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Landkreis Neu-Ulm / Babenhausen

25.11.2018

Die Region bekommt hohen Besuch aus Nahost

Am rechten Bildrand ist Elias Chacour zu sehen. Der Geistliche besucht nun die Region, unter anderem Babenhausen, Kellmünz und das Ulmer Münster.
Bild: jwh mda/epa/Jim Hollander

Plus Am Montag kommt der ehemalige Erzbischof von Galiläa in Babenhausen an. Ihn erwartet ein volles Programm – auch im Kreis Neu-Ulm. Was er alles vorhat und wo man ihn treffen kann.

Für die kommenden Tage hat sich in Babenhausen und der Region hoher Besuch angemeldet. Der emeritierte Erzbischof von Galiläa, Elias Chacour, besichtigt den Fuggermarkt zusammen mit einer Reisegruppe aus Israel. Auf dem Plan stehen auch einige Stopps im Landkreis Neu-Ulm, in Memmingen und in Augsburg. Auch Bürger haben in den kommenden Tagen die Gelegenheit, den Geistlichen zu treffen und mit ihm zu sprechen.

Chacour wurde 1939 in Israel geboren. Er war Bischof der melkitisch griechisch-katholischen Kirche, die zu den katholischen Ostkirchen gehört, und gilt als eine Art Gegenpol im Nahost-Konflikt. So engagierte er sich als Christ in seinem Heimatland mehrfach für Belange arabischer Israelis – oft gegen den Widerstand der örtlichen Behörden. Unter anderem wird ihm der Bau der ersten arabisch-christlich-israelischen Hochschule in Israel, der Mar-Elias-Universität in Nazareth, zugeschrieben.

Auf Einladung einiger Schulleiter und Bürgermeister aus der Region kommt Chacour nun nach Schwaben. An der Organisation des Besuchs war auch der Direktor der Babenhauser Realschule, Martin Rister, beteiligt. Seine Schule hegt schon seit einigen Jahren über ein Austauschprogramm Kontakte nach Israel. So besuchten, wie berichtet, einige Schüler erst im April das Land. Und Rister selbst war ebenfalls schon mehrfach dort. Bei einem dieser Besuche, so erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion, hätten er und die anderen Gäste einen christlichen Mann getroffen, der in einer Moschee betete – ein für Europäer eher ungewöhnliches Bild. „Wir waren da erst einmal ziemlich verwirrt“, erzählt Rister. Der Mann war Elias Chacour. „Uns wurde erst viel später klar, wer da eigentlich neben uns saß.“ So war der Kontakt geboren – jetzt kommt Chacour zum Gegenbesuch.

Rister ist für die kommenden Tage vor allem eines wichtig: „Chacour ist Christ, Israeli und Palästinenser in einem und verbindet so drei Weltreligionen.“ Damit setze er ein Zeichen für Religionsfreiheit, Menschenrechte und Offenheit gegenüber anderen Kulturen – auch wenn er dafür gewisse Grenzen überschreiten müsse. „Das ist mir persönlich sehr wichtig“, sagt der Schulleiter.

Babenhausen bis Ulmer Münster: Straffes Programm für den ehemaligen Erzbischof

Untergebracht ist der Geistliche aus dem Nahen Osten in Babenhausen. Schon am Montag Nachmittag kommt er an. In den folgenden Tagen steht dann für die Reisegruppe um den Geistlichen einiges auf dem Programm: Am Dienstag hält er eine Rede vor den Schülern der Babenhauser Realschule und besichtigt die Stadt Memmingen. Tags darauf folgt eine öffentliche Andacht im Ulmer Münster, wo knapp 1500 Menschen verschiedenen Glaubens erwartet werden. Dass das ausgerechnet unter dem höchsten Kirchturm der Welt stattfindet, ist Rister zufolge kein Zufall: „Wir wollen bewusst Grenzen überschreiten und ins protestantische Ulm gehen.“

Auch der Weihnachtsmarkt und die Stadt Ulm stehen danach auf dem Besuchsplan. Die Fuggerei und der goldene Saal in Augsburg folgen wiederum am Donnerstag.

Elias Chacour: Auch Kellmünz steht auf dem Plan

Am Freitag haben dann Bürger die Gelegenheit mit dem ehemaligen Erzbischof von Galiläa ins Gespräch zu kommen. Ab 17 Uhr ist in Senden ein Treffen mit Chacour möglich. Vorher besucht er Vöhringen und die Firma Wieland. Zudem folgt tags darauf ein Besuch in Ottobeuren und Füssen, bevor es am Sonntag, 2. Dezember, nochmals in den Landkreis Neu-Ulm geht. In der Kellmünzer Martinskirche wird Chacour zusammen mit Pfarrer Thomas Kleinle und Monsignore Horst Grimm eine Messe zelebrieren. Beginn ist um 10.30 Uhr.

Rister jedenfalls freut sich auf den Besuch – das ist ihm im Gespräch deutlich anzumerken. „Ich habe viel in meinem Leben erlebt und einiges gemacht, aber diese Woche toppt alles, was ich je mitorganisiert habe.“ Der Blick über den Tellerrand hinaus, sei eine extrem bedeutende Erfahrung. „Es ist wichtig, auch andere Kulturen kennenzulernen.“ Das habe er am eigenen Leib erfahren. „Die Dinge, die wir damals in Israel gesehen haben, haben mein Weltbild erschüttert.“

Zur Person: Wer ist Elias Chacour?

Elias Chacour ist ein israelisch-arabischer Geistlicher und emeritierter Erzbischof der melkitisch griechisch-katholischen Kirche. Die melkitisch griechisch-katholische Kirche ist eine im Nahen Osten beheimatete und mit der römisch-katholischen Kirche vereinte sogenannte Ostkirche. Aussöhnung zwischen Muslimen, Juden und Christen ist das Lebensthema des 79-Jährigen, der mehrmals für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. 2001 erhielt Chacour den Niwano-Friedenpreis. Eine Auszeichnung, die von einem Komitee aus Buddhisten, Christen und Muslimen verliehen wird. 2003 wurde auf seine Initiative in Nazareth die erste arabisch-christlich-israelische Universität in Israel eröffnet. 2006 wurde er Erzbischof von Akko, Haifa, Nazareth und Galiläa. (zisc)

Wie Schüler aus dem Nahen Osten die Region bereits erlebt haben, lesen Sie hier: Vom Nahen Osten ins Unterallgäu

Und was Babenhausen und Israel verbindet, erfahren Sie hier: Was Babenhausen und Israel vereint

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