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Prozess im Unterallgäu

06.09.2019

Mehrere Frauen vergewaltigt? Angeklagter Ali A. bestreitet Vorwürfe

Der Angeklagte Ali A. wurde am Freitag im Prozess von zwei Dolmetschern begleitet.
Bild: Siegfried Rebhan

Im Dezember haben sich vier Übergriffe in drei Tagen ereignet. Seit Freitag steht der Tatverdächtige vor dem Memminger Landgericht. Er sagt, er habe Angst vor Frauen.

Ali A. bestreitet alle Taten, die ihm vorgeworfen werden – obwohl die Beweislast aus Sicht der Staatsanwaltschaft erdrückend ist. Das ist die Erkenntnis des ersten Verhandlungstages um gewalttätige Attacken auf vier Frauen im Dezember im Unterallgäu, für die der Mann aus Eritrea verantwortlich sein soll. Am Freitag fand der Prozessauftakt unter regem Interesse der Öffentlichkeit vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Memmingen statt.

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Wie berichtet, werden Ali A. zwei Vergewaltigungen im juristischen Sinne, eine sexuelle Nötigung sowie eine Nötigung zur Last gelegt, hinzu kommen Körperverletzungen. Die Übergriffe ereigneten sich innerhalb von nur drei Tagen in Egg an der Günz und Babenhausen. Sie hatten in der Region Schrecken und eine tiefe Unsicherheit ausgelöst.

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Der 26-jährige Angeklagte meldete sich am ersten Verhandlungstag immer wieder zu Wort. Über zwei Dolmetscher ließ er unter anderem wissen, „nichts gemacht“, ja sogar „Angst vor Frauen“ zu haben. Ein Dolmetscher übersetzte sinngemäß die Aussage: „Ich kann auch 100 Jahre im Gefängnis sitzen und kann doch nur die Wahrheit sagen.“

Das veranlasste Richter Christian Liebhart zu einem deutlichen Kommentar: „Wir müssen nicht alles glauben, was Sie hier erzählen.“ Staatsanwalt Sebastian Murer sagte, dass es vonseiten der Staatsanwaltschaft angesichts der Ermittlungsergebnisse lediglich darum gehe, wie hoch die Strafe ausfallen wird.

Am Rande des Prozesses sprach er gegenüber unserer Redaktion von einem Strafrahmen, der sich zwischen zwei und 15 Jahren Freiheitsstrafe spanne. Während der Verhandlung wurde auch die Möglichkeit einer Sicherungsverwahrung thematisiert.

Einer der Tatorte in Babenhausen: Ein Mann hatte dort zwei Frauen angegriffen. Eine weitere Attacke ereignete sich in Egg an der Günz. 
Bild: Wilhelm Schmid (Archiv)

Der Angeklagte streitet die Vorwürfe ab

In der Anklageschrift wurden die Geschehnisse im Dezember 2018 zusammengefasst und detailliert geschildert, was für Beobachter ob der Brutalität teils schwer mit anzuhören war. Ali A. soll am 3. Dezember eine Frau, die mit ihrem Hund an einem Feldweg nahe Egg an der Günz Gassi ging, zu Boden gedrückt und sich an ihr vergangen haben. Danach soll er geflüchtet sein. Die Angegriffene sagte – zum Schutz ihrer Intimsphäre – unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Danach war davon die Rede, dass ihre Gegenwehr den Peiniger wohl noch angespornt hatte. Daraufhin habe die Frau in Todesangst diese Versuche eingestellt. Die Fahndung blieb zunächst ohne Erfolg.

Nur zwei Tage später, am 5. Dezember, kam es zu einer weiteren Vergewaltigung in Babenhausen. Der Tatverdächtige soll demnach eine Spaziergängerin, die ebenfalls ihren Hund ausführte, am örtlichen Rothdachweiher angegriffen haben. Er soll die sich wehrende Frau in ihr Auto gezerrt und sie dort mit Gewalt sexuell missbraucht haben. Als sich das Opfer befreite und davonfahren wollte, soll der Täter noch auf die Motorhaube gesprungen sein.

Kurze Zeit danach: ein dritter Übergriff. Laut Anklageschrift drängte Ali A. eine Frau in die Umkleidekabine am Seeufer. Diese wehrte sich, unter anderem mit einer Schere, die sie zufällig dabei hatte. Der mutmaßliche Täter soll sein Opfer massiv gewürgt und mehrmals gebissen haben. Als ein Passant hinzukam, flüchtete der Angreifer. Noch am selben Abend nahm die Polizei Ali A. fest.

In Memmingen hat der Prozess gegen Ali A. (links, blaue Kleidung) begonnen. Er soll mehrere Frauen angegriffen haben.
Bild: Siegfried Rebhan

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Im Zuge der darauf folgenden Ermittlungen stellte sich heraus, dass sich noch ein vierter Vorfall am 5. Dezember ereignet hat: Ali A. soll eine Mitarbeiterin einer Kneipe in Babenhausen in der Damentoilette aufgelauert und sie an den Händen gepackt haben. Diese konnte ihn aber offenbar wegstoßen und ihn aus dem Lokal werfen. Auch diese Nötigung ist Teil der Verhandlung. Die Frau sagte am Freitag aus.

Zu all dem meldete sich Ali A. mehrfach zu Wort. Deshalb ließ sein Verteidiger die Verhandlung einmal unterbrechen. Acht Zeugen sagten am Freitag insgesamt aus, darunter Polizisten, die an den Ermittlungen beteiligt waren. Detailliert aufgearbeitet wurden zunächst die Übergriffe in Egg und in dem Babenhauser Lokal. Am Dienstag, 10. September, wird der Prozess fortgesetzt.

Lesen Sie dazu auch: Angriffe auf Frauen: Wer ist der Angeklagte Ali A.?

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