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Ausbildung

23.11.2016

Wie Schule und Wirtschaft zusammen gehen

Wo soll es für junge Menschen hingehen? Patenschaften zwischen Schulen und Unternehmen helfen allen Seiten.
Bild: Alexander Kaya

Immer mehr Schulen und Unternehmen schließen Partnerschaften. Was das beiden Seiten bringt.

Eine echte Win-win-Situation soll sie sein, die Schulpartnerschaft. Die Erfindung der IHK in Zeiten akuten Fachkräftemangels setzt auf eine verstärkte Kooperation zwischen Schule und Unternehmen, um damit Lehrern und Schülern einen vertieften Einblick in die Berufswelt zu ermöglichen und junge Menschen frühzeitig an ein Unternehmen heranzuführen. Auch im Landkreis Günzburg nutzen immer mehr Schulen das Bausteinkonzept der IHK Schwaben, um ihren Schülern einen gelungenen Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen.

Jüngst haben die Krumbacher UTT mit der ortsansässigen Realschule und Kögel Burtenbach mit der Realschule in Thannhausen entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet. Schon seit zwei Jahren hat die Jettinger Mittelschule als erste im Landkreis eine Partnerschaft mit Ludo Fact begründet. In naher Zukunft sind weitere Partnerschaften geplant. Auch Gymnasien wollen mitmachen.

Das Projekt soll jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich vorab über die Arbeitssituation in einem Betrieb zu informieren, um Fehlentscheidungen zu minimieren. Mit Bewerbertraining, gemeinsamen Veranstaltungen von Unternehmen und Schule, Führungen und Austausch auch zwischen Schülern und Azubis soll eine enge Beziehung aufgebaut werden. Wie Marcus Langguth, Rektor der Christoph-von-Schmid-Realschule, betonte, profitieren auch die Lehrer von der Partnerschaft. Die müssen über sich stets ändernde Anforderungsprofile informiert sein, die feinen Differenzierungen zwischen Schul- und Arbeitszeugnis kennen. Dazu benötigen sie einen vertrauensvollen Kontakt in die Wirtschaft. Ein Bewerbertraining von einem Personaler wird mehr Effizienz haben als das Üben einer Bewerbung im Schulunterricht. Betriebsführungen für Lehrer zeigen, worauf in der Praxis besonderer Wert gelegt wird.

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Langguth schwärmt von der fächerübergreifenden Projektarbeit, die ein dualer Kögel-Student mit Achtklässlern durchgeführt hat. Eine Hausmesse, die er vom theoretischen Plan über die Organisation bis zur Durchführung gemeinsam mit den Schülern auf die Beine gestellt hat. Dennoch ist für den Thannhauser Schulleiter die Partnerschaft mit Kögel nur ein Aspekt unter vielen. „Wir haben einen allgemeinen Bildungsauftrag und müssen auch Werte vermitteln. Die Berufsorientierung kommt da als weiterer Baustein dazu. Wir erwarten uns von Kögel, dass uns das Wirtschaftsunternehmen Rückmeldungen an Schüler und Lehrer gibt. Der reguläre Unterricht wird dadurch nicht beeinträchtigt. Die partnerschaftlichen Beziehungen sollen in die bereits im Lehrplan für die Berufsorientierung vorgesehenen Unterrichtseinheiten integriert werden.“

Die Investitionen bringen auch den Unternehmen Vorteile. Ausbildungsplätze zu besetzen wird immer schwieriger. Schüler, die nicht wissen, was im Arbeitsleben auf sie zu kommt, entscheiden sich nicht selten für den falschen Beruf. Abgebrochene Ausbildungen sind teure Investitionen ohne Rendite.

Celia Rosenstock, Personalleiterin bei UTT, hat von sich aus die Initiative ergriffen und die IHK gebeten, den Kontakt zur Realschule Krumbach herzustellen. Dabei hätte es nach ihrem Geschmack sogar noch schneller gehen können. Doch die Nachfrage nach Schulpartnerschaften ist derzeit so groß, dass sich die Interessenten gedulden müssen. Doch UTT will jetzt durchstarten. Wie Geschäftsführer Wilfried Trumpp versicherte, sind junge Leute bei dem internationalen Unternehmen willkommen, dabei zählen nicht gute Noten. Entscheidend sei das „Ich will“. Mit dem Kooperationsvertrag mit Krumbachs Realschule hofft das Unternehmen, Auszubildende zu gewinnen, die sich begeistern lassen. Dafür wollen Celia Rosenstock und Ausbildungsleiter Ümit Yildiz ein ganzes Aktions- und Angebotspaket schnüren, in das auch der Betriebsrat eingebunden ist. So können potenzielle UTT-Azubis das Unternehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfahren. „Großen Wert legen wir auch auf gute Kontakte zwischen unseren Auszubildenden und den Realschülern. Denn die kommunizieren offen miteinander.“ Das Unternehmen investiert auch in Bewerbertrainings in den 9. Klassen, informiert Lehrer in speziellen Betriebsführungen über die unterschiedlichsten Berufsfelder, die im Unternehmen abgedeckt werden, und präsentiert sich einen Tag lang bei der Jobbörse der Schule.

Rudolf Kögler, Schulleiter an der Krumbacher Realschule, freut sich über die Professionalisierung der Beziehungen zu UTT. Mit dem geschlossenen Vertrag verpflichten sich beide Seiten zu einer dauerhaften und nachhaltigen Beziehung, deren Ausgestaltung aber flexibel gestaltet wird. Die IHK gibt einen Maßnahmenkatalog vor, der aber nur als Vorschlagsliste anzusehen ist. Nach jedem Schuljahr sollen in einem Gespräch Erwartungen, Ziele und neue Ideen diskutiert werden. Rudolf Kögler schätzt besonders, dass die Vereinbarung mit UTT auch Praktikumsplätze beinhaltet.

Den Nutzen, den die Schule aus der Schulpartnerschaft ziehen kann, sieht ihr Leiter nicht zuletzt in der praxisnahen Berufsinformation und -vorbereitung, über die der Übertritt vom Schul- ins Berufsleben verbessert werden kann. Positiv sieht Kögler auch die Tatsache, dass Lehrer, Schüler und Eltern gleichermaßen in das Konzept eingebunden sind.

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