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Krumbach

15.07.2019

Haftstrafen nach Überfall auf Krumbacher Getränkemarkt

Der Krumbacher Getränkemarkt Scheppach wurde im Januar überfallen. Jetzt wurde den Tätern der Prozess gemacht.
Bild: Peter Bauer

Plus Im Januar raubten fünf teils noch minderjährige Männer und eine Frau einen Getränkemarkt in Krumbach aus. Jetzt wurde ihnen der Prozess gemacht.

Anfang des Jahres hat ein Raubüberfall auf einen Getränkemarkt in Krumbach für großes Aufsehen gesorgt. Maskierte Jugendliche waren am Abend des 26. Januar kurz vor Ladenschluss mit vorgehaltener Waffe in den Getränkemarkt Scheppach in der Brühlstraße gestürmt, hatten einen Mitarbeiter bedroht und insgesamt 915 Euro erbeutet. „Der Mann war vollkommen bleich und stand unter Schock“, erzählte Marktbesitzer Fridolin Scheppach kurz nach dem Überfall gegenüber unserer Redaktion.

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Die Polizei konnte damals die Täter schnell ermitteln und nahm sechs junge Männer und eine Frau zwischen 15 und 20 Jahren vorläufig fest. Sie alle kamen aus dem Landkreis Günzburg. Bei dem damals 17-Jährigen, der die Waffe geführt hatte, rückte sogar ein Spezialeinsatzkommando an. Die Tatwaffe wurde in der Wohnung des Mannes gefunden und stellte sich als Schreckschusspistole heraus. Die Beamten durchsuchten damals auch eine zweite Wohnung und stellten einen Großteil der Beute sicher.

Schnell war klar, wie die Tat abgelaufen ist und wer welche Rolle hatte. Vier der Festgenommenen blieben in Untersuchungshaft, drei wurden kurze Zeit später wieder auf freien Fuß gesetzt. U-Haft für Minderjährige sei ungewöhnlich, sagte damals ein Polizeisprecher: „So etwas geschieht nur bei besonders schweren Vorwürfen.“

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Überfall auf Getränkemarkt in Krumbach war von langer Hand geplant

Jetzt, nur ein halbes Jahr nach der Tat, fand der Prozess gegen sechs Jugendliche und junge Erwachsene statt. Am Amtsgericht Memmingen verhandelte das Jugendschöffengericht gegen die teils Minderjährigen wegen schweren Raubs unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Laut Gerichtssprecher Nicolai Braun räumte das Sextett die Vorwürfe der Anklage weitgehend ein. Demnach war ein damals 20-Jähriger der Drahtzieher des Überfalls. Er war nicht selbst vor Ort, sondern überwachte die von ihm geplante Tat per Livestream über die Messaging-App Snapchat. Der damals 16 Jahre alte Bruder des Mannes und die 15-Jährige kundschafteten zunächst den Laden aus. Als die Luft rein war, gingen die zwei 17-Jährigen maskiert in den Laden. Einer hielt dem Angestellten die zuvor durchgeladene Waffe an den Kopf und forderte Geld. Aus der Registrierkasse übergab der Mann daraufhin 500 Euro, aus einer separaten Postgeldkasse noch einmal 415 Euro. Als die Maskierten noch nach einem Tresor fragten, sagte der Mann, es gebe keinen. „Er hat sich optimal verhalten“, sagte Marktleiter Scheppach, der selbst im Obergeschoss des Marktes war und vom Überfall nichts mitbekam.

Die Täter nahmen noch das Handy des Überfallenen mit und stürmten dann aus dem Geschäft. Draußen wartete ein 19-jähriger Mitangeklagter, der sie mit dem Auto nach Ursberg fuhr.

Überfall auf Getränkemarkt: Angeklagte entschuldigen sich

Vor Gericht sagte der überfallene Mitarbeiter aus, der in Teilzeit bei Scheppach beschäftigt ist. Ihm gehe es soweit gut, sagte sein Chef unserer Redaktion. Er hatte seine Kollegen per WhatsApp aus dem Gerichtssaal heraus auf dem Laufenden gehalten. Die Täter hatten sich im Saal bei dem Mann entschuldigt und ihm auch die Zahlung von Schmerzensgeld zugesagt.

Weil die Angeklagten geständig waren, konnte das Gericht um Richter Markus Veit die Verhandlung kurz halten. Drei der Täter wurden zu Jugendstrafen verurteilt. Der Drahtzieher des Überfalls muss für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Sein Vorstrafenregister wies bereits einige Eintragungen auf, genau wie bei seinem Bruder, der den Laden ausgekundschaftet hatte. Er erhielt ebenfalls eine Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten, wobei hier laut dem Gerichtssprecher eine noch offene Strafe einbezogen wurde. Der ebenfalls vorbestrafte Haupttäter, der die Waffe mitgeführt hatte, erhielt die härteste Strafe: vier Jahre Gefängnis. Bei ihm wird, wie auch bei den anderen, die Zeit in der Untersuchungshaft angerechnet. Sein Begleiter bei dem Überfall, der bisher nicht strafrechtlich aufgefallen ist, kam mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon. Gegen das Mädchen und den Fahrer wurde das Verfahren eingestellt. Sie müssen gemeinnützige Arbeit verrichten.

Marktleiter hat in Krumbacher Getränkemarkt umgebaut

Marktleiter Scheppach ist froh, dass das Verfahren nun vorbei ist. In seinem Laden hat er in der Zwischenzeit ein wenig umgebaut und den sogenannten Springer nah bei der Kasse postiert. „Es war schon immer eine zweite Person mit im Laden, aber sie ist jetzt für alle, die den Laden vielleicht auskundschaften, deutlicher sichtbar.“ Eine Garantie ist das freilich nicht. Aber vieles spricht dafür, dass dieser außergewöhnliche Fall sich nicht so schnell wiederholt.

Einen Schlussstrich unter diese Sache ziehen können die Beteiligten aber noch nicht. Die drei zu Haftstrafen Verurteilten überlegen, gegen das Urteil des Amtsgerichts in Berufung zu gehen.

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