in Gundremmingen leben.“

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