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Landkreis Günzburg

09.06.2020

Mähdrescher und Schaufel: Von kuriosen Spitznamen im Fußball

Wahrlich ein Riesenkerl ist Waldemar Schaab, Innenverteidiger des SC Ichenhausen. Seinen Trainer Oliver Unsöld, einst Profi-Verteidiger beim SSV Ulm 1846, überragt er locker. Ein Gerücht ist allerdings, dass er seinen Spitznamen „Mähdrescher“ allein aufgrund seiner schieren Kraft trägt.
Bild: Walter Brugger

Plus Statur, Spielstil oder Starkult: Wie Kicker aus dem Landkreis Günzburg zu ihren Spitznamen kamen. Manchmal ist die Erklärung sogar ziemlich simpel.

Mal sind sie knackig kurz, selten bestehen sie aus zwei oder gar mehreren Wörtern. Zuweilen kommen sie wirklich lustig daher oder schmeicheln dem Dekorierten, in anderen Fällen wirken sie aufs erste Hinhören beinahe beleidigend. Entsprechend ungehalten reagieren manche Zeitgenossen auf sie, fühlen sich durch eine besonders hintergründige Formulierung vielleicht sogar in ein schlechtes Licht gerückt. Andere machen ein positives Markenzeichen daraus. Nachvollziehbar: Noch viele Jahre nach deren aktiven Laufbahnen weiß jeder Fußball-Fan, welcher frühere Profi mit „Kaiser“ gemeint ist und wer die Bezeichnung „Kugelblitz“ trug. Auch in vielen anderen Fällen wurden die irgendwann von irgendwem flapsig dahingeworfenen Bezeichnungen regelrecht in Stein gemeißelt. Die Rede ist von Fußballern und ihren Spitznamen.

Die meisten Spitznamen – da bilden die Fußballer im Landkreis Günzburg keine Ausnahme – leiten sich von teilweise deutlich längeren Klarnamen ab, sind häufig nur Verkürzungen derselben. So wird aus Mittelfeldspieler Andreas Mühleisen von Eintracht Autenried kurz „Mühli“, Abwehrspieler Stefan Ostertag vom SV Mindelzell rufen seine Kumpels „Osti“, Torwart Tobias Konrad (SpVgg Wiesenbach) wird „Konne“ genannt und Verteidiger Florian Christel (SG Kammeltal) ist „Fox“.

Für den beim Landesligisten SC Ichenhausen spielenden Waldemar Schaab steht fest: „Spitznamen gehören zum Mannschaftssport und sorgen auch für eine bessere Identifikation mit dem Verein.“ Der Innenverteidiger ist ein Experte auf dem Gebiet, er hat schon einige Spitznamen erfunden. So verdankt ihm Francois Akpaloo, Angreifer des Bezirksligisten SC Bubesheim, die Bezeichnung „Schaufel“.

Mähdrescher und Schaufel: Von kuriosen Spitznamen im Fußball

Eine ganz schön kernige Namensschöpfung

Wie es dazu kam? Als sich die Sportler zum ersten Mal auf dem Platz begegneten, traten beide den Ball noch in anderen Farben: Schaab stand in Bubesheim unter Vertrag, Akpaloo beim SV Stadtwerke Augsburg. An einer Szene dieser Partie hatte der Abwehrspieler anschließend lange zu knabbern. Schaab erinnert sich: „Er hat mich kurz mal weggeschoben, was bei mir ja fast unmöglich ist – und dann hat er das Ding reingemacht.“ Kurz danach kam Akpaloo zum Vorspielen nach Bubesheim. Schaab schaute sich das ganz genau an und stellte fest: „Der schießt ja gar nicht richtig. Das ist ja eher ein Schaufeln.“ Das Etikett war geboren.

Natürlich wurde auch Schaab ein Spitzname verpasst. In seinem Fall besitzt SCI-Kapitän Marco Schlittmeier das Urheberrecht auf die kernige Namensschöpfung „Mähdrescher“. Treffend ist das sicher, allein schon angesichts der körperlichen Präsenz von Schaab. Der 30-Jährige akzeptiert das Alias auch humorvoll und erklärt: „Wer austeilt, muss auch einstecken können.“

Es geht auch filigraner

Dasselbe dachte sich Schlittmeier, als Schaab sein erstes Spiel im königsblauen Trikot absolvierte. Der Innenverteidiger schildert die entscheidende Situation so: „In irgendeinem Zweikampf hat es halt geknallt. Danach hat Schlittmeier festgestellt, wo ich drüber bretter, wächst so schnell kein Gras mehr. Und er hat gesagt, okay, du bist ab jetzt der Mähdrescher.“

Filigraner geht Veli Duran vom Kreisligisten TGB Günzburg zu Werke. Über seinen erfahrenen Defensivspieler sagt Trainer Tayfun Yilmaz gar, er sei das Gehirn der Mannschaft. Dazu passt der Spitzname „Brain“ (englisch für Gehirn), den der 29-Jährige entsprechend stolz trägt. „Das motiviert mich“, betont Duran. Aber wie kam er zu dieser Bezeichnung?

Trägt das Trikot mit der Nummer 7 und ist ein großer Fan von Superstar Cristiano Ronaldo: André Reisinger (SpVgg Krumbach). Seinen Spitznamen „AR7“ führt er mit Stolz – unter anderem auf seinem Autokennzeichen.
Bild: Walter Brugger

Beinahe das Leben einer Eintagsfliege

Ausschlaggebend war die Klangähnlichkeit zum Namen des englischen Profis Leighton Baines, der beim FC Everton Außenverteidiger spielt. Dazu Duran: „Vor fünf Jahren ungefähr haben wir uns innerhalb der Mannschaft immer mit Profinamen angesprochen. Aus Baines wurde dann Brain“. Auch, weil dieser Name einfach zu ihm als technisch starkem Spieler passt. Die Sache funktioniert bei TGB übrigens auch andersrum: Einen Mitspieler, der in einer bestimmten Spielszene mit guter Ballkontrolle glänzt, lobt Duran schon mal für eine „Brain-Annahme“.

Beinahe das Leben einer Eintagsfliege führte dagegen jene Bezeichnung, die sich Peter Ost während der Vorbereitung auf eine Frühjahrsrunde eingehandelt hatte. „El Quampo“ tauften seine Kicker-Kumpel bei der SpVgg Ellzee den Abwehrspieler. Die Wortähnlichkeit mit der bayerische-schwäbischen „Wampe“ war gewollt, selbst der Fußballer sagt im Rückblick grinsend: „Damals hatte ich über die Winterpause ein bisschen zugenommen. Das hat nicht so bleiben können.“

Ein weltberühmtes Vorbild

Für Ost war der Spitzname nur eine spaßhafte Bezeichnung und heute nennt ihn auch niemand mehr so. Sein Trainer Walter Zachwey beispielsweise kannte die Geschichte mit „El Quampo“ gar nicht. „Für mich ist das der Peter“, sagt er.

Ein weltberühmtes Vorbild spendierte die Vorlage zum Spitznamen von André Reisinger. Der Mittelfeldspieler der SpVgg Krumbach läuft als „AR7“ über die Spielflächen der Kreisklasse West 1. Wer dabei an Cristiano Ronaldo alias „CR7“ denkt, liegt richtig: Der Portugiese ist aus Reisingers Perspektive „mit Abstand der beste Fußballer der Welt“ und entsprechend viele Andenken an sein Idol hat der 27-Jährige im Lauf der Zeit gesammelt. Unter anderem kauft sich Reisinger jedes Jahr ein neues Ronaldo-Trikot. Doch damit nicht genug: AR7 begleitet ihn inzwischen unter anderem als Auto-Kennzeichen. Selbstredend trägt er auch die Trikotnummer 7. „Ich habe vor meinem Wechsel nach Krumbach aus Spaß gesagt: Wenn ich zu euch komme, will ich die Nummer 7 mitnehmen. Die habe ich bestimmt schon zehn Jahre, egal in welchem Verein.“

Eine naheliegende Lösung

Ebenfalls ein Superstar der internationalen Szene stand bei Dennis Vogele Pate: Der Abwehrspieler des TSV Burgau hört auf den schönen Namen „Baggio“. Was weder etwas mit einem berühmt gewordenen, verschossenen Elfmeter zu tun hat noch mit seinen fußballerischen Talenten, wie er betont. Ganz so gut wie Roberto Baggio sei er dann doch nicht, beantwortet Vogele entsprechende Fragen grinsend.

Zurückzuführen sei sein Spitzname vielmehr auf den damaligen Trainer des SV Ettenbeuren, Frank Schmuderer, berichtet der 23-Jährige. „Ich kam dort aus der Jugend raus und plötzlich hatten wir zwei Dennis in der Mannschaft. Da haben sich immer zwei umgedreht, wenn der Trainer was gesagt hat. Das ging dem ziemlich schnell auf den Sack und aufgrund meiner italienischen Wurzeln ist ihm Baggio in den Kopf gekommen.“ Vogele hatte nichts dagegen einzuwenden. Und sein Mitspieler? „Der hieß weiter Dennis.“

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