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Landkreis Günzburg

26.02.2018

Den Flächenfraß eindämmen

Bei der Informationsveranstaltung (von links): Günter Jost vom Verein Bündnis Mensch und Natur, Grünen-Fraktionsvorsitzender Ludwig Hartman, BBV-Kreisobmann Stephan Bissinger und Maximilian Deisenhofer. 

Grünen-Politiker prangert bei einer Infoveranstaltung in Limbach den Flächenverbrauch an. Auch die B16-Umfahrung war ein Thema.

Die Aussage von Ludwig Hartmann, dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag, war klar und deutlich: „Was einmal betoniert ist, ist weg.“ Bei der Informationsveranstaltung am Freitag im Restaurant Stubenweiher in Limbach zeigte er sich selbst überrascht: Der Saal hatte sich in Kürze gefüllt – wer noch kurz vor Beginn gekommen war, musste sich mit zusätzlich herbeigebrachten Stühlen an der Wand begnügen oder er verfolgte die Veranstaltung im Stehen. Die Grünen in Bayern streben ein Volksbegehren gegen den Flächenfraß an.

46000 Unterschriften haben die Unterstützer unter dem Motto „Damit Bayern Heimat bleibt – Betonflut eindämmen“ gesammelt: Das sind 20 000 mehr als notwendig, um ein Volksbegehren auf den Weg zu bringen. „Bayern verliert sein Gesicht – jede Ortseinfahrt sieht gleich aus“, prangerte Hartmann die gegenwärtige Entwicklung an. Die Einwohnerzahl bliebe die gleiche, nur die Fläche, die verdreifache sich. In Bayern gebe es rund 11000 Hektar an Gewerbegebieten, für dessen Flächen sich kein Käufer finde. Seit dem Jahr 2000 habe sich der Flächenverbrauch in einer Größenordnung entwickelt, die zusammen der Größe Münchens, Augsburgs, Nürnbergs und Regensburg entsprächen. Mit einer Zunahme an Siedlungs- und Verkehrsfläche von rund 13,1 Hektar pro Tag und einer Größe von 6700 Fußballfeldern im Jahr sei der Freistaat für etwa die Hälfte der jährlichen bundesweiten Bodenversiegelung verantwortlich.

Man sehe die grüne Wiese und es werde gebaut. Warum nicht nach unten oder nach oben, sondern ebenerdig und in die Breite? Warum ebenerdige Parkplätze anstelle von Parkdecks oder Tiefgaragen? Intelligenter bauen, heiße auch teurer bauen, das sollte es für das Landschaftsbild wert sein. Das Ausweisen von Gewerbegebieten bedeute nicht gleichzeitig gutes Wirtschaftswachstum. Stephan Bissinger, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Geschäftsstelle Günzburg, sah den Flächenverbrauch in der Region ebenfalls kritisch. Was den Verlust an Grund und Boden betreffe, sei seit 1980 Jahren in Schwaben jährlich so viel Fläche verloren gegangen, wie sie in etwa 60 landwirtschaftliche Durchschnittsbetriebe bewirtschaftetet werden. Allein die Ortsumfahrungen Röfingen, Offingen und Burtenbach hätten knapp 60 Hektar beansprucht. Hinzu komme der A8-Ausbau mit 51 Hektar und zusätzlich 14 Hektar Ausgleichsflächen. Eine Versiegelung sei nicht umkehrbar, die Fruchtbarkeit des Bodens, die in der Region extrem gut sei und die Grundlage für die Ernährung darstelle, sei für immer verloren, so Bissinger.

Rund 42 Hektar Waldgebiete würden zerstört werden

Bereits zu Beginn hatte sich Günter Jost vom Verein Bündnis Mensch und Natur klar gegen die B16-Ost ausgesprochen. Rund 42 Hektar Waldgebiete und Bioflächen in der Größenordnung von 59 Fußballfeldern würden dadurch zerstört. Die Trasse verfehle mit ihrem teilweise dreistreifigen Ausbau, nicht nur den Zweck einer Entlastungsstraße für die Bürger von Kötz, Hochwang und Ichenhausen, gleichzeitig werde damit auch der, der gerade einmal 15 Kilometer entfernt gelegenen A7 entfremdet. Es hätte andere Lösungen gegeben, doch bis heute habe es seitens des Straßenbauamts keine Gespräche mit Organisationen und Vereinen gegeben, die sich gegen das Projekt stellten.

Die Teilnehmer der Veranstaltung sahen es ähnlich: Sowohl die „grauenhafte Versiegelung“ von Flächen am Beispiel von Graben bei Augsburg, als auch in Bezug auf die B16-Ost. „Ich bin dagegen“, meinte ein Landwirt aus Kötz und „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“, sagte eine weitere Besucherin.

Für diesen Preis wäre es sinnvoller in den öffentlichen Nahverkehr zu investieren. Eine Entlastung werde die B16-Ost für die betroffenen Gemeinden nicht bringen und mit 38 Millionen Euro sei es nicht getan. Eher würden sich noch zusätzliche Gewerbegebiete entlang der Nord-Süd-Achse ansiedeln, meinte das Ehepaar aus Deubach.

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