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Landkreis Günzburg

21.12.2016

Zugriff auf die künstliche Welt mit einer besonderen Brille

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Wie geht das mit der Virtual Reality? GZ-Redakteur Ronald Hinzpeter hat sich die High-Tech-Brille aufgesetzt und sich in der künstlichen Welt vorangetastet. Dabei half ihm Unternehmensgründer Kai Thomas (links).
Bild: Bernhard Weizenegger

Wie ein junges Unternehmen aus Leipheim mit Virtual Reality Abstraktes fassbar macht und warum da ein Golf im Büro steht.

Da wäre schon mal der Firmenname: XCYDE heißt sie – und das sieht aus wie ein veritabler Zungenbrecher. Ist es aber nicht, denn englisch ausgesprochen werden die fünf rätselhaften Buchstanden zu „Excite“, was sich etwa mit „begeistern“ übersetzen lässt. Einerseits gibt dieses kleine Spiel mit Buchstaben einen Hinweis auf den Firmensitz, das XLNC-Gebäude auf dem Areal pro bei Leipheim. Diese vier Buchstaben wiederum ergeben „excellence“, also zu Deutsch etwa „hervorragende Qualität“.

Andererseits befasst sich XCYDE mit einem Geschäftsfeld, auf dem sich zumindest im weiten Umkreis kaum jemand tummelt, der „Virtual Reality“ (VR) also der Virtuellen Realität. Die entsprechenden Brillen, mit denen sich komplett in eine künstliche Welt eintauchen lässt, werden an Weihnachten wohl unter vielen Christbäumen liegen, um ein noch lebensechteres Zockergefühl an der Spielekonsole zu vermitteln. Was XCYDE tut, hat nichts mit Freizeitbeschäftigung zu tun, sondern sehr viel mit Maschinenbau.

Der Unternehmensgründer und geschäftsführende Gesellschafter Kai Thomas bezeichnet sich als technologisch affinen Menschen – und er ist einer, der gerne Neues wagt. So hat er bereits die Kreativagentur Thomas in Günzburg aus der Taufe gehoben sowie die Re’flekt GmbH in München. Mit XCYDE will er die digitale Revolution in Unternehmen vorantreiben. Seine Firma, zu der ein Dutzend Mitarbeiter gehört, bietet unter anderem sogenannte 360° Virtual Reality Apps. Damit lassen sich Bauteile dreidimensional nicht nur darstellen, sondern auch anfassen, bewegen, einpassen. Das ist ein Quantensprung gegenüber den üblichen CAD-Animationen, denen der Betrachter sozusagen distanziert gegenüber steht.

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Es gibt ganz neue Möglichkeiten

Nun lassen sich die Dinge in die Hand nehmen. Der Ingenieur kann mithilfe der Anwendung (und einer VR-Brille auf dem Kopf) sozusagen direkt in den Motor hineinsteigen und sich die Teile betrachten. So lässt sich auch zeigen, wie eine Maschine, die es bisher nur in der Planung gibt, später einmal in voller Größe tatsächlich vor einem steht. Früher habe es immer mal wieder Probleme mit chinesischen Kunden gegeben, erzählt Thomas, die in Deutschland anhand der CAD-Zeichnung eine Maschine bestellt hatten – und sich später beschwerten, sie sei zu groß. Thomas: „Das kann so nicht mehr passieren. Jetzt kann man auch die Bedienung erproben.“ Er spricht von einer „menschenzentrierten Software.“

Das wiederum eröffnet neue Trainingsmöglichkeiten, wie Thomas erklärt. Etwa für die Produktion in staubfreien Reinräumen. Wenn die Mitarbeiter eingelernt werden und dann jedes Mal eine gut halbstündige Prozedur über sich ergehen lassen müssen, um überhaupt an ihren ultrasauberen Arbeitsplatz zu gelangen, sei schon wieder ein Teil der erworbenen Informationen versickert, sagte Thomas. Würden die Mitarbeiter jedoch vorher in der virtuellen Realität geschult und hätten die Möglichkeit Routine bei den Handgriffen zu gewinnen, bringe das eine Effizienzsteigerung von rund 40 Prozent.

Auch Audi ist Kunde

Zu den Kunden des jungen Unternehmen gehören bereits regionale und überregionale Größen wie Audi, der Burgauer Autozulieferer Klimmer oder die Stadtwerke Ulm, für die XCYDE eine Darstellung des geplanten Gaskraftwerks auf dem Areal pro erarbeitet hat.

Bister ist die Firma noch relativ klein. Sie nimmt für sich in Anspruch, entsprechend hochflexibel zu sein – anders als die Abteilungen großer Unternehmen, die auch technologisch oft hintendran seien. „Wir sind superagil und finden Lösungen“.

Allerdings möchte Thomas mit seinem Start up rasch größer werden, doch damit stößt er an Grenzen: Er findet kaum geeignete Mitarbeiter. „24 brauche ich, einen habe ich bekommen“, sagt er. Woran das liegt? Wohl nicht zuletzt am Sog der Großstädte, die jungen hochgebildeten Menschen angeblich bessere Möglichkeiten bieten, weil dort die Top-Softwarefirmen sitzen. Doch das Gute liege sehr nahe, eben auch in Leipheim. Deshalb versucht Firmenchef Thomas nicht nur mit einem attraktiven Arbeitsplatz und „hundertprozentig flexiblen Arbeitszeiten“ sowie der modernstmöglichen Ausstattung zu locken, sondern auch mit etwas, das Google seinen Leuten bietet: ein kostenloses Fitness-Studio. Das liegt direkt unter dem Büro-Stockwerk. Das ist offen gestaltet, mit leichten Dschungel-Elementen und einer Art Telefonzelle, wie es sie garantiert nicht mal bei Apple gibt: Mitten im Raum steht ein alter roter Golf aus der ersten Bauserie. Wer Ferngespräche führen will, kann sich in den Oldtimer zurückziehen.

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