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Unterallgäu

06.12.2018

Drei Frauen vergewaltigt: Taten erschüttern das Unterallgäu

Nach den Vergewaltigungen fand am Mittwochabend eine Spurensuche am Rothdachweiher in Babenhausen statt. Zahlreiche Polizisten und die Feuerwehr Babenhausen waren beteiligt.
Bild: Wilhelm Schmid

Plus Am Montag hat sich ein Mann nahe Egg an einer Frau vergangen. Zwei Tage später kam es zu brutalen Übergriffen am Rothdachweiher in Babenhausen.

So richtig glauben will am Donnerstag niemand den Nachrichten, die sich wie ein Lauffeuer im Ort verbreiten. Drei Vergewaltigungen sollen sich in dieser Woche ereignet haben. In Egg? Am Babenhauser Rothdachweiher? Dort, wo im Sommer so viele ihre Abende genießen, eine gute Zeit haben? „Eine Beunruhigung ist im Ort da“, sagt der Babenhauser Bürgermeister Otto Göppel gegenüber unserer Redaktion. Die Unterallgäuer Idylle verfinstert sich an diesem Vormittag, als mehr und mehr Details bekannt werden. Umso größer dann die Erleichterung, dass laut Polizei ein „dringend Tatverdächtiger“ festgenommen wurde.

Dem Mann wird vorgeworfen, sich am Mittwochabend in Babenhausen an zwei Frauen vergangen zu haben. Ein Zusammenhang mit dem sexuellen Übergriff am Montagabend in Egg an der Günz (wir berichteten) gilt der Polizei zufolge als „wahrscheinlich“. Der 25-Jährige aus Eritrea wurde am Donnerstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser ordnete Untersuchungshaft an. Die Kriminalpolizei Memmingen hat eine Ermittlungsgruppe zur weiteren Aufklärung der drei Taten eingerichtet.

Tatort 1: ein Weg nahe Egg an der Günz.
Bild: Wilhelm Schmid

Rothdachweiher: Frau wehrt sich mit einer Schere

Die Polizei gab gestern Erkenntnisse zu den Übergriffen in Babenhausen bekannt. Demnach war eine Frau am Nachmittag am östlichen Ufer des Rothdachweihers mit ihrem Hund spazieren. Ein Fahrradfahrer bedrängte sie. Die Frau sperrte daraufhin den Hund in ihr Auto und wollte wegfahren. In diesem Moment warf der Mann sie in den Wagen und verging sich dort an ihr. Das Opfer schaffte es, sich zu befreien und wegzufahren. Zuhause angekommen, verständigte sie die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Diese leitete sofort eine Großfahndung ein.

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15 Bilder
Vergewaltigungen im Unterallgäu: Das sind die Tatorte
Bild: Wilhelm Schmid

Nahezu zeitgleich erreichte die Einsatzzentrale ein weiterer Notruf. Der Anrufer teilte mit, dass er soeben eine schwer verletzte Frau in Babenhausen gefunden habe. Der Polizei zufolge war auch sie bei einem Spaziergang am Rothdachweiher von einem Mann angegangen worden. Er drängte sie in eine der Umkleidekabinen am westlichen Ufer. Dort wendete er laut Polizei „starke körperliche Gewalt“ gegen die Frau an, verletzte sie dadurch und verging sich an ihr.

Die Frau versuchte, sich mit einer Haushaltsschere zu wehren, die sie zufällig dabei hatte. Der Täter und auch das Opfer selbst erlitten blutige Verletzungen, so der Pressesprecher des Polizeipräsidiums, Christian Eckel. Als ein Mann zufällig am Tatort hinzukam, rannte der Sexualtäter davon. „Ich bin selbst entsetzt von der Brutalität“, so Eckel. „Wir sind froh, dass der Zeuge aufmerksam geworden ist.“

Tatort 2: am östlichen Ufer des Rothdachweihers.
Bild: Wilhelm Schmid

Spurensuche am Tatort: Polizisten stellten den mutmaßlichen Täter

Kurze Zeit später war die Fahndung erfolgreich: Polizisten aus Illertissen und Memmingen stellten den mutmaßlichen Täter. Der 25-Jährige räumte laut Polizei zwar ein, vor Ort gewesen zu sein – die Taten selbst aber habe er am Mittwochabend bestritten, erklärt Eckel. Wo der Mann wohnt, will der Pressesprecher aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht bekanntgeben. Er sei jedoch bis dato noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten.

Am Rothdachweiher wurde am Mittwoch gegen 21 Uhr eine umfangreiche Spurensuche eingeleitet. Neben Kriminalpolizei und Schutzpolizei waren insbesondere auch viele Bereitschaftspolizisten im Einsatz, so Beobachter. Ein Polizeihubschrauber kreiste zur Unterstützung über dem Fuggermarkt. Auch die örtliche Feuerwehr wurde alarmiert. Wie Kommandant Reinhard Liedel berichtet, waren rund 20 Feuerwehrleute im Einsatz.

Zunächst habe man sich auf dem nahegelegenen Parkplatz eines Supermarktes mit der Polizei besprochen. Danach beleuchtete die Wehr in zwei Trupps das Gelände, sodass die Polizei es „systematisch absuchen“ konnte. Wie er mit einem solchen Einsatz umgeht? „Das geht jedem nach, das ist klar. Aber es ist ein Einsatz und den muss ich beenden“, sagt Liedel. Seine Erfahrung in der Feuerwehr habe ihn gelehrt, nicht alles an sich ranzulassen, „sonst geht das auf die Psyche“.

Die Aktion dauerte bis kurz vor 23 Uhr. Pressesprecher Eckel sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir haben die ein oder andere relevante Spur gefunden.“ So seien etwa Blutspuren gesichert worden. Mehr wollte er wegen der laufenden Ermittlungen nicht sagen.

Tatort 3: Eine Umkleidekabine am westlichen Ufer des Weihers.
Bild: Wilhelm Schmid

Unterallgäu: Schnell machen Gerüchte die Runde

Auch den Babenhausern blieb nicht verborgen, was im Ort vor sich ging. Bei der Sitzung des Marktrats, die abends im Rathaus stattfand, erfuhr Bürgermeister Göppel von dem Einsatz am Badesee. Die Anwesenden sprachen über Beobachtungen. Offenbar machten auch Gerüchte im Ort die Runde. Wie zu erfahren ist, seien kurzzeitig auch Mutmaßungen über eine Schießerei im Umlauf gewesen.

Am Donnerstagmorgen erhielt Göppel einen Anruf der Polizei, die ihn über die Vorkommnisse informierte. „Das sind Taten, die man verurteilen muss“, sagt der Bürgermeister und weiter: „Ich kann mich an keinen Zwischenfall in Babenhausen in dieser Art erinnern.“

Im Unterallgäu sind drei Frauen Opfer von sexuellen Übergriffen geworden. Das waren die Tatorte.
Video: Wilhelm Schmid

Wie berichtet, war es bereits am Montag in Egg zu einem Sexualdelikt gekommen. Eine Spaziergängerin wurde auf einem Weg außerhalb des Dorfes von einem Radfahrer überfallen. Er zerrte die Frau laut Polizei in eine Wiese, brachte sie zu Boden und zog sie aus. Dann verging er sich an ihr. Die eingeleitete Fahndung nach dem Vergewaltiger blieb zunächst ohne Erfolg.

Die Frauen wurden bei den Übergriffen verletzt und mussten ärztlich behandelt werden. „Von der seelischen Verletzung, die immens ist, ganz zu schweigen“, betont Pressesprecher Eckel. Deren Alter gibt die Polizei nicht bekannt. Um die Opfer zu schützen, wie es heißt. (mit wis)

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