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Krumbach

08.01.2019

Wie die Kartei der Not in Krumbach und Umgebung hilft

Ein Teil des Erlöses der Adventskalender-Aktion des Rotary-Clubs Schwäbischer Barockwinkel Thannhausen kommt der Kartei der Not zugute.
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Ein Teil des Erlöses der Adventskalender-Aktion des Rotary-Clubs Schwäbischer Barockwinkel Thannhausen kommt der Kartei der Not zugute.
Bild: Peter Bauer

Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, werden auf eine vielfältige Weise unterstützt. Der massive Anstieg der Mieten wird für viele immer mehr zum Problem

Musiker und Künstler zeigen Herz, ebenso Vereine (wie zuletzt der Rotary-Club Schwäbischer Barockwinkel Thannhausen mit seiner Adventskalenderaktion). Und immer wieder spenden auch Firmen und zahlreiche Privatleute für Menschen in der Region, die dringend Hilfe brauchen. Das Engagement von Schulen wie dem Ursberger Ringeisen-Gymnasium (mit seinem Adventsbasar) für die Kartei der Not, das Hilfswerk unserer Zeitung, ist zur Tradition geworden. Es ist diese vielfältige Hilfsbereitschaft, dank der die Kartei der Not selbst helfen kann.

Im Verbreitungsgebiet der Redaktion der Mittelschwäbischen Nachrichten im südlichen Landkreis Günzburg konnten im letzten Jahr 2018 48 Hilfeanfragen unterstützt werden. Insgesamt half die Kartei der Not mit über 23000 Euro im Redaktionsgebiet, heißt es in der Jahresbilanz des Hilfswerks.

Die Hilfeanfragen kamen in 37 Fällen von Familien mit gesamt 87 betroffenen Kindern und drei Heimkindern. In 25 Fällen war eine chronische Krankheit und/oder eine Behinderung zu bewältigen.

Der Unterstützungsbedarf drehte sich oft, so die Kartei der Not in ihrer Bilanz, um das Wohnen. „So halfen wir sieben Mal bei den Energie- und Nebenkosten sowie Mietzahlungen, um zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung verlieren oder ohne Strom und Heizung sind.“ In zehn Fällen war auch die Hilfe beim Umzug in eine günstigere Wohnung nötig oder die Einrichtung wie eine Kochmöglichkeit, ein Kühlschrank, Herd oder ein Bett mit Matratze nötig.

Seit 1965 hilft die Kartei der Not unverschuldet in Not geratenen Menschen in der Region. Unverschuldet in Not – das kann schnell passieren und jeden treffen. Krankheit, Unfall oder der Verlust der Arbeit sind einige Beispiele dafür. Dazu kommt aktuell die massive Steigerung bei den Mieten, die für viele immer mehr zum Problem wird. Durch die Zusammenarbeit mit sozialen Beratungsstellen vor Ort ist gewährleistet, dass die Unterstützung der Kartei der Not auch tatsächlich bei den Bedürftigen ankommt und für den benötigten Zweck verwendet wird. „Dabei kommt jede Spende zu 100 Prozent bei den Betroffenen an, weil alle Verwaltungskosten von der Mediengruppe Pressedruck getragen werden“, betont das Hilfswerk.

Wenn das Leben aus den Fugen gerät

Die Kartei der Not half im südlichen Kreis Günzburg beispielsweise einer fünfköpfigen Familie, deren Leben plötzlich aus den Fugen geraten war. Der Familienvater erlitt innerhalb eines Jahres zwei Herzinfarkte und kann seitdem nicht mehr arbeiten. Die finanzielle Situation der Familie wurde schnell sehr eng und zum Leben bleibt nach Abzug der monatlichen Kosten kaum etwas übrig. Vor allem die Kinder leiden unter der Situation und jede neue Anschaffung wird zur Herausforderung für die Eltern. So unterstützte die Kartei der Not die Familie beim Kauf von Winterkleidung und Schuhe für die Kinder.

Nicht selten geraten alleinstehende, ältere Menschen mit minimaler Rente in schwierige Situationen. Dies zeigt folgendes Beispiel: Eine alleinstehende, schwer kranke, über 80-jährige Rentnerin muss mit einer minimalen Rente auskommen. Die Frau lebt sehr sparsam und bescheiden und kann alle monatlichen Ausgaben gerade so bezahlen. Die in die Jahre gekommene Waschmaschine ging kaputt und eine Reparatur lohnte sich nicht mehr. Mithilfe der Beratungsstelle und der Kartei der Not konnte eine neue günstige Waschmaschine gekauft und so der Alltag der Rentnerin erheblich erleichtert werden.

Schwere Schicksalsschläge muss eine Familie mit zwei Kindern im Alter von elf und zwölf Jahren verarbeiten. Die Mutter leidet an Brustkrebs, der vor einigen Monaten wieder ausgebrochen ist. Eine geplante Strahlentherapie konnte noch nicht erfolgen, da es der Gesundheitszustand derzeit nicht zulässt. Der elfjährige Sohn ist an Muskelatrophie erkrankt und zu 100 Prozent schwerbehindert. Die Folgen dieser Erkrankung sind Muskelschwund, Lähmungen und eine verminderte Muskelspannung. Der Bub ist auf den Elektro-Rollstuhl angewiesen und kann sich ohne Hilfsmittel nur krabbelnd fortbewegen. Der Vater ist inzwischen krankgeschrieben, damit er seine Frau und die Kinder versorgen kann. Die finanzielle Situation ist sehr angespannt und es bleibt nach Abzug der monatlichen Fixkosten nur wenig Geld zum Leben. Nun muss das Auto der Familie, das sie dringend für Arzt- und Therapiefahrten für Mutter und Sohn benötigt, repariert und gewartet werden. Die Familie kann sich die Kosten jedoch nicht leisten. Die Kartei der Not hilft und unterstützt die Familie bei der Autoreparatur.

Seit knapp drei Jahren leben rund 80 Menschen aus der Region, die unverschuldet in Not geraten sind, im Augsburger Ellinor-Holland-Haus der Kartei der Not. Die ersten Bewohner zogen im Januar 2016 ein und nun steht für sie eine weitere große Veränderung an – der Auszug. Denn im Ellinor-Holland-Haus ist die Wohndauer auf maximal drei Jahre begrenzt. Die letzten Monate waren daher geprägt von der Wohnungssuche und den Vorbereitungen auf ein Leben „nach dem Ellinor-Holland-Haus“. „Wir sind stolz auf ,unsere’ Bewohner, denn sie haben in den letzten Jahren hart gearbeitet und neue Zukunftspläne entwickelt. Einige haben den Sprung zurück in die Berufstätigkeit geschafft. Die Jugendlichen im Haus konnten die Schule erfolgreich abschließen und fanden Ausbildungsstellen.“

Ziel des Ellinor-Holland-Hauses ist es unter anderem, dass die Bewohner zukünftig weitgehend unabhängig von staatlichen Leistungen leben können und die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt stattfindet.

„Es gibt auch in unserer Region so viele Einzelschicksale und Unglücke, die bewegen und bei denen man einfach helfen muss. Wir freuen uns deshalb sehr über jede Spende, weil unser Leserhilfswerk nur dank dieser Spenden wirklich die Not lindern kann. Vielen Dank an all unsere Leser für ihre großartige Unterstützung“, betont Kartei-der-Not-Geschäftsführer Arnd Hansen. (mn)

Lesen Sie zur Kartei der Not auch unseren Kommentar:

Die Botschaft der Herzlichkeit in Mittelschwaben

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