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Landkreis Günzburg

28.01.2019

So räumen Betrüger Konten leer

Für Kriminelle sind klassische Überweisungsträger ein attraktiver Weg, um illegal Überweisungen ins Ausland in die Wege zu leiten.

Kriminelle benutzen klassische Überweisungsträger, um Geld zu ergaunern. Im Landkreis Günzburg gab es bereits mehrere Fälle, die Kriminellen sind kaum zu ermitteln. Wie Bankkunden sich schützen können.

Täglich flattern bei einer Bank Überweisungsträger ein. Jemand bezahlt damit einen Kauf im Internet, die Stromrechnung, vielleicht einen Urlaub. Doch unter die Vielzahl an Überweisungen schleichen sich Fälschungen ein. Betrüger geben von einem fremden Bankkonto aus Zahlungen in Auftrag, oftmals ins Ausland. Allein in diesem Monat verzeichnete die Polizei zwei dieser Fälle in Thannhausen. Einmal hatten die Betrüger Erfolg – vom Konto einer 78-jährigen Rentnerin überwiesen sie knapp 900 Euro nach Litauen. Das Geld ist weg – und die Polizei hat schlechte Karten, den Tätern auf die Schliche zu kommen.

Dem Sprecher der Polizeiinspektion Krumbach, Claus Schedel, kommen derartige Fälle regelmäßig unter. Wie er erklärt, gehen die Täter sehr professionell vor: „Zunächst besorgen sie sich die Kontodaten des Opfers. Dann leiten sie damit eine Überweisung ein, in der Regel auf ein Konto im Ausland.“ Selbst die Unterschriften der Opfer fälschen sie oft überzeugend – im Fall der Rentnerin entsprach die Unterschrift dem Schriftbild einer älteren Person.

Die gefälschten Überweisungen erreichen Banken meist über die Post oder werden in einen Briefkasten eingeworfen. Geldinstitute kennen die Masche bereits und reagieren. Die Raiffeisenbank Thannhausen etwa hat die Briefkästen entfernt, in die Kunden früher Überweisungsträger einwerfen konnten. Somit liege die Hemmschwelle für Betrüger höher, sagt der Sprecher der Bank, Gerhard Böck: „Am Schalter oder über Post trauen sich weniger Leute, eine Fälschung einzureichen.“ Er betont, dass bei seiner Bank bisher kein Betrüger Erfolg gehabt habe. Versucht haben es einige – mehrere Fälle kommen der Thannhauser Bank pro Jahr unter.

Einen solchen Versuch gab es vor etwa einer Woche. Ein Überweisungsträger ging bei der Bank ein, der Geld von einem Firmenkoto ins Ausland transferieren sollte (wir berichteten).

Ein Angestellter der Bank fragte bei der Firma nach, ob der Vorgang korrekt sei – und erhielt als Antwort, dass er eine Fälschung in Händen halte. „Bei Überweisungen ins Ausland fragen unsere Mitarbeiter immer nach, da werden wir misstrauisch“, sagt Böck.

Wie Polizeisprecher Schedel erklärt, benutzen Kriminelle aber auch Mittelsmänner in Deutschland, die das Geld dann wiederum ins Ausland weiterleiten: „Oft werden diese sogar Glauben gelassen, dass alles legal zugehe. Die Erklärungen sind etwa, dass einer Firma so weniger Arbeit mit den Behörden im Ausland entstehe.“ Diese Mittelsmänner machen sich allerdings strafbar, denn bei diesem Vorgehen handelt es sich um klassische Geldwäsche. Schedel zufolge hat die Polizei schlechte Chancen, die Hintermänner des Betrugs ausfindig zu machen. Die sitzen im Ausland, wo die deutsche Polizei wenig Handhabe hat. Die dortigen Behörden greifen manchmal ein und sperren Konten, auf dem das ergaunerte Geld landet. Doch diese Konten werden Schedel zufolge meist unter einem falschen Namen eröffnet, die Betrüger bleiben dadurch unerkannt.

Nicht schutzlos ausgeliefert

Allerdings sind Bankkunden diesen Betrügern nicht schutzlos ausgeliefert. Wie Schedel sagt, dürfe man seine Kontodaten unter keinen Umständen an Fremde weitergeben: „Oft versuchen Kriminelle, diese Informationen am Telefon abzugreifen, indem sie die Kontodaten abfragen, damit man an einem Gewinnspiel teilnehmen kann.“

Oder die Betrüger fischen einfach vorgedruckte oder bereits ausgefüllte Überweisungsträger aus einem Papierkorb. „Gerade in einer Bank oder in unmittelbarer Nähe sollte man also nie solche Dokumente wegwerfen“, sagt Schedel. Zusätzlich gibt er den Tipp, dass Kontoinhaber regelmäßig die Bewegungen auf ihren Konten überprüfen sollten – so können sie einen möglichen Betrug schnell erkennen und vielleicht noch rechtzeitig eingreifen.

Bank-Sprecher Gerhard Böck rät Kunden dazu, Online-Banking zu benutzen: „Landläufig herrscht die Meinung, dass Überweisungen auf Papier sicherer sind. Wer sein Onlinekonto aber sauber führt, seinen PC sicher und seine Passwörter geheim hält, hat wenig zu befürchten.“ Gefälschte Überweisungen erreichen seine Bank mehrmals im Jahr – Online-Konten seinen bei ihnen aber bisher nie geknackt worden.

Auch in der Region versuchen Ganoven immer wieder mit dem sogenannten „Enkeltrick“ meist ältere Menschen um ihr Vermögen zu „erleichtern“. Am Freitag war laut Polizei ein hochbetagtes Ehepaar in Krumbach betroffen, es ging laut Polizei um eine Summe von 50000 Euro.

Eine Täterin gab sich am Telefon als Enkelin gegenüber dem Ehepaar aus und bat um finanzielle Unterstützung. Glücklicherweise scheiterte der Versuch.

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