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Landkreis Günzburg

18.06.2020

Viele Gäste meiden aus Angst vor Corona Restaurants

Noch bis Dienstag war es verboten, dass sich mehr als zwei Haushalte treffen. Diese Regelung hat sich nun geändert – sehr zur Freude der Gastronomen. Doch das ist nicht die einzige Neuerung.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Gastronomen im Kreis Günzburg sind trotz der Corona-Lockerungen noch weit vom Normalbetrieb entfernt. Warum sie seit wenigen Tagen wieder Hoffnung schöpfen.

Die Pressekonferenz von Markus Söder am Dienstag war das Signal, auf das viele Gastronomen gewartet haben. Als einen großen Schritt in die richtige Richtung wurde sie von vielen bezeichnet. Denn viele Beschränkungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus wurden vom bayerischen Ministerpräsidenten aufgehoben. Doch vollste Zufriedenheit herrscht bei den Gastronomen im Landkreis Günzburg noch nicht, denn so manche Auflage behindert auch in Zukunft weiter den Normalbetrieb.

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat es im Bereich Gaststätten eine Vielzahl an Beschränkungen gegeben. Zunächst durften keine Gäste mehr in den Restaurants bedient werden, ab dem 18. Mai durften immerhin wieder Biergärten und Außenbereiche bis 20 Uhr öffnen. Innenbereiche waren erst ab dem 25. Mai wieder geöffnet – diese allerdings bis 22 Uhr. Gegen die unterschiedlich langen Öffnungszeiten wurde geklagt – erfolgreich. Die Bayerische Staatsregierung zog nach einer Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts Augsburg die eigentlich für Dienstag, 2. Juni, geplante Verlängerung der Öffnungszeiten für alle gastronomischen Außenbereiche auf Freitag, 29. Mai, vor. Seitdem darf auch die Außengastronomie wieder bis 22 Uhr öffnen. Doch damit nicht genug: Ab Montag, 22. Juni, dürfen Restaurants – egal ob im Freien oder nicht – bis 23 Uhr öffnen. Diese Lockerung betrachtet Helmut Seiler, Geschäftsführer des Hotels und Restaurants Sonnenhof in Thannhausen, gleichgültig: „Mir haben die 22 Uhr auch gereicht. Danach ist eh keiner mehr da.“

Corona-Lockerungen als Schritt in die richtige Richtung

Die Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Günzburg, Ingrid Osterlehner, die zusammen mit ihrer Familie den Gasthof Sonne in Röfingen betreibt, bezeichnet die 23-Uhr-Regelung als „Schritt in Richtung unserer Zufriedenheit“. Sie bezeichnet die nun geltende Sperrstunde als relativ kleinen Punkt. „Die Anzahl der Personen war der Knackpunkt“, sagt Osterlehner. Und auch in dieser Hinsicht gibt es Änderungen.

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Seit Mittwoch dürfen sich wieder Gruppen von bis zu zehn Personen im öffentlichen Raum treffen – bislang waren solche Treffen auf Angehörige zweier Haushalte beschränkt. Mathias Ihle ist Geschäftsführer des Waldvogels in Leipheim; für ihn ist diese Lockerungsmaßnahme am wichtigsten. „Es gab bei vielen Menschen eine wahnsinnige Verunsicherung, wer mit wem kommen darf“, sagt Ihle. Selbst bei sonnigem Wetter sei das Besucheraufkommen im Waldvogel noch sehr verhalten gewesen – von einer angezogenen Handbremse spricht der Geschäftsführer. Viele potenzielle Gäste hätten Angst, dass sich beispielsweise die Oma anstecken könnte und gingen deshalb erst gar nicht in ein Restaurant. Ähnliche Erfahrungen machte Helmut Seiler vom Sonnenhof: „Wir haben sehr viel ältere Gäste und die sind teilweise total überfordert mit dem Eintragen zu Beginn des Besuchs und dem Mundschutz tragen. Sie bleiben dann lieber daheim. Und die meisten jungen Leute haben sich schon daheim beinahe wie in einer Wirtschaft eingerichtet.“ Dazu zählen beispielsweise ein großer Grill und eine riesige Auswahl an Getränken.

Ab Montag sind im Landkreis Günzburg Feiern mit bis zu 50 Personen im Innern erlaubt

Eine weitere Lockerung, die ab Montag in Kraft tritt, betrifft Familienfeiern. Geburtstage, Beerdigungen, Hochzeiten, Abschlussfeiern oder Vereinssitzungen mit 50 Personen im Innern und mit 100 Personen im Freien sind ab nächster Woche wieder möglich. Wegen der bevorstehenden Kommunion sind in den Restaurants in den vergangenen Tagen bereits mehrere Reservierungsanfragen eingegangen, berichtet Ingrid Osterlehner. Nun könne sie diese Anfragen bestätigen. „Das ist das, was wir brauchen“, kommentiert Seiler die Lockerung. Da größere Feiern wegen der vielen Einladungen meist einen Vorlauf von mindestens einem Monat haben, hofft er auf einen annähernden Normalbetrieb ab Mitte Juli.

In einem Punkt sind sich die drei Gastronomen einig: Hochzeitsfeiern sind im Normalfall aus mehreren Gründen noch nicht möglich. „Die dauern in Bayern traditionell bis 24 Uhr und das geht noch nicht“, sagt Osterlehner. Und Mathias Ihle führt die Personengrenze als Kriterium an: „Hochzeiten sind selten unter 100 Personen. Wir hoffen dementsprechend, dass es zügig wieder nach oben geht.“ Eine solche Erhöhung hat Ministerpräsident Söder nach zwei Wochen angedeutet; falls die Infektionszahlen dies zulassen. Es bestehe also Hoffnung für die zum Teil noch nicht abgesagten Hochzeitsfeiern im August und September.

Gastronomen aus dem Landkreis Günzburg sind über jede Lockerung froh

Bei all den noch offenen Wünschen sind die Gastronomen um jede Erleichterung froh. Eine komplette Öffnung von einem Tag auf den anderen – so wie in Thüringen – wäre aus ihrer Sicht unverantwortlich. „Erhoffen tut man sich immer mehr, aber die Gesundheit geht vor. Es hat keinen Wert, wenn wir mit den Lockerungen unvorsichtig werden“, mahnt Osterlehner. Denn eine erneute Ausbreitung des Virus möchte niemand.

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