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Landkreis Günzburg

14.06.2019

Freie Plätze im Kindergarten sind in der Region dringend gesucht

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Nicht nur die Garderoben in den Kindergärten der Region sind voll belegt (Symbolfoto): Die Nachfrage nach Plätzen steigt weiter an. Für die Kommunen bedeutet dies weitere Investitionen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Auch im Landkreis müssen die Kommunen viel Geld in die Hand nehmen, um die Nachfrage zu erfüllen. Drei Beispiele aus Burgau, Offingen und Kammeltal.

Im Landkreis Günzburg gibt es wieder mehr Störche. Und es gibt auch wieder mehr Kinder. Beides mag zwar nicht unbedingt zusammenhängen, Tatsache aber ist: Kindergartenplätze sind im Landkreis knapp, neue Einrichtungen nicht so schnell gebaut wie ein Storchennest. Hinzu kommt der Einschulungskorridor: Bei Kindern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, können die Eltern seit Kurzem frei entscheiden, ob diese zum kommenden oder erst im darauffolgenden Schuljahr eingeschult werden. Zudem hat die Staatsregierung beschlossen, den Kindergartenbesuch bereits im ersten und im zweiten Kindergartenjahr zu bezuschussen. Wie wirkt sich das aus – und reichen die Kindergartenplätze dann künftig aus?

Der Freistaat entscheidet, die Kommunen müssen es umsetzen

„Es sind Entscheidungen, die der Freistaat getroffen hat und die die Kommunen nun umsetzen müssen“, sagt Burgaus Bürgermeister Konrad Barm. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, wenn dies innerhalb sehr kurzer Zeit geschehen müsse. In der Stadt Burgau hätten die Themen Einschulungskorridor und finanzielle Entlastung der Eltern glücklicherweise keine großen Auswirkungen gezeigt. Über steigende Kinderzahlen habe man sich vor Jahren schon Gedanken gemacht und es sei klar gewesen, dass weiterer Bedarf an Kindergartenplätzen bestehe – entgegen früher prognostizierter sinkender Bevölkerungszahlen. Barm nennt Gründe, wie die Infrastruktur der Markgrafenstadt mit ihrer zentralen Lage und Wirtschaft, aber auch, dass immer mehr junge Familien aufs Land ausweichen würden. Die Kindergärten in der Markgrafenstadt sind derzeit voll belegt.

Zu den bereits bestehenden 323 Kindergarten- und 72 Krippenplätzen sollen in den kommenden Jahren 100 weitere Plätze für Kindergarten- und 30 für Krippenkinder hinzukommen. Zur Hälfte im Kindergarten „Purzelbaum“ in Unterknöringen, wo die Stadt Burgau zur Erweiterung der Spielflächen ein Grundstück erwerben konnte, dieselbe Anzahl an Plätzen ist für den Kindergarten Heilig Kreuz, dessen Träger die katholische Kirche ist, geplant. Dieser soll durch einen Neubau ersetzt werden – die wirtschaftlichere Lösung als eine Generalsanierung, wie Barm erklärt. Die Kindergarten- und Krippenkinder sind während dieser Zeit in Pfarrhaus und Pfarrheim in Unterknöringen untergebracht. Weiter ist rund eine Million Euro für den Ausbau der Funktionsräume im städtischen Kindergarten Burgau vorgesehen.

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Burgaus Antwort auf die Nachfrage

Im kommenden Kindergartenjahr soll eine weitere Gruppe in die Räume des früheren Jugendtreffs einziehen. Rund 8,5 Millionen Euro inklusive der zu erwartenden Fördermittel möchte die Stadt in den folgenden drei Jahren in die Hand nehmen. „Wir können aus jetziger Sicht allen Nachfragen entgegenkommen“, betont Bürgermeister Barm. Auch sei man in der glücklichen Lage, entsprechend Personal stellen zu können.

Viel Geld hat auch der Markt Offingen für seine Kinderbetreuung bereits ausgegeben. Mit Gesamtkosten in Höhe von mehr als vier Millionen Euro hat dort vor zwei Jahren das BRK-Kinderhaus Glücksstern eröffnet. Zusammen mit dem Kindergarten St. Ursula in Schnuttenbach, ebenfalls unter der Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes, verfügt der Markt über insgesamt 165 Kindergarten- und 45 Krippenplätze. „Eine hohe Zahl für eine Kommune wie Offingen“, sieht es Bürgermeister Thomas Wörz. Man habe in den vergangenen Jahren vorausschauend und sehr großzügig geplant, um den steigenden Betreuungsbedarf abdecken zu können. Derzeit seien beide Kindergärten ausgelastet. Im Offinger Kindergarten bestünde die Möglichkeit, kurzfristig eine zusätzliche Kindergarten- oder Krippengruppe mit 15 bis 20 weiteren Plätzen einzurichten. Von einer Not könne man also nicht sprechen. Die spannende Frage sei eher die, ob künftig genügend Personal zur Verfügung stehe. Auch Wörz verweist auf den allgemeinen Mangel an Fachkräften in den Erziehungsberufen, unter anderem durch die lange Ausbildungszeit bei relativ geringem Verdienst. Der Staat habe zu spät darauf reagiert, den Beruf des Erziehers attraktiver zu machen.

Offingen rechnet mit weiterem Zuzug

Auch in Offingen wird es künftig mehr Kinder geben. „Wir merken es bereits“, so Wörz im Hinblick auf die gute Infrastruktur des Marktes. Derzeit plane man ein Baugebiet mit 50 neuen Bauplätzen und innerorts entstünden weitere zehn. Damit sei mit steigendem Zuzug und auch weiteren jungen Familien zu rechnen. Auswirkungen durch den Einschulungskorridor oder durch die finanzielle Entlastung habe es in Offingen zwar kaum gegeben, das könne sich in den kommenden Jahren allerdings ganz schnell ändern. Man werde das auch künftig meistern, auch wenn es unterm Strich eine Riesensumme an Geld koste. „Es wird spannend werden“, so Wörz.

Die Gemeinde Kammeltal nimmt für ihre Kinderbetreuung in den drei gemeindlichen Kindergärten in Ettenbeuren, Behlingen und Wettenhausen mit insgesamt 135 Kindergarten- und 15 Krippenplätzen ebenfalls viel Geld in die Hand. Derzeit wird das Gebäude, in dem sich der Kneipp-Kindergarten in Wettenhausen befindet, für rund 1,8 Millionen Euro generalsaniert. Die Kinder haben während dieser Zeit im Kloster ein Ausweichquartier bezogen. Zu den bestehenden beiden Kindergartengruppen soll dann noch eine Krippengruppe hinzukommen.

Herausforderung für die Gemeinde Kammeltal

Man könne von einer Vollauslastung – dazu seien Kindergärten ja auch da – sprechen und es sei eine Herausforderung, erklärt Bürgermeister Mathias Kiermasz. Dort habe sich mit hohen Anmeldezahlen übrigens auch der Einschulungskorridor bemerkbar gemacht. Von elf Kindern, bei denen die Möglichkeit bestand, ein weiteres Jahr im Kindergarten zu verbringen, machten bei sechs die Eltern davon Gebrauch. Letztlich habe sich die Situation unter anderem durch die verschiedenen Anwesenheitszeiten entzerrt und sie werde sich mit dem „Einmaleffekt“ künftig einpendeln, erklärt Kiermasz. Die eingeführten Beitragsfreiheiten hätten dagegen nicht zu irgendwelchen Aufbuchungen geführt.

Kammeltal sei eine kleine Gemeinde mit relativ stabilen und konstanten Geburtenzahlen im Vergleich zu größeren Kommunen. Das Hildesheimer Modell sage aus, dass das Angebot für die kommenden zehn Jahre ausreichen werde und man habe zudem vor Kurzem eine weitere Erzieherin gewinnen können. Man könne die Wünsche erfüllen und es sei gut vorgeleistet worden. „Aber auch wir müssen viel Geld in die Hand nehmen“, betont Kiermasz.

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